Faultline Faultline Kommando 161

World · taz · · 2h

Trump und seine Umbenneritis: Sein Name, seine Stadt, seine Welt

Deutsch (original) · Read in English ⇄

A lles gehört mir wie mein Name an der Tür, das scheint Donald Trumps Devise für Washington zu sein. Der Ballsaal am Weißen Haus, der Triumphbogen – Trump will sich überall in der Stadt verewigen, im Fall des Kennedy Centers sogar buchstäblich: Er möchte seinen Namen an der Fassade der berühmten Kulturinstitution sehen. Vorigen Winter ließ Trump das Kennedy Center kurzerhand umbenennen in „The Donald J. Trump and The John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“. In gewohnter Me-first-Manier begann der Schriftzug mit Trumps Namen.

Schon im Mai untersagte ein Bundesrichter die Umbenennung und ordnete an, dass Trumps Name entfernt werden müsse. Weil das Kennedy Center ein Denkmal für den 1963 ermordeten demokratischen US-Präsidenten John F. Kennedy sei, dürfe nur der Kongress eine Umbenennung vornehmen, entschied der Richter. Judikative, Legislative, Exekutive – vom Demokratieprinzip der Gewaltenteilung hält Donald Trump bekanntermaßen herzlich wenig. Und politisch motivierte Namensänderungen gehören ohnehin zu seinem Repertoire.

Wer aus dem Golf von Mexiko den „Golf von Amerika“ macht, wer Karten veröffentlicht, auf denen der von den Demokraten regierte US-Bundesstaat New Mexiko plötzlich „New Amerika“ heißt, lässt auch beim Kennedy Center nicht locker. Sich als amtierender US-Präsident in das Denkmal für einen ermordeten US-Präsidenten einzuschreiben, ist nicht bloß pietätlose Egozentrik, sondern Machtdemonstration, Geschichtspolitik und Kulturkampf.

Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

Als zu „woke“ bezeichnete Trump das Programm des Kennedy Centers. Sein „Kompromissvorschlag“ für die Fassade lautete: „Von Donald J. Trump renoviert und restauriert.“ Für diesen Plan kassierte Trump nun erneut eine richterliche Absage. Prompt verkündete er die Schließung des Kennedy Centers. Offizieller Grund: Sicherheitsbedenken wegen Baufälligkeit. Zur Renovierung sei er nur bereit, wenn im Gegenzug sein Name auf der Fassade stehe.

Sicherheitsrisiken, Sanierung, da schrillen die Alarmglocken. Beim Ostflügel des Weißen Hauses klang das ganz ähnlich. Trump kündigte seine Modernisierung an und ließ ihn in einer Hauruckaktion für den pompösen Ballsaal abreißen. Seiner Herrschaftsarchitektur mit Ballsaal und „Arc de Trump“ fehlt vielleicht noch ein Amphitheater. Man muss sich Sorgen machen um das Kennedy Center.

Die AfD in Sachsen-Anhalt, die ständig das Bauhaus attackiert, nannte in ihrem Wahlprogramm explizit Donald Trump als Vorbild, unter der Überschrift „Schöner bauen“.

Read the full story at the source

Source: taz