Faultline Faultline Kommando 161

Germany · taz · · 2h

Die Wahrheit: Im Dreck ist der Karren, im Karren ist Dreck

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Da ist der Karren jetzt schon wieder in den Dreck gefahren worden. Wer das am Ende gewesen ist, also das mit dem Karren und dem Dreck, weiß man nicht genau: War es der oberste Deutsche, waren es die Linken, die Rechten, war es jemand aus Berlin, oder wo fand das überhaupt statt mit dem Karren, und der Dreck, wie ist der jetzt genau beschaffen, ist das nur Schlamm, also nasse Erde, oder ist da noch Müll mit bei, wie man am Niederrhein sagt?

Ist der Dreck am Ende sogar die Kacke, die am Dampfen ist, die Scheiße, in die die Chose hineingeritten wurde, oder ist der Dreck flüssig wie Kakao, durch den man den Karren ja auch ziehen könnte dann. Und den Karren, den muss man sich auch mal genauer anschauen, wer ist denn überhaupt heutzutage noch mit einem Karren unterwegs, Reifen aus Holz, wir bitten euch, so etwas macht höchstens noch die FDP, die haben oder hatten doch so was in Gelb, oder ist das am Ende wieder nur so eine Redewendung und gemeint ist ein E-Roller zum Digital-Ausleihen, der im Straßengraben oder in der Spree gelandet ist, weil man ihn nicht mehr braucht am Ende der Leihe?

Vermutlich ist der Karren am Ende des Tages eine Metapher, die für Deutschland oder die Gesellschaft oder das Klima oder so steht. Das Klima wurde in den Dreck gefahren! So sieht es wohl aus: Muren überall, von Ruhr- zu Murgebiet, von Mauren gesteuerte Muren, o mein Gott! Das ist ja ein adipöser Hund. Da wurde die Klimawende wohl reichlich an die Wand gefahren! O nein, auch das noch, an welche Wand denn genau? Und womit, mit dem Karren? Ist der also gar nicht im Dreck, sondern an der Wand? Oder von der Wand abgeprallt und dann im Dreck gelandet? Triggerentwarnung: Nein, ums Klima geht es diesmal ausnahmsweise nicht.

Es geht um die Wahlen neulich, die in Teilen unseres Landes abgehalten wurden und seitdem die Schlagzeilen beherrschen, besonders die schmutzigen. Da hat zum Beispiel die Demokratie den Karren in den Dreck oder auch einfach der Vorsitzende der Demokratie, also der amtierende Bundeskanzler, den Karren namens Demokratie oder vielleicht auch nicht den ganzen Karren, sondern nur einen bestimmten Karren.

Das muss man sich dann so vorstellen wie beim Karneval ein Umzugswagen, wo CDU draufsteht, und der wurde jetzt samt Inneneinrichtung, hahaha, in den Dreck gefahren oder genauer in die Ostsee. Und auf diesem gesunkenen Karnevalswagen sitzt jetzt der junge Narr Philipp Amthor als außerparlamentarischer Oppositioneller mit Zweitberuf Kanzleramtsminister und darf das Wrack heben oder die Karre aus der Scheiße reiten oder die Kuh vom Eis holen.

Oder wer kann das machen? Den Dreck aus dem Kakao ziehen? Bundesaußenminister Wadephul böte sich an. Der ist gerade in New York und vertritt dort den oben bereits namentlich nicht erwähnten Bundeskanzler, weil der hier zu Hause ja ziemlich abschmiert. Und da sagt er, also der Wadephul, jetzt, in nicht rechtzeitig weggezogene Mikros, dass Deutschland stabil bleiben müsse. Stabil bleiben! Wie schon seine Partei von Berlin (vergeblich) gefordert hat oder die Linkspartei behauptet: dass Berlin nämlich stabil bleibt! Vielleicht braucht es das tatsächlich – einen Stabilisator für die Scheiße, die in den Karren gefahren ist wie der Teufel ins Detail.

Wenn aber der Wadephul keine Zeit hat wegen New York, dann vielleicht dieser Hitler, der ja im Siegeszuge der Rechten wieder in aller Munde ist, zum Beispiel in dieser Schlagzeile, die dem kostenlosen Wiener Blatt Heute zu entnehmen war: „Hitlers steiniger Weg zum Baby“. Obwohl, freudscher Verleser! Kann ja mal passieren. Gemeint ist hier Hiller, Gabi, Moderatorin, Fernsehnase. Warum Wege zum Baby allerdings steinig sein müssen – da stimmt doch was mit der Metapher nicht! –, weiß auch Gott allein. Noch so ein adipöser Hund.

Aber zurück zum Karren. Hilft eine Zitatebank? „Wer den Karren in den Dreck geschoben hat, soll ihn auch wieder herausziehen“, meint zum Beispiel der Mann, der zum Lachen zu sich selbst finden musste, Gottfried Keller. Also, wer soll den Karren aus dem Dreck ziehen?

Am Ende des Metapherntages wir alle. Könnte aber schwierig werden, wie ein anderes Zitat zeigt: „Es gibt Mitarbeiter, die ziehen den Karren. Dann gibt es Mitarbeiter, die laufen mit. Und dann gibt es noch Mitarbeiter, die auf dem Karren sitzen oder ihn gar bremsen.“ An der Stelle sind wir raus, vor den Karren lassen wir uns nicht mehr spannen.

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Source: taz