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Dutzende Tote in der DR Kongo: Massaker mitten im Ebola-Gebiet
Die Miliz ADF tötet in Ostkongo mindestens 33 Menschen beim Überfall auf einen Ort, wo Ebola-Kranke behandelt werden. Die sind nun auf der Flucht. mehr...
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Sie haben ihre Habseligkeiten in Säcke gepackt und auf Motorrädern festgebunden – zu Tausenden flohen in den vergangenen Tagen Kinder, Frauen, Männer und Alte vor erneuten Attacken der islamistischen Rebellenorganisation ADF (Allied Democratic Forces) im Osten der Demokratischen Republik Kongo.
Der jüngste ADF-Angriff ereignete sich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag im Ort Cantine, rund 50 Kilometer von der Stadt Beni im von Kongos Regierung gehaltenen Teil der kriegsgeschüttelten Provinz Nord-Kivu. Justin Paluku, Vertreter der Zivilgesellschaft vor Ort, bestätigte gegenüber kongolesischen Journalisten: „Bislang haben wir 33 Leichen und mehr als 50 niedergebrannte Häuser gezählt.“ Andere Quellen melden über 35 Tote.
Auch eine Gesundheitsstation wurde in Brand gesetzt. Darin wurden auch Patienten in isolierten Bereichen gegen das tödliche Ebola-Virus behandelt. Unter den 180 geflohenen Patienten und Patientinnen seien Ebola-Infizierte, warnte Christian Kakule, Direktor des Kelekele-Gesundheitszentrums in Cantine: „Hochrisikokontakte und andere Personen, die unter Beobachtung standen, sind allesamt geflohen“, sagte er. „Wir befürchten, dass mutmaßliche Fälle, die sich auf diese Weise frei bewegen können, zu einer Übertragungsquelle werden und einen Ausbruch der Krankheit auslösen könnten.“
Der Ort Cantine liegt mitten im Ebola-Gebiet – und zwar dort, wo sich das tödliche Virus derzeit am schnellsten ausbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldet derzeit mehr als 10.600 bestätigte Fälle in der DR Kongo insgesamt, davon sind rund 6.200 verstorben.
Der Ebola-Ausbruch begann offiziell im Mai in der Provinz Ituri, nördlich von Beni. Während in Ituri die Fallzahlen mittlerweile zurückgehen, steigen sie im an Ituri angrenzenden regierungskontrollierten Teil von Nord-Kivu weiter. Ursache dafür ist die Unsicherheit, denn in dieser Region sind zahlreiche bewaffnete Gruppen unterwegs – zum Teil können Ebola-Teams und Hilfsorganisationen nicht in die abgelegenen Dörfer im Dschungel vordringen. Die Massenflucht der Bevölkerung vor der ADF macht eine unentdeckte Weiterverbreitung von Ebola wahrscheinlicher.
Die ADF ist eine ursprünglich von ugandischen Muslimen gegründete Rebellengruppe, die sich in den 1990er Jahren im dichtbewaldeten bergigen Grenzgebiet zwischen Uganda und der DR Kongo verschanzte. Inzwischen haben die Kommandeure zunehmend Kongolesen rekrutiert. Die Miliz bekennt sich offiziell zum Islamischen Staat (IS) und erhält aus dessen internationalem Netzwerk Ausrüstung und Ausbildung. Gemäß der Zahlen von toten Zivilisten zählt die ADF zu den brutalsten Milizen der DR Kongo.
Ein neuer Bericht des US-Think Tanks The Sentry lässt darauf schließen, dass die ADF sich hauptsächlich durch illegalen Goldhandel finanziert. Sie kontrolliert Goldfördergebiete im Dschungel und schmuggel das Edelmetall ins Nachbarland Uganda, wo es raffiniert und weiter nach Dubai exportiert wird. The Sentry schätzt, dass die ADF mehr als eine Million Dollar jährlich aus dem Goldexport einnimmt.
Seit fünf Jahren läuft eine gemeinsame Militäroperation von kongolesischen und ugandischen Spezialeinheiten gegen die ADF. Die Militäroperation im dichten Dschungel, wo es kaum Straßen und Brücken über die Flüsse gab, gestaltete sich von vornherein als eine logistische Herausforderung. Trotz der Stationierung tausender Soldaten gelang es nicht, die ADF kampfunfähig zu machen – im Gegenteil: Die Kämpfer zogen sich von der Grenze weg immer tiefer in die Wälder zurück, wo sie regelmäßig Dörfer überfallen.
Laut Experten, die im Auftrag der Bridgeway-Stiftung aus den USA versuchen, ADF-Kämpfer zum Aufgeben zu bewegen, wurde der jüngste Angriff von einem tansanischen ADF-Kommandeur mit dem Spitzname Abuwakas geleitet. Er habe in den vergangenen Monaten mehrere gezielte Attacken auf Dörfer im Umkreis von 120 Kilometer durchgeführt. Der Angriff zeige, so Experte Ryan O'Farrell, wie sich die ADF „in kleine hochmobile Angriffseinheiten aufgeteilt hat, die in der Lage sind, über große Entfernungen autonom zu operieren“.