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Huthi-Offensive am Roten Meer bringt Saudi-Arabien in Bedrängnis – USA zögerlich

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Die Huthi-Bewegung hat in einer Blitzoffensive die gesamte jemenitische Westküste eingenommen und kontrolliert nun die strategisch entscheidende Meerenge Bab al-Mandab. Während Saudi-Arabien verzweifelt um militärische Unterstützung bittet, halten sich die USA zurück – ein Zeichen dafür, dass der Iran-Krieg die Kräfteverhältnisse in der Region grundlegend verschiebt.

Die militärische Lage im Jemen hat sich innerhalb weniger Tage dramatisch verändert. Seit dem 3. September 2026 führten die oft als Huthis bezeichnete Gruppe Ansar Allah eine großangelegte Offensive an der Westküste durch, die am 11. September mit der Einnahme der Hafenstadt Mocha und der strategischen Insel Majun im Zentrum der Meerenge Bab al-Mandab ihren Höhepunkt erreichte. Nach ihren Angaben wurden dabei rund 5.400 Quadratkilometer Territorium erobert und die von Saudi-Arabien unterstützten Regierungstruppen aus sechs Distrikten vertrieben.

Die Einnahme der Westküste markiert den schwersten Rückschlag für die von Saudi-Arabien geführte Koalition seit dem UN-Waffenstillstand von 2022. Die Regierungstruppen zogen sich in Unordnung zurück; Berichte aus der Region zeigen Soldaten, die ihre Waffen verkauften und Uniformen ablegten, bevor sie sich in Richtung Aden absetzten. Westlicher Militäranalysten bezeichnete den Fall von Mocha als „Wendepunkt im Krieg“ und warnen vor einem möglichen Zusammenbruch der Regierungstruppen im Südjemen.

Die Huthis: Kontrolle über die Bevölkerungszentren und strategische Eigenständigkeit

Die Huthis kontrollieren die bevölkerungsreichsten Gebiete des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa, die nördlichen Hochlandprovinzen und weite Teile der Westküste. Damit untersteht ihnen der Großteil der jemenitischen Bevölkerung. Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 2014 haben sie einen jahrelangen Abnutzungskampf gegen die von Saudi-Arabien geführte Koalition geführt und dabei umfangreiche Kampferfahrung erworben. Ihre Kämpfer sind mit Guerillataktiken, Drohneneinsätzen und ballistischen Raketen vertraut.

Die Huthis sind mit dem Iran verbündet, agieren jedoch nicht als dessen Vasallen. Der Iran liefert Waffen, technisches Know-how und militärische Beratung, und die strategische Ausrichtung der Huthis ist eng mit der iranischen Regionalpolitik verzahnt. Dennoch verfolgen sie eigene Interessen und handeln eigenständig.

Im Konflikt mit den USA und Israel eröffnen sie neue strategische Optionen: Ihre Seeblockade gegen israelische Schiffe im Roten Meer und im Golf von Aden wurde öffentlich verkündet und hat den internationalen Schiffsverkehr beeinträchtigt. Zugleich haben die Huthis wiederholt Abkommen mit anderen Staaten geschlossen, etwa Waffenstillstandsvereinbarungen mit Saudi-Arabien oder Vereinbarungen mit den Vereinten Nationen über humanitäre Korridore.

Durch die iranische Blockade der Straße von Hormus hat die Meerenge im Jemen dabei noch an weiterer Bedeutung gewonnen. Saudi-Arabien etwa hat ein Großteil seiner Öllieferungen über eine Pipeline zum Hafen Yanbu am Roten Meer weitergeleitet. Insgesamt passierten im Juni des Jahres 7,4 Millionen Barrel Öl die Meerenge Bab al-Mandab täglich, was etwa 7 Prozent der weltweiten Produktion ausmacht.

