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Antrag zu NS-Gedenken in Sachsen: Knobloch kritisiert CDU-Zusammenarbeit mit AfD

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Nachdem der Stadtrat Heidenau, nahe Dresden, einen von CDU und AfD unterstützten Antrag gegen Stolpersteine beschlossen hat, meldet sich nun Charlotte Knobloch zu Wort. Die Shoah-Überlebende und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ist deutschlandweit als Kritikerin der im Boden eingelassenen Gedenksteine für Opfer des Nationalsozialismus bekannt. Doch den Beschluss des Stadtrats in Heidenau bezeichnet sie als „völlig falschen Weg“.

„Ich war nie eine Freundin des Konzepts der Stolpersteine“, erklärt Knobloch auf Anfrage der taz. Aber dezentrales Gedenken, das den öffentlichen Raum „durchdringt und prägt“, sei entscheidend „für eine echte Kultur des Erinnerns“. Am Konzept der Stolpersteine hatte sie kritisiert, es sei unwürdig, dass auf den Namen der Ermordeten auf dem Bürgersteig herumgetreten wird.

Aber: Orte der Erinnerung aus dem Stadtbild zu entfernen, wie jetzt in Heidenau geschehen, sei „in jedem Fall der völlig falsche Weg“, sagt Knobloch. „Ich bin entsetzt, dass eine demokratische Partei sich dafür hergibt, ein so durchsichtiges Manöver der Extremisten von der AfD zu unterstützen.“ Die demokratische Mitte solle sich wiederfinden und „eine bessere Lösung auf den Weg bringen“, fordert sie.

Dem Antrag, im sächsischen Heidenau nahe Dresden keine Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus mehr zu verlegen, hatten Stadträte von AfD und CDU zugestimmt. Er wurde am Donnerstagabend mehrheitlich beschlossen, wie die Stadtverwaltung der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Es habe 13 Ja-Stimmen, 6 Nein-Stimmen und eine Enthaltung gegeben.

In dem fraktionsübergreifenden Beschlussantrag mit dem „Bündnis Oberelbe für mehr Demokratie“ forderten Vertreter der beiden Parteien, Stolpersteine „im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich“ künftig abzulehnen.

Viele Bürger:innen, Angehörige und Initiativen empfänden diese Form der Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus als nicht angemessen, hieß es in dem Antrag. Allerdings hatten die An­trag­stel­le­r:in­nen keinen eigenen Kontakt zu Gedenkinitiativen oder Angehörigen, wie sie der taz bestätigten. Trotzdem solle das Gedenken vorzugsweise auf dem Nordfriedhof der Stadt stattfinden, so „dass ein direktes Betreten der Gedenkelemente ausgeschlossen ist“. Dort gibt es bereits einen Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus.

Zuvor hatte der Verein Alternative Kultur- und Bildungszentrum (Akubiz) beantragt, mit zwei Stolpersteinen an das Ehepaar Fritz und Martha Goldstein zu erinnern, das während der NS-Diktatur in Heidenau aus antisemitischen Gründen verhaftet, enteignet und abgeschoben wurde. Wie Bürgermeisterin Conny Oertel vor der Abstimmung zur taz sagte, wird der Stadtrat die Verlegung der beiden Gedenksteine ablehnen.

Die Verwaltung hatte empfohlen, die Vorlage abzulehnen. „Gerade die Präsenz im öffentlichen Raum ermöglicht eine breite Wahrnehmung und die unmittelbare Auseinandersetzung mit der Geschichte“, schrieb sie in einer Bewertung des Antrags. Über Stolpersteine solle im Einzelfall entschieden werden.

In Heidenau im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gibt es bisher fünf Stolpersteine an zwei Standorten. Einer zur Erinnerung an den früheren SPD-Bürgermeister Paul Gröger, vier zur Erinnerung an die jüdische Familie Reiner. Alle waren auf zivilgesellschaftliche Initiative hin vom Initiator der Stolpersteine, Gunter Demnig, verlegt worden.

