Faultline Faultline Kommando 161

Germany · taz · · 2h

Die Wahrheit: Das fleißige Stahlbienchen

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Das Leben ist ein langes Fließband und jeder Tag ein Werkstück, das es zu schleifen und zu schweißen gilt. Niemand hat das besser intus als Bärbel Bas, die als Bundesministerin für Arbeit und Soziales an der höheren Berufsfachschule für Technik in Dinslaken leibhaftig das Schweißen gelernt hat und nicht nur einen U-Stahl feilen kann, sondern weiß, was das ist und heißt.

Nämlich: Jeden Abend einen ausgequetschten Körper und überall schwarze Hände – und das nicht bloß vom Austauschen der Druckerpatronen in ihrem Büro als Leiterin der Abteilung Personalservice, ebenwelcher Posten 20 Jahre nach ihrer Ausbildung 1987 zur Bürogehilfin bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft ihr 2007 bei der Betriebskrankenkasse BKK futur serviert wurde.

Zwei Jahre lang füllte sie ihren Gehilfinnenjob aus – bis sie sich 1988 in die Co-Vorsitzende der Bundes-SPD verwandelte. Stopp, 1988 trat Bärbel Bas noch unbeämtert in die SPD ein, und es war 2009, als das taufrisch zur Jugend- und Auszubildendenvertreterin bei der Betriebskrankenkasse gewählte Mitglied der Falken von 1987 in den Bundestag vorrückte, damit das klar ist.

Fleiß, Ausdauer, Leistung, Durchsetzungsvermögen, Ehrgeiz – das alles brauchte sie, weil’s 1986, stopp: 1968 mit den Eltern bei der Geburt gehapert hatte. Statt mit einem goldenen Löffel im Mund und einem Karriereschlüssel in den Windeln wurde sie mit einem Busfahrer als Vater und einer Hausfrau als Mutter geboren und musste sich aus eigener Kraft von 1994 bis 1997 zur Sozialversicherungsfachangestellten hochschrauben.

Als Hauptschülerin mit Fachhochschulreife weiß das Mitglied der Parlamentarischen Linken seit fast 60 Jahren, dass sich der Feind hinter Maßanzügen verbarrikadiert und lässt als stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag und Mitglied im Sprecherkreis der Ruhr-SPD auf ihrer Harley-Davidson ordentlich Dampf ab, wozu sie als Verdi-Gewerkschafterin ebenso Grund hat wie als Mitglied des MSV Duisburg in der 3. Liga.

Daneben sitzt Bärbel Bas seit ihrer Fortbildung zur Krankenkassenbetriebswirtin 2002 im Gesundheitsausschuss in Berlin und engagiert sich als Trägerin des Großkreuzes des Verdienstkreuzes, pardon: des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland im Rat der Stadt Duisburg für die Jugend- und Gesundheitspolitik und als Präsidentin des Deutschen Bundestags von 2021 bis 2025, die auch als Mitglied im Aufsichtsrat der Hüttenwerke Krupp Mannesmann sowie der Johannes-Rau-Gesellschaft alles auseinanderzuhalten weiß, ohne sich zu vertüdeln.

Zu viel ist nie genug! Bärbel Bas sagt niemals nein, wenn es anpacken heißt, ob im Präsidium des Fördervereins Universität Duisburg-Essen oder bei den Bundestags-Makkabäern; und ob Welthungerhilfe, Hope’s Angel Foundation oder Frauen helfen Frauen, Frau Bas wuppt alles, wie sie es als Arbeiterkind eingetrichtert bekommen hat.

Glaubwürdigkeit kann man nicht billig kaufen oder erben wie die Betuchten! Nein, man muss etwas leisten als Mitglied der Deutschen Welthungerhilfe wie als Mitglied des Bauvereins Salvatorkirche und sich im Abendstudium von 2005 bis 2007 zur Personalmanagement-Ökonomin mausern!

Eine Arbeitertochter packt rund um die Uhr an. Als Mitglied der Duisburger Tafel/Obdachlosenhilfe und Trägerin des Großkreuzes des Ordens de Isabel la Católica nicht ausgelastet, macht sie sich nützlich für den Bürgerverein Neudorf, kneift nicht als Schirmherrin der Bahnhofsmission Duisburg und hält als Bundestagspräsidentin auch bei Wildwasser Duisburg, der Beratungsstelle zu sexueller Gewalt, die Stellung in der NRW-Landesgruppe der Bundestags-SPD. Bärbel Bas hat Nerven wie aus Hartgummi und steht ihre Frau in der AWO Duisburg ebenso wie in der Aids-Hilfe Wesel und der Karnevalsgesellschaft Rote Funken, amtiert als Mitglied des Bürgervereins Gustav-Heinemann-Förderpreis der SPD wie als Klinikumsmitglied des Kuratoriums Duisburg, hilft den Zebrakids im Unterbezirksvorstand der Duisburger Sozialdemokraten als stellvertretende Vorsitzende des Sportvereins Malteser Hospiz St. Raphale in der Jugendabteilung von Friedrich Möllen und behält noch als Schirmherrin der Glückauf-Ebert-Stiftung allblick die Überzeit.

Je länger die Liste wuchert, desto deutlicher springt es ins Gesicht: Während die hohen Leistungsträger unserer Gesellschaft, im himmelweiten Unterschied zu den Faulpelzen an der Supermarktkasse oder im Blaumann, für Wohlstand sorgen, verplempert die Trägerin des Ordens des Fürsten Jaroslaw des Weisen dritter Klasse und Oberschurkin Bärbel Bas ihre Zeit damit, die Privilegien der Arbeiter und Angestellten, Rentner und Sozialhilfeempfänger wasserdicht zu verlöten. Kein einziger Tropfen ihres süßen, 200 Milliarden Euro schweren Etats geht an die Spitzen und Blüten unserer Gesellschaft! Bärbel Bas macht eben viel, aber nichts falsch.

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Source: taz