Mit der vollständigen Einnahme der Westküste haben die Huthis ihre strategische Position damit erheblich verbessert. Sie kontrollieren nun die gesamte Küstenlinie vom Norden bis zur Meerenge Bab al-Mandab und können den Schiffsverkehr im Roten Meer beeinflussen. Diese Kontrolle erlaubt es ihnen, Druck auf Saudi-Arabien, die USA und den internationalen Ölhandel auszuüben. Durch Angriffe auf Handelsschiffe, durch die Drohung mit der Unterbrechung der Ölversorgung oder durch Aktionen gegen die verbliebenen Regierungstruppen. Die Westküste ist damit ein militärischer, wirtschaftlicher und politischer Hebel für einen Kampf um die Kontrolle des Jemens.

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Saudi-Arabien: Zwischen Hilferufen und wachsender Isolation

Für Saudi-Arabien ist die Huthi-Offensive ein wachsendes Problem. Das Königreich hat seit Jahrzehnten Einfluss im Jemen ausgeübt – wirtschaftlich, politisch und militärisch. Dabei ist Saudi-Arabien bevölkerungsmäßig kleiner als der Jemen: Rund 35 Millionen Saudis stehen etwa 43 Millionen Jemeniten gegenüber.

Militärisch ist Saudi-Arabien dem Jemen nominell überlegen. Modernste Kampfjets, Patriot-Abwehrsysteme und ein Verteidigungshaushalt von rund 70 Milliarden Dollar jährlich wahren das Gesicht eines modernen Militärs. Doch diese Überlegenheit hat sich im Jemen-Krieg als trügerisch erwiesen. Die Huthis haben bewiesen, dass sie mit vergleichsweise einfachen Mitteln wie Drohnen, ballistischen Raketen des eigenen Designs und Guerillataktiken die strategische Infrastruktur des Königreichs empfindlich treffen können.

Seit der Entdeckung von Öl im Jahr 1938 ist Saudi-Arabien in einer tiefen Partnerschaft mit den USA verbunden, wirtschaftlich wie militärisch. Die USA sind der wichtigste Waffenlieferant, Sicherheitsgarant und Abnehmer saudischen Öls. Diese Allianz hat dazu geführt, dass saudische Interessen häufig mit amerikanischen Interessen übereinstimmen oder sich ihnen untergeordnet haben. Saudi-Arabien hat sich jahrzehntelang auf die amerikanische Sicherheitsgarantie verlassen. Diese Abhängigkeit zieht auch Probleme nach sich: Während die USA im Iran-Krieg gebunden sind, fehlt Saudi-Arabien die militärische Alternative als sich dem Konflikt anzuschließen.

Iran-Krieg: Auch Saudi-Arabien und die Emirate haben angegriffen

Die Bedrohung der saudi-arabischen Interessen durch die Huthis geht weit über die Schlachtfelder im Jemen selbst hinaus. Die Huthis sind in der Lage, die kritische Infrastruktur Saudi-Arabiens schwer zu beschädigen. Mit Drohnen und Marschflugkörpern können sie die Ost-West-Pipeline angreifen, die das Öl von den Golf-Feldern zum Roten Meer transportiert. Sie können Raffinerien in Abqaiq und Yanbu treffen – Anlagen, die für die weltweite Ölversorgung von zentraler Bedeutung sind. Und sie können Städte wie Riad und Mekka erreichen. Bereits 2019 hatten Huthi-Drohnen die Abqaiq-Anlage angegriffen und die saudische Ölproduktion zeitweise halbiert. Seither hat sich die Reichweite und Präzision der Huthi-Waffen deutlich verbessert.

Die militärische Lage Saudi-Arabiens ist prekär. Nach Angaben von Regionalbeamten gehen dem Königreich die Abfangraketen aus, während es gleichzeitig militärische Einrichtungen, Regierungsgebäude und Ölanlagen schützen muss. Saudi-Arabien hat Frankreich, Großbritannien, Pakistan und Ägypten um Luftverteidigungsunterstützung gebeten. Die USA als wichtigster Verbündeter zeigen bislang wenig Neigung, sich direkt zu engagieren. Großbritannien hat inzwischen zugestimmt, eine begrenzte Luftbetankungsunterstützung für saudische Abwehrflüge bereitzustellen, jedoch keine Angriffsflüge gegen die Huthis.

