Politics · Perspektive Online · · 3h
Gegenprotest gegen „Marsch für das Leben“ in Berlin und Köln
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Jedes Jahr im September finde der sogenannte „Marsch für das Leben statt“. Dieser wird von verschiedenen Strömungen getragen, die sich gegen Schwangerschaftsabbrüche und das Selbstbestimmungsrecht von Frauen und LGBTI+-Menschen aussprechen. Am Samstag fand er zum Ende dieser Woche erneut statt, gleichzeitig in Berlin und in Köln.
Beim Marsch in Berlin waren auch dieses Jahr wieder mehrere AfD-Abgeordnete zu sehen, darunter Martin Hohmann, Julian Adrat und Martin Kohler. Unter den Teilnehmenden sollen außerdem Hubert Hüppe (CDU), Sylvia Pantel, die Publizistin Birgit Kelle und Jor-El Godsey, den Präsidenten von „Heartbeat International“, gewesen sein.
Seit 2008 ruft der Bundesverband Lebensrecht zum „Marsch für das Leben“ auf. Dieser sprach von 4.200 Teilnehmer:innen in Berlin und 2.100 Teilnehmer:innen in Köln beim diesjährigen Marsch. In Köln war der „Marsch für das Leben“ für 3.000 Personen angemeldet worden, es kamen also weniger Teilnehmer:innen als erwartet. Die Polizei Berlin spricht nur von rund 2.000 Teilnehmer:innen beim Berliner „Marsch für das Leben.“
Fast genau so viele Polizist:innen, nämlich 1.150, begleiteten den „Marsch für das Leben“, denn der Protest der Abtreibungsgegner:innen blieb weder in Köln noch in Berlin unbeantwortet.
Frauen kämpfen für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung
Kölner Aktivist:innen protestieren direkt vor der Bühne des Marsches
Rund 20 Aktivist:innen des Solidaritätsnetzwerk Kölns mischten sich in unauffälliger, passender Kleidung unter die Teilnehmenden des „Marsches für das Leben“ in Köln. Drei von ihnen brachten jeweils drei große Holzkreuze mit.
Nach kurzer Zeit versammelte sich die Gruppe an den Kreuzen und befestigte daran ein Transparent mit der Aufschrift „Our bodies, our choice – Fundamentalisten von der Straße jagen“. Anschließend stellten sich die Aktivist:innen zügig vor die Bühne und riefen kämpferische Parolen, darunter „My body, my choice, raise your voice“, „Frauen, die kämpfen, sind Frauen, die leben“ und „Widerstand wie noch nie – LGBT“.
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Schon nach wenigen Sekunden, rissen Teilnehmende der Veranstaltung das Transparent herunter. Kurzzeitig kam es zu einem Gerangel um das Banner. Die Polizei kam dazu und entriss den Beteiligten das Transparent. Die Aktivist:innen wurden unter Schubsereien und Handgreiflichkeiten von der Polizei vom Platz eskortiert und zeitweise von Einsatzkräften umstellt.
Da sie sich unmittelbar neben der Veranstaltung befanden, konnten sie weiter Parolen rufen. Auch Frauen außerhalb der Gruppe solidarisierten sich mit ihnen. Nach zehn Minuten begleitete die Polizei die Gruppe zur angemeldeten Gegendemonstration.
Gegenprotest an mehreren Orten in Berlin
In Berlin versammelten sich rund 400 Personen zu einer Gegenkundgebung am Washington Platz. Parallel demonstrierte das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung (BfSS) mit mehreren hundert Teilnehmenden. Laut den Organisatorinnen störten weitere Gegendemonstrierende den Ablauf des MfL auch entlang der Strecke.
Die Polizei ging laut Pressemitteilung der Gegendemonstrant:innen teils gewaltsam gegen die Demonstrierenden vor und hätte dabei schwere Verletzungen in Kauf genommen. Beispielsweise wurde medizinisches Person festgenommen, das sich auf einer Brücke des Charité-Geländes mit einem Transparent solidarisieren wollte. Die Personen seien in mehreren Metern Höhe festgenommen worden, nachdem Polizistinnen eine Fensterscheibe des Krankenhauses zerstört hätten.
Bereits am Vormittag fand am Robert-Koch-Platz in Berlin, unweit der Charité, eine Kundgebung gegen den „Marsch für das Leben“ statt. Zu der Aktion hatten Betriebskampf Berlin und das Studierendenkollektiv Berlin aufgerufen.
Der Platz war dabei nicht zufällig gewählt: Der Marsch zieht daran vorbei, und die Charité ist nur wenige Schritte entfernt. Da dort auch Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden, befürchten die Aktivist:innen Anfeindungen gegen Beschäftigte. Zugleich wollten sie ein Zeichen gegen Angriffe auf das Gesundheitswesen setzen.
Familienministerium will sparen: Kürzungen beim Elterngeld und staatlichen Unterhalt geplant
In ihren Beiträgen kritisierten die Redner:innen das rückschrittliche Frauenbild der Teilnehmer:innen des Marsches und nennen ihn einen Angriff auf die Selbstbestimmung von Frauen. Sie bemängelten außerdem die derzeitige Rechtslage in Deutschland: Schwangerschaftsabbrüche sind hierzulande nur unter bestimmten Voraussetzungen straffrei.
In ihrer Rede fasst Betriebskampf zusammen, was das bedeutet: „Betroffene finden schwer Ärzt:innen, die den Eingriff durchführen, sind bürokratischen und finanziellen Hürden ausgesetzt. Im Medizinstudium werden Schwangerschaftsabbrüche nicht gelehrt, sodass entsprechende Ärzt:innen sich zusätzlich bilden müssen. Kosten für Abtreibungen belaufen sich zwischen 350 und 650 Euro, gerade für Schwangere in prekären Lebenssituationen ist das eine gewaltige Summe. Es gibt Ärzt:innen, die trotz dieser rechtlichen Angriffe, Abtreibungen durchführen. Diese müssen oft mit harten Konsequenzen rechnen.“
Der Beitrag Gegenprotest gegen „Marsch für das Leben“ in Berlin und Köln erschien zuerst auf Perspektive.
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Source: Perspektive Online