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Nahverkehr | U-Bahn: BVG sucht die Meisterkleber
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Hier fehlt Herz, findet die BVG. Eine Kleberkolonne soll das ändern. Foto: Nicolas Šustr Herzchenoffensive im Berliner Untergrund: 2224 Herzen sollen bis Jahresende auf der Berliner U-Bahn-Flotte prangen. Denn zehn Jahre nach Einführung des Herz-Logos wollen die Berliner Verkehrsbetriebe auch auf ihren U-Bahn-Wagen das alte Signet mit dem Schriftzug im gelben Quadrat im wahrsten Sinne des Wortes ablösen.
Das Landesunternehmen sucht nun per Ausschreibung Auftragnehmer, um alte Aufkleber mit Berliner Landeswappen, BVG-Logo und dem Signet des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg durch neue auszutauschen.
Doch das ist nur ein Teil des Auftrags. »Insgesamt müssen etwa 19.444 Piktogramme/Folienaufkleber mit Not- und Sicherheitshinweisen sowie allgemeine Informationshinweise in der gesamten U-Bahn-Flotte der Berliner Verkehrsbetriebe getauscht werden«, heißt es in der Ausschreibung.
Getauscht werden sollen unter anderem die Aufkleber im Wageninneren, die die Notentriegelung der Türen markieren. Grün statt rot sollen sie künftig sein, »zur Minimierung der Verwechslungsgefahr zum Alarmgriff«, wie erläutert wird.
»Insgesamt müssen etwa 19.444 Piktogramme/Folienaufkleber mit Not- und Sicherheitshinweisen sowie allgemeine Informationshinweise in der gesamten U-Bahn-Flotte der Berliner Verkehrsbetriebe getauscht werden.«
Auf den weiterhin roten Aufklebern, die auf den früher als Notbremse dienenden Griffen prangen, wird künftig »SOS« statt bisher »Alarm« stehen. Zusätzlich soll es neue Aufkleber mit der Aufschrift »Hilferuf gegenüber« geben – die Alarmgriffe befinden sich nur auf einer Fahrzeugseite.
Bemerkenswert ist, dass selbst bei den Wagen der jüngsten Fahrzeuggenerationen J und JK, die erst seit September vergangenen Jahres fahren, die Beklebung geändert werden soll. Die Fensteraufkleber als Hinweise auf den Bereich für Kinderwagen, Rollstühle und Fahrräder sollen verschwinden; als Ersatz dienen neue Aufkleber innen sowie neben den Türen außen.
Gefordert wird laut Ausschreibung zunächst die »Entfernung vorhandener Folienaufkleber gemäß Vorgabe der BVG«; diese soll abriss-, geruchs- und rückstandsfrei erfolgen. Schließlich sollen die neuen Exemplare »gemäß Klebevorschrift für alle U-Bahn-Zugtypen der BVG« angebracht werden, und zwar »ausschließlich auf zuvor gereinigtem und prüffähigem Untergrund«.
Auch die Klebevorschrift findet sich in den Ausschreibungsunterlagen. Auf 49 PDF-Seiten wird dort mit ausführlicher Fotodokumentation dargelegt, wo die abzulösenden Aufkleber zu finden sind und wo die neuen Exemplare positioniert werden sollen.
Bewerben kann sich für die Aufgabe nicht jedermann. Mitarbeitende müssten laut Ausschreibung fachlich geeignet und durch den Auftragnehmer unterwiesen sein. »Nachweise (Lehrgänge, Qualifikationen) für die Qualifikation zum fachgerechten Anbringen und Entfernen von Hinweisbeschriftung auf lackierten Untergrund sind vorzulegen«, heißt es weiter.
Bereits in der neuen grünen Ausführung geklebt: der Hinweis zur Notöffnung der U-Bahn-Türen. Foto: Nicolas Šustr Beginnen sollen die Arbeiten sofort nach Zuschlagserteilung Ende September beziehungsweise Anfang Oktober. Beendet sollen sie bis zum Jahresende sein. Stattfinden sollen sie in den Betriebswerkstätten in Britz, Friedrichsfelde und am Bahnhof Olympia-Stadion.
Bemerkenswert ist auch die Datei, in der genau aufgelistet wird, für welche Fahrzeuge wie viele Aufkleber benötigt werden. So wird Aufkleberbedarf für Fahrzeuge errechnet, die inzwischen aufgrund der Auslieferung von Neufahrzeugen abgestellt worden sind. Gleichzeitig sind viel mehr Neufahrzeuge aufgelistet, als bis Ende des laufenden Jahres überhaupt geliefert werden sollen.
Die Rückrechnung ergibt, dass in der Liste bis Jahresende von einem Fahrzeugbestand von 1602 U-Bahn-Wagen ausgegangen wird. Derzeit sind laut der meist sehr zuverlässigen Statistik der Fanseite berliner-linienchronik.de 1424 U-Bahn-Wagen als im Einsatz gelistet. Bis Jahresende sollten nach BVG-Angaben noch maximal 64 Neubauwagen hinzukommen. Im Gegenzug dürfte auch eine nicht unerhebliche Anzahl von Bestandsfahrzeugen abgestellt werden.
Tatsächlich scheint bei der Ausschreibung für die Aufkleberaktion auch nicht aufgefallen zu sein, dass mindestens ein erheblicher Teil, wenn nicht alle der auf der U5 im Einsatz befindlichen Neuwagen zumindest bereits mit den neuen BVG-Logos und den neuen Kennzeichnungen für Mehrzweckabteile und die Türnotöffnung versehen sind.
Somit dürften bis Jahresende nicht einmal 2000 BVG-Herzchen auf Berliner U-Bahn-Wagen neu geklebt werden. Aber dass die BVG zu Übertreibungen neigt, ist ja keine Neuigkeit.
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Source: nd