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Germany · taz · · 2h

Konflikt zwischen Saudis und Huthis: Saudi-Arabien blickt sich hilfesuchend um

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Die letzte Woche stellte so etwas wie den wahr gewordenen saudischen Albtraum dar. Vorläufiger Höhepunkt der Eskalation zwischen der Huthi-Miliz im Jemen und Saudi-Arabien war ein Raketen- und Drohnenangriff auf die saudische Hauptstadt Riad und ihren Flughafen am Samstag. Mehrere Raketen wurden auch an anderen Orten des Landes abgefangen, hieß es von amtlicher saudischer Seite. Angaben über die Zahl der Angriffe oder die Schäden wurden nicht gemacht.

Der Angriff auf den Flughafen, der ein Treibstofflager getroffen hat, aber keinen großen Schaden anrichtete, dürfte vor allem psychologische Ziele gehabt haben; die Bilder von Rauch über dem Flughafen sollten wohl vor allem ein Gefühl der Unsicherheit unter der saudischen Bevölkerung säen. Die Huthis bezeichneten den Angriff als Antwort auf saudische Luftangriffe auf ihre Positionen im Jemen.

Der Angriff ist kein Einzelfall. In diesem Monat sind bereits andere strategische saudische Ziele getroffen worden mit massiven Auswirkungen auf die saudische Ölwirtschaft. Am dramatischsten war der Angriff auf eine Pumpstation der saudische Ost-West-Öl-Pipeline, der wichtigsten Umgehung der Meerenge von Hormus. Dort wird das im Osten Saudi-Arabiens produzierte Öl nicht über den Arabischen Golf, sondern über eine Pipeline quer durchs Land zum Roten Meer gepumpt.

Der Angriff ging wahrscheinlich von schiitischen Milizen im Irak aus und hatte zur Folge, dass die Pipeline zeitweise geschlossen wurde. Inzwischen läuft sie wieder, mit welcher Kapazität ist unklar. Am Tag darauf eroberten die Huthis im Jemen von den jemenitischen Regierungstruppen die Insel Perim im Roten Meer, die an der Meerenge Bab El-Mandab gelegen ist. Die jemenitischen Regierungstruppen werden von Saudi-Arabien unterstützt.

Damit hatten die Saudis innerhalb von 36 Stunden zunächst temporär ihre Pipeline verloren und kurz darauf die Sicherung einer Meerenge, die neben der Meerenge von Hormus für den Export ihres Öls von entscheidender Bedeutung ist.

Nun stellt sich die Frage, wie Saudi-Arabien auf die Angriffe reagieren wird. Zweimal telefonierte der saudische Kronprinz Mohammad bin Salman letzte Woche mit dem US-Präsidenten Donald Trump und forderte von ihm militärische Unterstützung. Zumindest öffentlich sagte Trump kurz vor den Midterm-Wahlen nichts zu. Möglich ist, dass die USA Aufklärung bei der Zielauswahl für die saudische Luftwaffe angeboten haben, aber keinerlei direkten Einsatz von US-Personal im Jemen.

Hilfesuchend blicken die Saudis auch auf die Länder des Mekka-Militärpakts, der erst vergangenen Monat zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan geschlossen worden war. Die Saudis wollen damit ihre Sicherheitsarchitektur diversifizieren, nachdem die US-Stützpunkte in Saudi-Arabien im Irankrieg mehr Angriffsfläche als Schutz geboten haben.

Doch auch im Mekka-Pakt hat sich bisher keine konkrete militärische Hilfe gegen die Huthis materialisiert. Aus der Türkei heißt es, man sei bereit zu helfen. Der türkische Außenminister Hakan Fidan sprach davon, dass die Saudis militärische Unterstützung in einigen technischen Bereichen bräuchten und die Türkei bereit wäre, diese zu geben. Was das beinhaltet, ist unklar; aber mit Sicherheit keine türkischen Truppen.

Auch Generalleutnant Ahmed Sharif Chaudhry, ein Sprecher des pakistanischen Militärs, sagte am Donnerstag gegenüber der saudischen Zeitung Arab News, dass Islamabad diplomatisch und „physisch“ an der Seite Saudi-Arabiens stehe. Seine anschließende Erläuterung des Worts „physisch“ macht allerdings zahlreiche Interpretationen möglich. „Wir werden so weit gehen wie nötig“, sagte er. Auch der saudische Versuch, gemeinsam mit Ägypten eine maritime Allianz zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer zusammenzuzimmern, zeigt bisher wenig konkrete Ergebnisse.

Welche Früchte die saudischen Bemühungen um militärische Unterstützung am Ende tragen werden, bleibt abzuwarten. Doch weder die USA noch die Türkei, Pakistan oder Ägypten scheinen derzeit bereit, sich direkt am Konflikt zwischen Huthis und Saudis zu beteiligen.

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Source: taz