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Herzbericht | Therapie-Erfolg auch in Patientenhand

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Viele Herzrhythmusstörungen treten nur bei körperlicher Anstrengung auf, während ein normales Ruhe-EKG unauffällig bleibt. Foto: IMAGO/BSIP Das Herz ist rastlos – und hält uns am Leben. Es schlägt. Die Frequenz ist variabel – unter anderem hängt sie an äußeren Ereignissen. Unsere Pumpe hat eine eigene Elektrik, ein System der Reizleitung. Ist dieses in Ordnung, zieht sich der Herzmuskel rhythmisch, koordiniert und bedarfsgerecht zusammen, um Blut durch den Körper zu pumpen. Dieser körpereigene Taktgeber läuft ohne bewusste Steuerung des Gehirns. Aber er kann auch ins Stottern kommen. Die weltweit häufigste Herzrhythmusstörung ist das Vorhofflimmern (VHF). Dabei sind die Impulse in den Herzvorhöfen chaotisch, bemerkbar an einem unregelmäßigen und schnellen Puls, der das Schlaganfallrisiko erhöht.

Genau dieses Vorhofflimmern steht im Mittelpunkt der neuesten Ausgabe des Deutschen Herzberichtes. Das diesjährige Update, herausgegeben von der Deutschen Herzstiftung, wurde am Mittwoch in Berlin vorgestellt. Die genannte Rhythmusstörung gehört zu den fünf großen Krankheitsbildern rund um das Herz, die am häufigsten auftreten und die größten Anteile an der herzmedizinischen Versorgung haben. Auch bei der Sterblichkeit stehen sie vorn – wie insgesamt Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland das Ranking der Todesursachen anführen. An zweiter Stelle folgen weiterhin die Krebserkrankungen.

Jeder dritte Schlaganfall steht mit Vorhofflimmern in Zusammenhang.

In Deutschland lebten 2024 1,6 Millionen Menschen mit Vorhofflimmern. Direkt ist es zwar »nur« für 30.000 Todesfälle im Jahr verantwortlich. Aber auch jeder dritte Schlaganfall steht mit VHF in Zusammenhang, wie Thomas Voigtländer erläutert. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung ist als Kardiologe in Frankfurt am Main tätig. »Das Vorhofflimmern kommt aus dem linken Vorhof. Genauer gesagt bilden sich dort, im linken Vorhofohr, Blutgerinnsel, weil das Herz nicht mehr richtig schlägt«, sagt der Mediziner.

Jedes Jahr werden 360.000 Fälle von VHF in Krankenhäusern behandelt, aber nur 5900 Menschen machen eine Reha mit ausschließlich dieser Begründung. Bei vielen weiteren Reha-Patienten war VHF nur eines von mehreren schweren Symptomen. Laut Eike Langheim von der Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen können auch Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Übergewicht in einer Reha gut angesprochen werden. »Wenn es gelingt, ein körperliches Training zu etablieren, gibt es weniger Rezidive«, also Rückfälle bei der behandelten Krankheit. Langheim weist darauf hin, dass laut erneuerten europäischen Behandlungsleitlinien Reha-Maßnahmen bei VFL ein Muss sind. Weil es in Deutschland nicht ausreichend solche Plätze gibt, sollten die Patienten dafür gut ausgesucht werden. Es ginge also um diejenigen, die etwa ein Bewegungsprogramm oder eine Ernährungsumstellung nicht alleine schaffen.

Vor der Reha kommt allerdings die Therapie. Beim VHF sind es aktuell die sogenannten Ablationen, deren Zahl stark zunimmt. Dabei werden die Ausgangspunkte von elektrischen Fehlimpulsen im Herzgewebe durch Hitze, Kälte oder Strom verödet. In der Folge entsteht dort winziges Narbengewebe, das die falschen Impulse nicht mehr weiterleiten kann. Diese Eingriffe erfolgen schon zu 95 Prozent per Katheter, also über ein minimal-invasives Verfahren.

Weil seit diesem Jahr sogenannte Hybrid-DRGs eingeführt wurden, wird es auch in der Herzmedizin einen Trend hin zu mehr ambulanter Versorgung geben. Laut Voigtländer wird das besonders die Katheterablationen bei Herzrhythmusstörungen betreffen, aber auch die Stentversorgung von Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung, Schrittmachertherapien oder die Implantation eines Defibrillators.

Zu den wichtigen Therapieelementen bei VHF gehört außerdem die Blutverdünnung mithilfe von Medikamenten. Es kann auch versucht werden, etwa mit Betablockern den Puls medikamentös zu dämpfen. Besonders wichtig ist es für alle Patienten mit dem Beschwerdebild, die hauptsächlichen Risikofaktoren im Blick zu haben: So sollte der Blutdruck gut eingestellt sein und Übergewicht abgebaut werden. Weitgehender Verzicht auf Alkohol und Tabak sowie ausreichend Bewegung gehören ebenfalls dazu.

Eine wichtige Einordnung zu diesem Thema kommt bei der Vorstellung des Herzberichtes von einem Patienten. Emil Walla, heute 45, laboriert schon länger an Unregelmäßigkeiten seiner »Pumpe«. Im Pandemiejahr 2022 erkrankte er im Februar an Covid-19, im Dezember dann an einer schweren Grippe. Es ging ihm immer schlechter, eines Morgens schaffte er die Treppe zum Büro nicht mehr. Trotz Blutverdünner und medikamentöser Herzentlastung bekam er immer häufigere und immer längere Anfälle von VHF. Auch eine erste Ablation war nur anfangs erfolgreich – eine Geschichte, die viele Patienten mit dieser Art von Eingriff teilen. Nach der zweiten Ablation im Juni 2026 ginge es ihm jetzt gut: »Ich bin im Sinusrhythmus«, sagt Walla erleichtert, und er meint damit den normalen und gesunden Herzschlag des Menschen, dessen Impuls vom Sinusknoten im rechten Vorhof des Herzens kommt.

Aber Walla fügt hinzu: »Das war auch harte Arbeit.« Denn nachdem die erste Ablation nicht nachhaltig erfolgreich war, wurde ihm klar, dass er zur Therapie ja nichts beigetragen hatte, außer Medikamente zu nehmen und die Termine zu absolvieren. Dann begann er, sich nach dem Büro täglich wieder etwas per Rad zu bewegen, statt auf dem Sofa zu bleiben. Seit Anfang des Jahres hat er 20 Kilogramm abgenommen und sagt heute: »50 Prozent des Behandlungserfolges hat der Patient in der eigenen Hand.«

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Source: nd