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Rebellen in Mali: Rebellen rücken gegen Militärjunta vor
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Dicke Rauchwolken stiegen am 10. September über dem Dorf von Dioura in Zentralmali auf. Verwackelte Videoaufnahmen auf der Nachrichtenplattform X von dem Tag zeigen unzählige uniformierte Leichen, die verstreut im Staub liegen. Es sind blutige Bilder, die einen kleinen Einblick in die Schwere der Kämpfe geben.
Das Militärlager in der Region Mopti war Schauplatz eines groß angelegten Angriffs der Terrororganisation „Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime“ (JNIM). Nur wenige Tage später kam es unweit davon, in Sévaré und Konna, zu weiteren Angriffen. Am 19. September meldete die Gruppe außerdem die Einnahme der Armeeposten in Bla und Kassela, nur 70 Kilometer von der Hauptstadt Bamako im Südwesten des Landes entfernt.
Bis zu 150 Soldaten will JNIM nach eigenen Angaben getötet haben, 93 weitere wurden gefangen genommen. Auch 5 russische Kämpfer des Afrikakorps sollen getötet worden sein. Es sind Angaben, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, doch auch lokale Quellen schätzen die Zahl der Toten mittlerweile auf mindestens 100.
Damit gehört der Angriff zu den verlustreichsten, die die malische Armee in den vergangenen 15 Jahren hinnehmen musste. Mali wird seit dem Militärputsch 2021 von einer Russland-nahen Junta regiert, die im Land immer wieder Kämpfe gegen Tuareg-Rebellen und islamistische Gruppen führt.
Erst im April war sie empfindlich getroffen worden, als eine Allianz aus JNIM-Kämpfern und Tuareg-Rebellen der FLA (Front zur Befreiung von Azawad) mehrere strategisch wichtige Orte und Militärbasen in Mali gleichzeitig angegriffen hatte. Bei dem blutigen Angriff, der das Land schwer erschütterte, war auch Malis Verteidigungsminister Sadio Camara getötet worden.
Nun hat JNIM wieder zugeschlagen und dabei wieder erhebliche Waffenbestände geraubt. Darunter 19 Raketen vom Kaliber 122 mm, weiteres schweres Kriegsgerät sowie Munition. Zurückgelassene Waffen spielen inzwischen eine wichtige Rolle für die militärische Logistik der Gruppe.
Für Malis Streitkräfte ist der Angriff mehr als ein herber Schlag. Nicht nur aufgrund des Blutbads und der Tatsache, dass mit Dioura ein wichtiger Militärstützpunkt im Zentrum des Landes zerstört wurde. Die Angriffe in kurzer Folge an mehreren Orten zeigen schmerzlich, wie schwer die Guerillataktik der Terroristen einzudämmen ist.
Noch dazu scheinen sie in den vergangenen Monaten eine neue Schlagkraft entwickelt zu haben. Immer häufiger kommen auch Drohnen zum Einsatz. Ein Bericht des marokkanischen Thinktanks Policy Center for the New South datiert den ersten bekannten Drohneneinsatz von JNIM auf September 2023.
Das Tempo und die Regelmäßigkeit der Angriffe deuteten darauf hin, dass JNIM nicht nur über einen kontinuierlichen Nachschub an Ausrüstung verfüge, sondern auch seine Taktiken von Einsatz zu Einsatz weiterentwickle, analysierte die Denkfabrik bereits im Juli 2025.
Die Entwicklung dürfte auch der malischen Militärjunta nicht verborgen geblieben sein, doch die hüllt sich in Schweigen. Zwar räumte Bamako bei dem Angriff von Dioura Verluste ein – was eine Seltenheit ist – wie viele Soldaten getötet wurden, blieb jedoch offen. Stattdessen verbreitete das Militär die übliche Erfolgsmeldung: Im Rahmen der Operation Dougoukoloko sei eine im Busch versteckte Terroristengruppe, die zu den Angreifern von Dioura gehörten, „aufgespürt und präzise bekämpft“ worden.
Die Operation Dougoukoloko („Rückeroberung des Territoriums“) war im April ins Leben gerufen worden mit dem erklärten Ziel, sicherzustellen, dass Mali nie wieder „von terroristischen Gruppen gedemütigt oder geschwächt“ werde.
Wie der Sender Sahel Matin TV nun berichtete, sollen nach Angaben der malischen Armee auch ausländische Kämpfer zu den Angreifern von Dioura gehört haben. Der Vorwurf einer Einmischung von außen ist nicht neu. Immer wieder beschuldigt Bamako ausländische Akteure, die Gegner der Junta zu unterstützen, um diese zu Fall zu bringen.
Im Zentrum der Anschuldigungen steht neben der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich auch die Ukraine. Malische Regierungsvertreter werfen Kyjiw vor, die Tuareg-Rebellen der FLA zu unterstützen, die inzwischen mit der Terrorgruppe JNIM kooperieren. Ein Vorwurf, den die Ukraine stets zurückgewiesen hat.
Nun liefert eine am 12. September veröffentlichte Recherche des US-Senders CNN erstmals konkrete Hinweise, die die Anschuldigungen stützen. Demnach halten sich aktuell rund 15 ukrainische Drohnenspezialisten im Norden Malis auf, um die Tuareg-Rebellen der FLA im Umgang mit Drohnen auszubilden und operativ zu unterstützen.
Zwei an der Mission beteiligte Ukrainer bestätigten gegenüber CNN die Zusammenarbeit mit der Rebellengruppe. Sie erklärten allerdings auch, nicht selbst an den Kämpfen an der Front teilzunehmen. Die FLA hat sich allerdings seit April in einem Militärbündnis gegen die malische Armee mit JNIM zusammengeschlossen. Ob die von CNN beschriebene ukrainische Unterstützung der FLA damit indirekt auch JNIM zugutekommt – und ob diese in den Angriff auf Dioura hineingespielt hat – ist bislang offen.
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Source: taz