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Afrikas Sound für die Welt: Anerkennung auf globaler Bühne
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Als Burna Boy am 3. Juni 2023 im vollbesetzten London Stadium auf die Bühne tritt, ist die Stimmung elektrisierend. Der nigerianische Sänger stimmt weltweite Hits wie „On The Low“ und „Last Last“ an, das Publikum singt seine Songs mit, von der ersten bis zur letzten Zeile. Burna Boy, der mit bürgerlichem Namen Damini Ebunoluwa Ogulu heißt, ist einer der Superstars der Afrobeats – ein Sammelbegriff für neue Popmusik aus Westafrika.
Es ist ein historischer Tag. Mit dem ausverkauften Konzert im Stadion von West Ham United ist Burna Boy der erste afrikanische Künstler, der außerhalb des Kontinents eine Arena mit 80.000 Plätzen füllt. 2024 wiederholt er das Kunststück. Beim Finale der Fußballweltmeisterschaft im MetLife Stadium in New Jersey tritt er dann im Juli 2026 zur Halbzeitpause zusammen mit Popikone Shakira auf.
Burna Boy ist Teil einer Bewegung, zu der auch Afrobeats-Sänger wie Davido, Wizkid und Rema gehören. Sie haben mit ihren federnden Grooves und synkopierten afrikanischen Rhythmen, lieblichen Melodien und säuselnden Stimmen in Autotune-Modus weltweit Erfolg. So wurden die Afrobeats zum wahrscheinlich größten kulturellen Exportgut Afrikas.
Am 5. Afrika-Workshop der taz panterstiftung nehmen Kolleg:innen aus 16 Ländern Afrikas teil. Dabei entsteht auch ein 64-seitiges, aufwändig gestaltetes Magazin. Es kann bestellt werden per Mail an stiftung@taz.de unter dem Betreff „Afrika-Magazin“ und Angabe Ihres Namens und Ihrer Postadresse. Vielen Dank!
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Aber auch sonst erlebt die Musikbranche in Afrika einen Aufschwung und kreativen Schub, nicht zuletzt dank billiger digitaler Produktionstechnik und Vertriebswege. Traditionelle Instrumente werden elektrisch verstärkt – und ihr Sound dadurch in die Moderne überführt. Bands wie Arka´n Asfrokor aus Togo tragen Dreadlocks und spielen harten Heavy Metal. Und auf einem Festival wie Nyege Nyege in Uganda treten die Talente des elektronischen Undergrounds Ostafrikas auf. Etwa DJ Travella aus Tansania mit seinem treibenden Singeli-Elektro in Hochgeschwindigkeit – oder KMRU aus Kenia. Der Produzent hat sich einen Namen mit sphärischem House gemacht, für den er oft eigene Field Recordings verwendet. KMRU ist Enkel des legendären Benga-Musikers und politischen Aktivisten Joseph Kamaru – in Gedenken an ihn hat KMRU unlängst zwei Compilations mit dessen roh klingenden Gospel- und Funksongs aus den 1960er Jahren veröffentlicht.
Die späte Würdigung Joseph Kamarus ist ein Beispiel dafür, wie das eigene musikalische Erbe auch in Afrika heute wieder stärker Beachtung findet – in Zeiten, in denen Fragen von Identität und kultureller Selbstvergewisserung eh an Bedeutung gewinnen. In Sambia im südlichen Afrika zum Beispiel ist der Zamrock wieder in Mode gekommen, eine unverwechselbare Fusion aus Rock, psychedelischer Musik und afrikanischen Rhythmen – entstanden in den 1970er Jahren als kraftvoller Ausdruck eines um seine Identität ringenden Landes nach der Unabhängigkeit. Nun inspiriert der Zamrock aufs Neue eine junge Generation von Musikern in Sambia, nachdem die ersten Platten der Zamrock-Pioniere WITCH von einem Label in Los Angeles neu aufgelegt worden waren.
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Wachstumsmotor sind aber die Afrobeats. Beschleunigt wird ihr Erfolg durch soziale Medien und digitale Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Music, Boomplay und Youtube. Die nigerianischen Superstars Davido und Burna Boy und die südafrikanische Sängerin Tyla haben Millionen von Streams, und 2021 wurde Burna Boy als erster nigerianischer Künstler mit einem Grammy Award ausgezeichnet.
