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Kanzlertausch | Und wer ersetzt Wüst?
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Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst gehört zu den beliebtesten CDU-Politikern. Trotzdem spricht einiges gegen eine schnelle Kanzlerschaft. Foto: Friso Gentsch/dpa Hendrik Wüst als Ersatz für Bundeskanzler Friedrich Merz. Die Spekulationen, die dieser Tage wieder hochkochen, haben durchaus etwas für sich. Im Gegensatz zu Merz beherrscht Wüst einen modernen Kommunikationsstil. Er ist in der Lage, die Leute mitzunehmen, wie es so schön heißt. Wüst tritt weniger markig und mehr vermittelnd auf als Merz. Auch spart er sich öffentliche Basta-Ansagen in Richtung Koalitionspartner. Inhaltlich durchsetzen kann er sich trotzdem oft genug. Dass der Kohleausstieg 2030 kaum noch zu erreichen ist, führt bei den Grünen genauso wenig zu einem Aufschrei wie der Bau eines Abschiebegefängnisses für über 300 Millionen Euro. Hendrik Wüst schafft es in Nordrhein-Westfalen, CDU-Politik durchzusetzen.
Wegen dieses Erfolgs ist es aber fraglich, ob ein baldiger Kanzlertausch eine allzu gute Idee wäre. In sieben Monaten finden in Nordrhein-Westfalen die nächsten Landtagswahlen statt. Würde Wüst davor ins Kanzleramt wechseln, stünden die Christdemokraten in NRW vor großen Problemen. In der Riege der Landesminister*innen mangelt es an Nachfolgekandidat*innen. Die im Land halbwegs bekannten Minister Herbert Reul und Karl-Josef Laumann sind zu alt für das Ministerpräsidentenamt und würden allenfalls als Übergangsministerpräsidenten gelten. Die ehrgeizige Bauministerin Ina Scharrenbach muss derzeit erst mal einen Untersuchungsausschuss überstehen, in dem es um Machtmissbrauch und Mobbing in ihrem Ministerium geht. Staatskanzleichef Nathanael Liminski wäre zwar bestimmt in der Lage, das Amt auszufüllen, seine Vergangenheit in erzreaktionären, katholischen Gruppen spricht aber dagegen, außerdem würde Wüst ihn wohl nach Berlin mitnehmen wollen, damit er das Kanzleramt organisiert.
Da in Nordrhein-Westfalen nur Mitglieder des Landtags zum Ministerpräsidenten gewählt werden können, ist auch das restliche Personalreservoir der Union relativ bescheiden. Der Fraktionsvorsitzende im Düsseldorfer Landtag, Thorsten Schick, dürfte jedenfalls ähnlich bekannt sein wie der Ersatztorhüter der zweiten Mannschaft von Borussia Mönchengladbach.
Einem schnellen Wechsel von Hendrik Wüst steht also alleine schon die Personalfrage im Weg. Aber auch darüber hinaus muss sich der Christdemokrat bald überlegen, wie es für ihn weitergeht. Vor den Wahlen im April 2027 werden die Fragen nicht weniger werden, ob Wüst seinen Platz in Düsseldorf oder Berlin sieht. Bleibt er eine klare Antwort schuldig, könnten die Wähler*innen ihn abstrafen. Norbert Röttgen scheiterte 2012 bei der Wahl zum Ministerpräsidenten, weil er offen ließ, ob er auch nach einer Wahlniederlage von Berlin nach Düsseldorf wechselt.
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Source: nd