Die im August 2026 geschlossene „Mekka-Verteidigungsallianz“ zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan steht dabei vor einer ersten Bewährungsprobe. Beide Länder haben ihre Unterstützung zugesagt, konkrete militärische Maßnahmen stehen jedoch noch aus. Pakistan hat klargestellt, dass die Allianz nicht für bestehende Konflikte gilt – die Huthi-Offensive sei ein „vorbestehender Konflikt“ und löse den Bündnisfall nicht aus. Eine militärische Intervention Pakistans ist daher nicht geplant. Analysten bezweifeln, dass die Allianz kurzfristig handlungsfähig ist.

Die USA: Ein zögerlicher Hegemon

Die USA befinden sich in einer Zwickmühle. Einerseits drängt Saudi-Arabien auf direkte militärische Unterstützung; Kronprinz Mohammed bin Salman bat Trump in einem Telefonat am 17. September eindringlich um Intervention. Andererseits warnen US-Militärs vor einer Ausweitung des Engagements: Die Bestände an Abfangraketen und Langstreckenwaffen seien durch den Iran-Krieg bereits stark reduziert.

Präsident Trump hatte am Sonntag einen Angriffsbefehl gegen Huthi-Ziele in letzter Minute zurückgezogen – die Flugzeuge waren bereits beladen, die Ziellisten fertig. Die New York Times berichtete, die Sorge vor einer neuen Front im Schatten des Iran-Krieges sei ausschlaggebend gewesen. Pentagon-Vertreter sind gespalten: Einige argumentieren, ein Angriff auf die Huthis würde US-Truppen im Iran-Krieg zusätzlich gefährden, da die Huthis bislang keine US-Schiffe angreifen. Andere warnen, ein Nichthandeln würde einen wichtigen Verbündeten verraten.

Huthis und Israel im Schlagabtausch – was kommt als nächstes?

Diese Zurückhaltung ist bemerkenswert. Sie zeigt, dass die USA ihre Ressourcen im Iran-Krieg binden und nicht in der Lage sind, gleichzeitig eine zweite Front ohne Probleme zu eröffnen. Für Saudi-Arabien bedeutet dies eine wachsende strategische Isolation: Die USA, die jahrzehntelang als enorme militärische Konfliktpartei am Golf fungierten, sind erschöpft – zumindest was ihre Kapazitäten für die eigens gestarteten Kriege in Westasien betrifft. In diesen Zusammenhang kommen nun vermehrte Gespräche der USA mit Vertretern der Huthis in Frage, um zumindest in der nächsten Zeit die Passage von Öl zu garantieren.

Ein Krieg, der die regionale Ordnung verschiebt

Die Huthi-Offensive ist weit mehr als ein taktischer Erfolg. Sie verschiebt die strategischen Gewichte in der Region: Iran und seine Verbündeten kontrollieren nun faktisch zwei der wichtigsten maritimen Nadelöhre der Welt – die Straße von Hormus und Bab al-Mandab. Saudi-Arabien, einst regionale Führungsmacht und enger US-Verbündeter, steht isolierter da. Die USA, militärisch im Iran-Krieg gebunden, können ihre Rolle als Sicherheitsgarant westlicher Interessen am Golf nicht mehr vollumfänglich ausfüllen.

Und die Huthis haben sich gleichzeitig von einer belagerten Miliz zu einer Kraft entwickelt, die die Weltwirtschaft beeinflusst und die regionale Ordnung herausfordert. Der Jemen-Krieg ist damit endgültig zu einem Schauplatz des größeren Konflikts zwischen dem Iran und seinen Gegnern geworden – mit Folgen, die weit über die Region hinausreichen.

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Source: Perspektive Online