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Verkehr | Appell für freie Busspuren in Berlin

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Wer auf einer Busspur parkt, muss damit rechnen, abgeschleppt zu werden. Foto: imago/Schöning »Zuverlässiger Busverkehr ist Teamarbeit« schreiben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Damit meinen sie nicht nur ihre eigenen Beschäftigten, sondern sie wollen auch die Berliner Autofahrenden ins Team holen. Unter dem Motto »Wir stehen auf Busspuren. Du bitte nicht« sollen sie nicht nur die rund 120 Kilometer Vorrangspuren auf Berlins Straßen freihalten, sondern auch die Haltestellenbereiche und zudem nicht auch noch in zweiter Reihe parken. Also sich so verhalten, wie es die Straßenverkehrsordnung vorsieht.

Zum Auftakt der Kampagne, für die am Heck von 1700 Bussen entsprechende Botschaften angebracht werden soll, lädt das Landesunternehmen am Montagmorgen in den Busbetriebshof an der Wilmersdorfer Cicerostraße und zur Vorführfahrt an Kurfürstendamm und Tauentzienstraße und zurück.

Man habe das Material, man starte zuverlässig in den Betrieb. »Und dann sind wir auf der Strecke, und dann kommt der Teil, den wir weniger beeinflussen können«, sagt BVG-Betriebsvorständin Jenny Zeller-Grothe. Eben die zugeparkten Busspuren oder »Haltestellen, die nur mal eben schnell genutzt werden, damit da jemand ein- und aussteigen kann«. Das wirke sich nicht nur massiv auf die Pünktlichkeit aus, darunter litten auch Fahrgäste. Zum Beispiel, wenn die Busse nicht mehr richtig an den Bordstein heranfahren können. Ein Problem insbesondere für Menschen mit Kinderwagen, Rollatoren oder Rollstühlen.

»Unsere Buslinien sind 13 oder 15 Kilometer lang. Faktisch kommen mehrere Störungen im Verlauf, die sich aufsummieren«, sagt Ronny Dethloff, Leiter des BVG-Busbetriebs. »Mal sind dort 30 Sekunden verloren, mal dort – schon habe ich drei Minuten Verspätung«, berichtet er.

Das nervt nicht nur Fahrgäste und Beschäftigte, das geht auch ins Geld. Denn die Fahrpläne werden über die Jahre immer weiter gestreckt, sodass man immer mehr Busse und Fahrpersonal benötigt. Das Durchschnittstempo sinkt kontinuierlich. 2023 waren die BVG-Busse noch mit 17,82 Kilometern pro Stunde unterwegs. Im ersten Halbjahr 2026 waren es 17,73.

Diese und viele weitere Behinderungen im Straßenverkehr sorgten auch dafür, dass im Jahr 2025 nur 86,6 Prozent der Busfahrten pünktlich waren – deutlich unter der im Verkehrsvertrag vorgesehenen Quote von nahezu 89 Prozent. Seit 2021 ist der Anteil der pünktlichen Fahrten im steilen Sinkflug.

Mariendorfer Damm, Sonnenallee, Kurfürstendamm, Dominicusstraße und Hauptstraße. Das sind die Berliner Hotspots bei den zugeparkten Busspuren, berichtet Celso Covelo Ruente, Teamleiter für die Busspurberäumung bei der BVG. Sein Team hat 40 Beschäftigte, die sich seit 2019 nur um Falschparkende im Busbereich und auch bei der Straßenbahn kümmern.

11.152 Umsetzungen falsch parkender Autos zählte die BVG im Jahr 2025.

Damals wurde der BVG vom Land die Befugnis gegeben, Verkehrsverstöße, die ihren Betrieb behindern, selbst zu ahnden. Zwischenzeitlich hatte sie sogar eigene Abschleppfahrzeuge dafür. Doch es waren zu wenige für die vielen Fälle und das große Berliner Stadtgebiet. Also hat die BVG nun wie Polizei und Ordnungsämter Verträge mit privaten Abschleppunternehmen.

»Wir haben 1600 Vorgänge pro Monat. Aber nicht jeder Vorgang entspricht einem abgeschleppten Fahrzeug«, sagt Covelo Ruente, während der Bus ziemlich gut auf der Ku’damm-Busspur vorankommt. Einmal nutzt ein Autofahrer die Busspur als Expressspur, um am Stau vorbeizufahren. »Aber wenigstens parkt er nicht noch auf der Spur«, sagt der Experte.

Meldet eine Fahrerin oder ein Fahrer eine Behinderung, macht sich Covelo Ruentes Team auf den Weg. »Wir leisten viel Überzeugungsarbeit. Es wird viel geredet, gesprochen, hin- und herdiskutiert«, berichtet er über die Fälle, wo der Autofahrer oder die Autofahrerin angetroffen wird.

Nach einem 270 Euro teuren Abschleppvorgang nebst Bescheid »schreiben manche mithilfe von Chat-GPT ellenlange Widersprüche«, berichtet Covelo Ruente etwas genervt. Den Widersprüchen stattgeben müsse man nur in sehr wenigen Fällen, »weil wir uns an die Gesetze halten und genau dokumentieren«, sagt der Teamleiter.

Dann erreicht der Bus die Haltestelle am Wittenbergplatz vor dem KaDeWe. »Hier haben wir unsere Taxifahrenden. Für uns ist das eine schwierige Klientel, weil die einfach nicht einsehen, dass es eine Busspur oder eine Haltestelle ist«, so Covelo Ruente. An der Bushaltestelle in der Invalidenstraße vor dem Hauptbahnhof spitzte sich die Situation so zu, dass die BVG drohte, die Haltestelle nicht mehr anzufahren. »Da haben wir die Taxifahrer, Uber-Fahrer und so weiter, die sich da immer wieder und wieder hinstellen und es überhaupt nicht einsehen«, sagt der Teamleiter. Wochenlang waren seine Leute täglich vor Ort. Ein Lerneffekt stellte sich jedoch nicht ein.

Alle Hände voll zu tun hat das BVG-Busspur-Team vor allem zwischen 6 und 10 Uhr morgens. »Da gibt es die meisten Fälle«, sagt Covelo Ruente. »Abends und nachts ist dann rechtsfreie Zone, wo die Autos überall parken.«

11.152 Umsetzungen falsch parkender Autos zählte die BVG im Jahr 2025. Die Zahlen steigen. Im ersten Halbjahr 2026 waren es bereits 6500 Umsetzungen. Die Berichte aus der Praxis machen wenig Hoffnung, dass die Kampagne die Situation nachhaltig ändern wird.

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Source: nd