Nachdem der Stadtrat am Donnerstag beschlossen hatte, Stolpersteine künftig abzulehnen, ist Bürgermeisterin Oertel nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Sie sei erst am Montag wieder im Rathaus, hieß es. Aber sie hatte vor der Abstimmung auf Anfrage der taz erklärt, Stolpersteine seien zeitweise durch Laub, Schmutz oder Schnee verdeckt, über sie gehe man „vielleicht gedankenlos“ hinweg.

Anders sieht das die Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden, Ekaterina Kulakova. „Die Menschen nehmen Stolpersteine jeden Tag wahr“, sagt sie. Die Jüdischen Gemeinden seien bislang nicht zu dem Vorhaben eines zentralen Gedenkorts in Heidenau angehört worden. Aber zu einem solchen, sagt Kulakova, würden Interessierte nur zweimal im Jahr gehen. „Das dient nicht dem Erinnern, sondern dem Vergessen.“

Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, sagte laut Mitteilung: „Dies ist ein durchsichtiger und schäbiger Versuch, Heidenauer Opfer der Nazis erneut aus der Stadt hinauszuwerfen und sie dahin zu entsorgen, wohin das Gedenken nach Meinung der AfD schon längst gehört: auf den Friedhof.“ Dass CDU-Abgeordnete der AfD „zu solchen Schäbigkeiten die Hand reichen“, sei ein Skandal.

Auch Kerstin Köditz, heutige Landessprecherin der VVN-BdA in Sachsen, findet, bei den Stolpersteinen gehe es darum, „dass uns die Verbrechen der Nazizeit im Alltag begegnen“. Die Opfer seien Nach­ba­r:in­nen in der Stadt gewesen, nicht außerhalb. Die Idee der Stolpersteine sei, die verhafteten, deportierten oder ermordeten Menschen zurück ins Gedächtnis zu rufen. Ein Gedenkort auf dem Friedhof, „der stellt diese Nähe nicht dar.“

Außerdem sagt Köditz, eine Gedenkfläche für „die Opfer von Krieg, Terror, Diktatoren, Vertreibung und insbesondere des Nationalsozialismus in Heidenau“ sei so weit gefasst, dass konkrete Zusammenhänge verblassen. „Wie will ich mich mit bestimmten Aspekten von Verbrechen auseinandersetzen, wenn ich alles in einen Topf werfe?“ Je nach Opferzusammenhängen und Phänomenbereichen brauche es unterschiedliche Konzepte. „Es ist etwas anderes, ob ich von Terroranschlägen rede, ob ich von Vertreibung rede oder von der industriellen Vernichtung der Jüdinnen und Juden.“

Die Erinnerungsform der Stolpersteine gibt es bereits seit den 90er Jahren – und unterdessen in vielen europäischen Ländern. Die in der Regel spendenfinanzierten kleinen Steine werden am letzten bekannten Wohn- oder Wirkungsort von Opfern des Nationalsozialismus verlegt – deren Namen und Lebensdaten stehen auf einer Messingplatte auf der Oberseite der Steine.

In München werden nach einem Stadtratsbeschluss Stolpersteine nicht auf städtischem Grund verlegt. Zu finden sind sie vor allem auf privatem Grund – und erlaubt auch auf Grundstücken, die dem Freistaat Bayern gehören. Stattdessen machen Erinnerungszeichen mit Fotos und knappen Lebensdaten vor Wohnhäusern auf das Schicksal der Menschen aufmerksam, die früher dort gelebt haben – bevor sie von den Nazis aus ihrem Alltag gerissen wurden. Eine solche Alternative ist in Heidenau bislang nicht im Gespräch.

Anders als die Stolpersteine lobt Charlotte Knobloch die Erinnerungszeichen an Fassaden und auf Stelen. „Das Münchner Konzept eines Erinnerns auf Augenhöhe halte ich für sehr viel gelungener.“ Ihre Ablehnung der Stolpersteine ist schon länger bekannt. Sie findet es unwürdig, dass auf den Namen der Ermordeten auf dem Bürgersteig herumgetreten wird. Als Kind hatte Knobloch den NS-Terror in München miterlebt. „Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Menschen, auf die man schon auf dem Boden liegend immer weiter eintrat und die mit schweren ledernen, stahlbekappten Stiefeln in die Transporter getreten wurden“, hatte sie geschildert. (mit dpa)

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Source: taz