Die moderne Unterhaltungsmusik hat Mutter Afrika viel zu verdanken: Ob Highlife und Soukous, Blues und Jazz, House und HipHop, Reggae und Rumba, Salsa und Samba – all diese Musikstile wären ohne afrikanische Einflüsse und Rhythmen undenkbar. Finanziell hat der Kontinent davon bisher aber wenig gehabt. Mit den Afrobeats ändert sich das nun. Laut Eddie Hatitye, Direktor der Plattform „Music in Africa“, erlebt afrikanische Musik derzeit eine weltweit beispiellose Aufmerksamkeit und wachse stark. Er erklärt das mit dem jungen Publikum in Afrika, einem verbessertem Internetzugang, der verstärkten Nutzung digitaler Plattformen und dem internationalen Erfolg einiger Genres wie der Afrobeats und des Amapiano aus den Townships von Johannesburg und Pretoria in Südafrika.
Hatitye kritisiert allerdings, dass die meisten afrikanischen Künstler:innen von den Plattformen nicht ausreichend vergütet werden. „Streaming hat es afrikanischen Künstlern erheblich erleichtert, ein globales Publikum zu erreichen, ohne auf traditionelle Gatekeeper angewiesen zu sein“, sagt Hatitye. „Das ist ein großer Vorteil.“ Aber die Systeme zur Musikrechteverwaltung seien in vielen Ländern „noch in der Entwicklung und die durch Streaming generierten Auszahlungen zu niedrig“.
Dabei wachsen die Einnahmen aus Musikaufnahmen in Afrika stetig und die gesamte Musikwirtschaft, einschließlich Live-Veranstaltungen, expandiert. Laut der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) haben die Einnahmen in Subsahara-Afrika im Jahr 2024 erstmals die 100-Millionen-Dollar-Marke überschritten – bei einem Wachstum von über 20 Prozent. 2025 setzte sich der Trend fort, als sie um 15 Prozent auf 120 Millionen US-Dollar anstiegen Der nigerianische Sänger Wizkid war der erste afrikanische Künstler, der auf Spotify insgesamt mehr als 11 Milliarden Streams erreichte. Trotz solch hoher Zahlen bleiben die finanziellen Erlöse in Afrika weit hinter denen zurück, die anderswo erzielt werden. In einigen afrikanischen Ländern bringen eine Million Streams nur rund 300 bis 400 US-Dollar ein – in den USA dagegen das Zehnfache.
Das liegt vor allem an den unterschiedlichen Preisen für Streaming-Abonnements, aus deren Einnahmen die Rechteinhaber vergütet werden. In Ländern, in denen Nutzer:innen niedrigere monatliche Gebühren gezahlt werden, entstehen kleinere Tantiemenpools. In Nigeria kostet Spotify etwa nur rund 0,50 US-Dollar pro Monat – im Vergleich von bis zu 14 US-Dollar in Ländern mit hohem Einkommen. Entsprechend weniger verdienen in Afrika Künstler:innen bei gleicher Anzahl an Streams.
Die niedrigen Erlöse hängen aber auch mit den strukturellen Schwächen der afrikanischen Musikindustrie zusammen, wie beispielsweise einer mangelhaften Durchsetzung von Urheberrechten. Es gibt auch zu wenig Orte für Liveauftritte – vor allem abseits der großen Metropolen.
Doch trotz aller Herausforderungen: Der Aufstieg der afrikanischen Musik ins globale Rampenlicht ist eine der größten Erfolgsgeschichten des Kontinents. Künstlerinnen und Künstler aus Afrika brechen Streamingrekorde, füllen große Arenen, werden international mit Preisen ausgezeichnet und beeinflussen den Pop weit über die Grenzen Afrikas hinaus.
Für Hatitye ist es nun entscheidend, mehr Unternehmen in afrikanischem Besitz entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufzubauen. Nur so könne sichergestellt werden, dass ein ausreichender Anteil der Erlöse aus dem Musikgeschäft den Künstler:innen und Unternehmen auf dem Kontinent zugutekommt. „Wenn wir das richtig angehen, wird die wirtschaftliche Bedeutung der Musikbranche genauso groß sein wie ihr kultureller Einfluss.“
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Source: taz