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Hunderttausende protestieren in Frankreich für bessere Lebensbedingungen
Der Ruf nach höheren Löhnen, Steuergerechtigkeit und mehr Geld für Bildung hat in Frankreich erneut Hunderttausende auf die Straßen getrieben. Der Aktionstag verlief weitgehend friedlich, vereinzelt k
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Schüler, Gelbwesten und Gewerkschaften Unzufriedenheit treibt erneut Hunderttausende auf die Straßen Stand: 05.11.2026 • 22:18 Uhr
Der Ruf nach höheren Löhnen, Steuergerechtigkeit und mehr Geld für Bildung hat in Frankreich erneut Hunderttausende auf die Straßen getrieben. Der Aktionstag verlief weitgehend friedlich, es kam mancherorts dennoch zu Ausschreitungen.
In Frankreich sind nach Angaben des Innenministeriums erneut Hunderttausende Menschen landesweit auf die Straßen gegangen, um bessere Bedingungen an Schulen und Universitäten und höhere Gehälter zu fordern. Nach Angaben des Innenministeriums waren 575.000 Menschen auf der Straße. Der Gewerkschaftsbund CGT sprach von fast 1,6 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei mehr als 200 Demonstrationen. Damit handelt es sich auf jeden Fall um die bislang größten Kundgebungen in Frankreich in diesem Herbst. Zudem gab es einen Streik im öffentlichen Dienst. Etwa zehn Prozent der Beschäftigten dort legten die Arbeit nieder.
Überschattet wurden die Massenproteste allerdings erneut von Angriffen auf Einsatzkräfte und Brandstiftungen. In zahlreichen Großstädten wie Rennes, Marseille, Nantes, Lyon, Bordeaux und Straßburg hätten Gruppen von jeweils mehreren Hundert radikalen Kräften und Linksextremisten Polizisten mit Wurfgeschossen und Feuerwerkskörpern angegriffen und versucht, aus den Demonstrationszügen auszubrechen und in die Stadtzentren vorzudringen, teilte das Innenministerium am Abend mit. Gewalt wurde auch aus Paris gemeldet.
Landesweit gab es nach einer vorläufigen Bilanz 448 Festnahmen, 53 Polizeibeamte wurden verletzt und es gab 86 Brandstiftungen. Beamte wurden unter anderem mit Steinen, Boule-Kugeln und improvisierten Sprengsätzen beworfen. Schwere Sachbeschädigungen und Gewalt gab es an etlichen Schulen in Frankreich. Schulpersonal wurde in einigen Städten mit Feuerwerkskörpern beschossen und verletzt.
Im Pariser Vorort La Courneuve stach ein junger Mann mit einem Messer auf einen Schüler ein, der an der Blockade einer Schule beteiligt war. In Toulouse drangen Randalierer in eine Schule ein und legten einen Brand, verwüsteten Räume und zerstörten Computer.
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In Paris blieb der Eiffelturm wegen des Streiks geschlossen. Zahlreiche Regionalzüge fielen aus. In mehreren Fällen hatten die Behörden Kundgebungen in den Innenstädten verboten, um Plünderungen von Geschäften zu verhindern. Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez waren landesweit 70.000 Polizisten im Einsatz, unterstützt von Panzerfahrzeugen, Drohnen und Hubschraubern.
An den vergangenen Wochenenden waren bei Ausschreitungen am Rande der Proteste rund 3.000 Geschäfte beschädigt und geplündert worden.
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Der Aktionstag war ein weiterer Teil der Protestwelle, die seit fast zwei Monaten durchs Land rollt. Mehrere Gewerkschaften hatten schon Anfang Oktober dazu aufgerufen. Schüler- und Studierendenverbände sowie die Gelbwesten-Bewegung unterstützten den Aufruf und sorgten damit für höhere Teilnehmerzahlen. Diejenigen, die friedlich protestieren, sprechen von einer "convergence des colères", einer "Vereinigung der Wut".
Marylise Léon, die Chefin der Gewerkschaft CFDT, sagte: "Wir wollen eine klare Botschaft an die Regierung senden, dass wir konkrete Lösungen brauchen, die auf die Schwierigkeiten der Arbeitnehmer eingehen, am Ende des Monats über die Runden zu kommen. Die Kaufkraft ist seit Monaten ein Thema. Wir brauchen konkrete Antworten!"
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Am Morgen hatten Schülerinnen und Schüler erneut Blockaden aus Mülltonnen und Absperrgittern vor zahlreichen Schulen errichtet. Nach Gewerkschaftsangaben waren landesweit knapp 1.000 der insgesamt 3.700 Oberschulen von Blockaden betroffen. Die Regierung meldete 81 blockierte Schulen und 16 Prozent Streikbeteiligung bei den Lehrkräften. Auch jede dritte Hochschule war von Protestaktionen betroffen.
"Ich bin Lehrerin und hier, um unseren öffentlichen Dienst zu verteidigen. Um den Jugendlichen zu sagen, dass sie ein Recht auf Bildung und eine Zukunft haben", sagte eine Demonstrationsteilnehmerin in Paris. "Wir sind hier als Eltern, aber auch als Bürger. Uns blutet das Herz beim Gedanken an unsere Republik."
Frankreichs Oberstufenschüler protestieren seit Mitte September gegen Lehrermangel, zu lange Schultage, Schulgebäude in marodem Zustand und die undurchsichtige Vergabe von Studienplätzen. Die Regierung versprach ein neues Bewerbungsverfahren und mehr Lehrerstellen, was die Schülerverbände jedoch als unzureichend bezeichneten.
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Mit Informationen von Carolin Dylla, ARD Paris
Dieses Thema im Programm: NDR Info | Nachrichten | 05.11.2026 | 17:00 Uhrtagesschau24 | Nachrichten | 05.11.2026 | 18:00 UhrDas Erste | tagesschau | 05.11.2026 | 20:00 Uhr