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Mittelamerika | Den Kaffeepflanzen in Honduras wird es zu warm
Auf einer Modellfarm in Honduras versucht Benigna Ramos ihre Kaffeeproduktion an den Klimawandel anzupassen. Doch die anhaltende Dürre bedroht die Ernte.
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Benigna Ramos ist Kaffeebäuerin aus dem Südwesten von Honduras. Foto: Knut Henkel Langsam lässt Benigna Ramos Kaffeebohnen durch ihre Finger gleiten und kontrolliert sie auf ihre Qualität. Die Kleinbäuerin, die im Südwesten von Honduras eine vier Hektar große Kaffeefarm betreibt, ist zufrieden. »Heute werden wir fünf bis zehn Säcke nach Marcala fahren und sie dort verkaufen«, erklärt die 57-Jährige. Die Modellfarm, die ein paar Kilometer außerhalb der Kolonialstadt La Esperanza liegt, hat sie gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Kindern im Laufe der letzten 20 Jahre aufgebaut. »Wir bauen Kaffee in hoher Qualität und nach agrar-forstwirtschaftlichen Kriterien an. Die Kaffeebohnen reifen im Schatten von Edelhölzern, Bananen und Obstbäumen – das ist notwendig und hat viele Vorteile«, erklärt die Bäuerin.
Notwendig ist das Pflanzen von Schattenbäumen, weil es den Kaffeepflanzen in ganz Mittelamerika im Zuge des Klimawandels zu warm wird. Die Temperaturen steigen, das geht einher mit Starkregen, aber auch Dürren. Erst im August rief die Regierung in Tegucigalpa den Dürre-Alarm für 234 der 298 Gemeinden des Landes aus. Wegen niedriger Wasserstände drohen massive Ernteausfälle, und für das Vieh ist das kostbare Nass knapp geworden. Wie Ramos berichtet, ist auch die Kaffeeregion von Marcala und La Esperanza betroffen. »Allerdings haben wir hier in den letzten Jahren versucht, durch Aufforstung gegenzusteuern. Das hat Einfluss auf das Mikroklima.« Sie habe sich vom nationalen Kaffeeinstitut, von kleinen Nichtregierungsorganisationen und von Experten der Bio-Kaffee-Kooperative Comsa beraten lassen.
Die Anpassung an den Klimawandel in der Region ist kaum zu übersehen, wenn man durch die von Kaffeeparzellen bedeckte Hügel- und Berglandschaft fährt. Wo früher allein Kaffeebüsche die teilweise terrassierten Hänge prägten, sind sie nun an vielen Stellen erst auf den zweiten Blick zu sehen. Bäume, Bananenstauden und grüne Barrieren wurden zwischengepflanzt, um Erosion zu verhindern. »Wir haben schätzungsweise 200.000 Bäume in den letzten fünf, sechs Jahren gepflanzt, haben dadurch etwas mehr Niederschläge in der Region Marcala und kooperieren mit der Stadtverwaltung auch bei Müllrecycling und -trennung sowie der Wasseraufbereitung«, erklärt Rodolfo Peñalba. Er ist der langjährige Geschäftsführer von Comsa und ein Verfechter des Aufbaus eigener, nachhaltiger Strukturen.
Comsa produziert jedes Jahr in einer Anlage bis zu 80.000 Sack Biodünger und vertreibt ihn unter Mitgliedern sowie Kunden wie Benigna Ramos. Auch Kaffeepflanzen und Setzlinge von lokal heimischen Edelholz- und Obstbäumen bieten die Experten der Genossenschaft an, die 2001 mit rund 60 Bauern und einem Startguthaben von 300 US-Dollar gegründet wurde. Peñalba, Bio-Experte mit Beratungserfahrung, Kleinbauer und Kaffee-Visionär in Personalunion, hat entscheidenden Anteil daran, dass Comsa zu den zehn größten kaffeeexportierenden Unternehmen von Honduras zählt. Das kleine Land belegt nach Brasilien, Vietnam, Kolumbien und Indonesien den fünften Platz unter den größten Produzenten weltweit.
Das kann sich durch den Klimawandel jedoch schnell ändern: Wissenschaftliche Studien prognostizieren, dass Mittelamerika mit den Kaffeeproduzenten Guatemala, Nicaragua, El Salvador, Costa Rica und Panama bis zu 85 Prozent der Anbauflächen verlieren könnte. »Dem Kaffee wird es in den niedrigen Anbauhöhen von 900 bis 1200 Meter über dem Meeresspiegel zu warm, im Extremfall wirft er die Früchte ab. Der Klimawandel ist für uns eine reale Bedrohung«, erklärt Benigna Ramos. Ihre Modellfarm soll zeigen, was die Kleinbauern und -bäuerinnen in der Nachbarschaft anders und besser machen können. »Das Pflanzen junger widerstandsfähiger Setzlinge hilft genauso wie das Düngen der Pflanzen mit Biomasse und eben die Aufforstung«, erläutert die zupackende Frau, die etwa 150 Säcke Kaffee à 69 Kilogramm pro Ernte mit ihrer Familie produziert.
Dieses Jahr dürfte es jedoch etwas weniger sein, denn die Dürre hat zumindest partiell dafür gesorgt, dass nach der Blüte zu wenig Wasser da war, um die Früchte richtig auszubilden. Kleinere Bohnen könnten die Folge sein. Ramos gehört einer Gruppe von 25 Kleinbauern an, die gemeinsam auf der Suche nach fairen Abnehmern sind und ihre Anbaustrategien kontinuierlich weiterentwickeln. »Dazu gibt es keine Alternative. Wir müssen besser werden, dem Klimawandel trotzen und parallel sehen, dass wir alternative Produkte wie Honig oder Avocados produzieren, um unsere Einkommenssituation zu verbessern«, skizziert Ramos ihre persönliche Strategie. Die gibt sie erfolgreich weiter und fördert dabei sowohl Frauen als auch den jungen Nachwuchs. Das hält sie für alternativlos, denn Auswanderung hat dazu beigetragen, dass Arbeitskräfte fehlen.
Klar ist, dass es mehr Informationen braucht, wie dem Klimawandel begegnet werden kann. Und da ist ihre Farm so etwas wie ein grünes Klassenzimmer. Das öffnet manchmal am Samstag oder Sonntag die Tür für einen Rundgang im Schatten von Obst- und Edelholzbäumen zum Gezwitscher etlicher Vögel. Doch all das ist gefährdet. Honduras Präsident Nasry Asfura hat kürzlich gewarnt, dass die Dürre wegen des diesmal besonders heftigen Klimaphänomens El Niño noch bis März oder April nächsten Jahres anhalten könnte. Schwierige Bedingungen selbst für vorbildlichen Kaffeeanbau.
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