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E-Bike-Tuning: Fahrradbranche kämpft gegen frisierte Pedelecs
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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer fährt gern schnell. Zumindest schneller als ein herkömmliches E-Bike, das Fahrten mit bis zu 25 Kilometern pro Stunde elektrisch unterstützt: Palmer hat ein S-Pedelec, das 45 km/h auf die Platte bringt. Und Palmer hat dafür gesorgt, dass er damit in seiner Stadt auch auf Fahrradwegen fahren darf – ganz legal, mit Kennzeichen für ein Kleinkraftrad.
Illegal hingegen ist es, wenn E-Bike-Fahrer:innen ihre 25-km/h-Fahrzeuge auf eigene Faust frisieren und sich dann nicht um eine entsprechende Betriebserlaubnis bemühen. Um gegen solches E-Bike-Tuning vorzugehen, haben Europas Fahrradwirtschaftsverbände in Brüssel nun eine Selbstverpflichtung unterschrieben und Forderungen an die EU gerichtet.
Demnach sollen die Mitgliedstaaten vor allem den unkontrollierten Handel mit sogenannten Tuningkits unterbinden – also Paketen aus Fahrzeugteilen, Werkzeugen oder Software, die ein E-Bike schneller machen. Außerdem fordern die Verbände, dass Polizei, Zoll und Marktaufsicht den Import illegaler E-Bikes gezielter bekämpfen.
„Beides sind wichtige Beiträge für Verkehrssicherheit, Verbraucherschutz und die überwältigende Mehrheit der europäischen Fahrradwirtschaft, die sich an die gesetzlichen Vorgaben für E-Bikes hält“, heißt es in einer Mitteilung der deutschen Lobbyverbände ZIV und Zukunft Fahrrad, die die Brüsseler Papiere mitunterzeichnet haben. Nichtkonforme Räder aus dem außereuropäischen Ausland seien eine wirtschaftliche Gefahr für kleine und mittlere Unternehmen aus Europa, die hier die Kosten für die Prüfung und Zertifizierung ihrer E-Bikes tragen.
Selbstverantwortung übernehmen will die Branche, indem sie zum Beispiel den E-Bike-Antrieb stetig so weiterentwickelt, dass Tuning rein technisch immer schwieriger wird. Die Verbände wollen Fahrradhändler:innen und Kund:innen besser über die rechtlichen Vorgaben für schnellere S-Pedelecs – etwa Kennzeichen oder Versicherungen – aufklären und sich in der Öffentlichkeit häufiger und lauter gegen E-Bike-Tuning äußern.
Dass die Fahrradwirtschaft gerade jetzt Maßnahmen ausgeklügelt hat, ist kein Zufall: Die EU arbeite aktuell an Reformen, heißt es bei ZIV und Zukunft Fahrrad, die Einfluss auf den europäischen E-Bike-Markt haben. Das geplante europäische Produktgesetz solle etwa dafür sorgen, dass Onlineverkäufer außerhalb der EU klarer für die von ihnen verkaufte Ware haften müssen.
In Deutschland wiederum sei das Thema wichtig, weil E-Bikes inzwischen den Fahrradmarkt dominieren. Im Jahr 2025 war laut ZIV mehr als die Hälfte aller hier verkauften Fahrräder batteriebetrieben, insgesamt gebe es mehr als 17 Millionen Pedelecs. Wer sein E-Bike so aufmotzt, dass der Motor auch bei Geschwindigkeiten über 25 Stundenkilometern noch mithilft, und ohne Betriebserlaubnis erwischt wird, kassiert unter Umständen ein Bußgeld von mehr als 70 Euro, eventuell einen Punkt in Flensburg. Wer ohne Versicherungsschutz unterwegs ist, begeht eine Straftat. Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei aus dem Jahr 2023 sind fünf bis zehn Prozent der E-Bikes in Deutschland getunt.
In ihrem Appell an die EU-Staaten verweisen die Branchenverbände auf ein Gesetz aus Frankreich, das den unkontrollierten Handel mit Tuningkits eindämme. Tatsächlich verbietet die dortige Straßenverkehrsordnung Code de la route Herstellung, Import und Verkauf von Geräten, die dafür sorgen, dass „die gesetzlichen Grenzwerte hinsichtlich Geschwindigkeit, Hubraum oder maximaler Motorleistung“ überschritten werden. Wer es dennoch tut, riskiert eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren und 30.000 Euro Strafe.
Dabei geht es nicht nur um Elektrofahrräder, sondern auch um Mopeds, Motorräder und motorisierte Vierräder. So sind sich auch die deutschen Verbände sicher: „Das Problem ist nicht spezifisch für das Fahrrad“, eine rechtliche Lösung helfe deshalb ebenfalls mehr Bereichen als nur der Fahrradwirtschaft.
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Source: taz