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Verpflichtende Musterungen bei der Bundeswehr? Unsere Antwort: Schulstreik!
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Der Bundeswehr fehlt es an Personal, diese Lücken konnten auch die Fragebögen der Bundeswehr nicht decken. Nun werden Jugendliche trotz Ablehnung der Bundeswehr zu verpflichtenden Musterungen eingeladen. Umso mehr ist es an der Zeit für den nächsten Schulstreik gegen die Wehrpflicht am 25. September, meint Andrej Hoffmann.
Die Zwangsmusterungen für alle 18-jährigen Jugendlichen sind da. Das berichtete das Bundesverteidigungsministerium am Freitag in seiner aktuellen Bilanz zur Personalentwicklung. Denn viele Jugendliche geben bisher eine Null an, was für „kein Interesse“ an der Bundeswehr steht. 25 Prozent ignorieren dabei die Bundeswehr von vornherein (oder anders gesagt „ghosten“ sie die Bundeswehr).
Die Zwangsmusterungen wurden im neuen Wehrdienstgesetz als Möglichkeit festgelegt und anscheinend auch sofort umgesetzt, jedenfalls wurden seit Juli rund 1.000 an der Bundeswehr uninteressierte Jugendliche zwangsgemustert.
Die Ursache: In den sogenannten Karrierecentern der Bundeswehr ist man kurz davor, der Tapete in den neu aufgebauten Zentren beim Trocknen zuzuschauen, weil die Jugendlichen fehlen, die sich abknallen lassen wollen. Die Lösung ist nun, Jugendliche zu Musterungsuntersuchungen einzuladen. Bereits in der Vergangenheit wurde dies in einzelnen Fällen immer mal wieder berichtet.
Trotz verpflichtender Fragebögen noch zu wenig Personal
Das Verteidigungsministerium geht mit der Zwangsmusterung nun deutlich offensiver vor. Als Folge der Zeitenwende und des in ihr formulierten Anspruchs, die stärkste konventionelle Armee Europas zu besitzen, benötigt die Bundeswehr Kanonenfutter. Kanonenfutter, welches trotz umfangreicher Werbemaßnahmen wie Influencer-Kampagnen, Werbung auf Dönerverpackungen oder im Klassenzimmer und steigenden Gehältern ausbleibt.
Im August 2025 veröffentlichte die Bundesregierung den ersten Gesetzentwurf, welcher mittlerweile zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten ist und umgesetzt wird. Ziel ist vor allem, durch die Wiedereinführung des aktuell freiwilligen Wehrdienstes die Anzahl an Reservist:innen zu erhöhen. Bei mehr Bedarf ist die Wehrpflicht beschlossene Sache.
Seit dem 1. Januar erhalten Tausende Jugendliche Briefe von der Bundeswehr mit der Aufforderung, einen Online-Fragebogen zur Erfassung der Kriegstüchtigkeit auszufüllen. Doch diese vielen Briefe brachten bis Mitte Juni nur 530 Freiwillige für den Wehrdienst. Damit bleibt die Bundeswehr aktuell noch hinter den Anforderungen zurück.
Allein bei internen Problemen – wie der teilweise schlechten Ausstattung durch verschwundene Waffen, die bei faschistischen Terrornetzwerken wieder auftauchen, und einem ineffektiven Beschaffungswesen – einmal nur am Rande betrachtet, sind dies nicht die alleinigen Gründe für die nun eingeführte verpflichtende Musterung.
Denn seit der Einführung des Gesetzes sorgte der US-israelische Angriff auf den Iran für eine Krise im weltweiten Ölhandel, welche auch die deutsche Wirtschaft hart trifft. So konnte diese vor fünf Jahren noch durch die günstige russische Energieversorgung deutlich besser im imperialistischen Wirtschaftskampf mit anderen Ländern mithalten.
Die Bundeswehr soll zudem als Teil des NATO-Kriegsbündnisses zukünftig fünf Prozent des BIP für Rüstung ausgeben und jeder dritte Euro im Haushalt wird in Zukunft an die Bundeswehr gehen. An der Bereitschaft, Geld für Aufrüstung und Militarisierung auszugeben, mangelt es also nicht, allerdings noch am Personal.
Zeitenwende überall im Alltag – Widerstand dagegen auch!
Die kommenden Zwangsmusterungen sind allerdings noch kein Grund, sich zu Hause einzuschließen und den Kopf in den Sand zu stecken. Bei einem Spaziergang durch die Stadt begegnet man neben der ganzen Bundeswehrwerbung und, mit ein bisschen Pech, einem Karrierecenter künftig vielleicht auch einer Waffenfabrik, direkt neben dem eigenen Haus, Spielplatz oder Supermarkt. So sehen zumindest die Pläne für Berlin-Wedding, Sangerhausen und Leipzig aus.
„Keep Elbit out“: Protest gegen geplante Waffenfabrik in Sangerhausen
Erfreulich ist dabei: An diesen Orten gibt es breiten Widerstand aus der Bevölkerung. Denn niemand möchte auf dem Weg zum Supermarkt an einer Waffenfabrik vorbeigehen, die eines Tages explodieren oder im Kriegsfall als Erstes von einer Rakete dem Erdboden gleichgemacht werden könnte. Das ist irgendwie verständlich.
Genug Gründe also, um den Widerstand gegen die verpflichtenden Musterungen heute und die drohende Wehrpflicht übermorgen aufzubauen. Dabei muss der Widerstand auf verschiedenen Ebenen organisiert werden, denn nur so können wir ihr Ziel einer kriegstüchtigen Jugend und Gesellschaft zerstören.
Dass der Widerstand gegen die Bundeswehr ganz konkret erfolgreich sein kann, zeigten Aktivist:innen während des „Rheinmetall Entwaffnen Camps“ in Köln, bei dem sie das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr einen Tag lang blockierten und den Betrieb lahmlegten.
Am Freitag von den Klassenzimmern auf die Straße
Doch die Bekanntgabe der verpflichtenden Musterungen rund eine Woche vor dem vierten Schulstreik gegen die Wehrpflicht könnte ein Tropfen sein, der das Fass voller Kriegshetze von SPD-Kriegsminister Pistorius und Co. zum Überlaufen bringt. Es liegt also nun an uns, in unseren Schulen unsere Mitschüler:innen davon zu überzeugen, am Freitag mit auf die Straße zu gehen und sich langfristig zu organisieren.
Eine Übersicht über alle stattfindenden Schulstreiks am 25.09. findet ihr hier.
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Source: Perspektive Online