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Exxonmobil prognostiziert Klimawandel: US-Ölriese rechnet 2050 mit Erderhitzung von bis zu 3 Grad
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Wegen der weiter starken Nutzung von fossilen Energieträgern rechnet die Ölbranche aktuell mit einem Anstieg der globalen Temperaturen von 2,5 bis 3 Grad schon 2050. Die Zahlen sind Teil des jährlichen Energieausblicks des US-Ölmultis Exxonmobil. Exxonmobil gilt als der größte börsennotierte Öl- und Gaskonzern in den Vereinigten Staaten und zählt global zu den wichtigsten Akteuren der Branche. Laut der Analyse erwartet Exxon, dass vor allem die Verbrennung von Kohle langsamer zurückgehen könnte als bisher erwartet.
3 Grad globale Erderhitzung gegenüber der vorindustriellen Zeit erwarten viele Expert*innen weltweit erst im Jahr 2100. Allerdings rechneten die Deutsche Meteorologische Gesellschaft und die Deutsche Physikalische Gesellschaft bereits im vergangenen September in einem gemeinsamen Aufruf mit dem Erreichen dieser Schwelle im Jahr 2050. Das hätte fatale Folgen für das Leben auf der Erde.
Exxon begründet das Negativ-Szenario vor allem mit der verstärkten Nutzung fossiler Energie. Im Jahr 2050 werde Kohle immer noch mit 15 Prozent zum weltweiten Energiemix beitragen, ein Prozentpunkt mehr als im Jahr zuvor prognostiziert. Im vergangenen Jahr waren es etwa 25 Prozent. Kohle sei in China und anderen Ländern Asiens immer noch eine bedeutende Energiequelle und gelte vor allem wegen der geopolitischen Veränderungen zunehmend als Schlüssel für die Energiesicherheit.
In der vergangenen Woche hatte bereits die Internationale Energieagentur prognostiziert, dass der weltweite Kohleverbrauch in diesem Jahr auf einen Rekordwert von 8,94 Milliarden Tonnen steigt, da der Iran-Krieg die Exporte von Rohöl- und Flüssiggaslieferungen durch die Straße von Hormus abwürgt. Doch der Konflikt ist noch gar nicht Teil der Exxon-Berechnungen – angeblich ist es zu früh, seine langfristigen Auswirkungen abzuschätzen.
Dennoch steigen wegen des Strebens vieler Staaten nach Energiesicherheit die Emissionen. Exxon rechnet zwar mit einem Sinken des energiebedingten CO₂‑Ausstoßes auf 30 Milliarden Tonnen CO₂ im Jahr 2050 weltweit. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen jedoch noch mit 27 Milliarden Tonnen CO₂ kalkuliert. Die UNO verweist auf den Weltklimarat IPCC: Um 2050 unter zwei Grad Erderhitzung zu bleiben, müssten die Emissionen bis dahin auf 11 Milliarden Tonnen CO₂ sinken.
Zum Vergleich: Deutschland hat im vergangenen Jahr insgesamt 649 Millionen Tonnen CO₂ emittiert – oder etwa 1,5 Prozent der globalen Emissionen.
Negative Aussichten hat Exxonmobil auch für die Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoffdioxid (Carbon Capture and Storage, CCS). CCS gilt unter Fachleuten als einer der wenigen Wege, um die Erderhitzung nachträglich gewissermaßen zurückzudrehen. Allerdings: Hatte Exxon noch im vergangenen Jahr in Übereinstimmung mit anderen Studien prognostiziert, dass 2050 etwa 3,1 Milliarden Tonnen CO₂ jährlich aus der Atmosphäre entfernt und gespeichert werden können, rechnet es nun noch mit 2 Milliarden Tonnen. Der Grund: Viele Methoden rechneten sich absehbar nicht.
Wie gut Exxon über die Klima-Folgen seiner Aktivitäten informiert ist, zeigte 2023 eine Auswertung von Klimaforscher*innen der Harvard University und des Potsdam-Instituts für Klimaforschung (PIK). Das Unternehmen habe die globale Erderwärmung als Folge des Ausstoßes von Treibhausgasen seit Ende der 1970er Jahre genau vorhergesagt, schrieben die Forscher:innen im Fachmagazin Science. Zugleich habe der Ölmulti den Zusammenhang jahrzehntelang systematisch heruntergespielt.
Dass Exxon schon lange von der Bedrohung durch die globale Erwärmung wusste, war bereits grundsätzlich bekannt. Die Klimaforscher:innen hatten interne Unternehmsprognosen von 1977 bis 2003 ausgewertet – das Ergebnis nannten sie „verblüffend“. Die Exxon-Vorhersagen seien deutlich besser als die der US-Raumfahrtbehörde Nasa gewesen.
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Source: taz