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Pflegenotstand ohne Lohnerhöhung: (Wieder mal) Ausländer rein! Also in die Pflege.

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Dossier

Plakat der freiburger Protestaktion Pflege am Boden 2015„… Die Rekrutierung ausländischer Pflegekräfte als ein Lösungsweg aus einem Pflegenotstand verstanden als fehlendes Personal hat – man wird nicht überrascht sein – eine lange Geschichte in unserem Land und reicht weit zurück in eine Zeit, in der Deutschland sich als alles andere verstanden hat als das, was es längst war: ein Einwanderungsland. Die Figur des „Gastarbeiters“ wurde auf viele Bereiche übertragen, so auch auf das Gesundheitswesen. (…) Denn auch Spahn sollte mittlerweile wissen, dass dieser Weg keine wirkliche Lösung des eklatanten Pflegepersonalnotstands darstellt, weil ein realistisch erreichbarer Arbeitskräfteimport nur einen sehr überschaubaren Entlastungseffekt zur Folge haben wird. (…) Übrigens – dass es die Arbeitsbedingungen sind, die einen gewichtigen Einfluss darauf haben, ob es a) genügend Nachwuchskräfte für die Pflege geben wird und b) ob und wie lange die Pflegekräfte im Beruf bleiben, ist nun wahrlich keine neue Erkenntnis…“ Artikel vom 2. April 2018 von und bei Stefan Sell externer Link. Siehe auch unser Dossier: Migrantinnen in der Pflege: “Niemand überwacht die Arbeitsbedingungen” in Privathaushalten und hier zur internationalen An-/Abwerbung:

  • Einwanderung von Fachkräften: Pflegeverband fordert Tempo bei Work and Stay Agentur New
    „Deutschland braucht dringend Pfleger*innen, doch einwanderungwillige Fachkräfte haben es schwer. Ein katholischer Sozialverband fordert jetzt Reformen.
    Immer mehr Menschen in Deutschland sind auf Pflege angewiesen. Entsprechend riesig ist der Personalbedarf der Branche. Doch obwohl viele ausgebildete Pflegekräfte aus anderen Ländern gern nach Deutschland kommen wollen, tut die Bundesregierung kaum etwas dafür, ihnen den Weg zu ebnen. Am Donnerstag richtete deshalb der Verband katholischer Altenhilfe in einem Pressegespräch deutliche Forderungen an die Politik. Verbandsgeschäftsführer Andreas Wedeking betonte: „Jede fünfte Pflegefachkraft hat inzwischen einen ausländischen Hintergrund.“ Doch Zehntausende weitere versuchten jedes Jahr erfolglos, nach Deutschland zu kommen, denn auch nach der Reform des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes 2024 seien die Hürden weiter hoch. Um das zu ändern, forderte Wedeking insbesondere eine effektive Work and Stay Agentur, die Visaverfahren, Anrechnung von Berufsabschlüssen und Ankommenshilfe zentralisieren, vereinheitlichen und digitalisieren soll. Eine solche Work and Stay Agentur ist tatsächlich von der Bundesregierung geplant, allerdings lässt sich das zuständige Arbeits- und Sozialministerium von Bärbel Bas (SPD) mit der Umsetzung bisher Zeit. (…) Sinken sollten dabei auch die Kosten, sowohl für die angeworbenen Pfleger*innen als auch für die Träger. Letztere geben mittlerweile große Summen dafür aus, die Angeworbenen auf ihrem Weg durch die bürokratischen Prozesse zu unterstützen. Und wer monatelang in Anrechnungsprozessen steckt, fällt so lange weitgehend als Arbeitskraft aus. Die Kosten, die hier für die Trägereinrichtungen entstehen, würden sich direkt in dem niederschlagen, was Bewohner*innen, Angehörige und Versicherungen für einen Platz im Pflegeheim bezahlen müssen. Der Pflegeverband fordert des Weiteren eine Positivliste für Berufsabschlüsse aus bestimmten Ländern, die dann ohne weitere Überprüfung anerkannt würden. (…) Neben den bürokratischen Hürden kommen noch gesamtgesellschaftliche Probleme hinzu, die neu eingereisten Fachkräften besonders zu schaffen machen. Dazu gehörten etwa die anhaltende Wohnungskrise oder die schlechte Verkehrsanbindung auf dem Land. Hier müsse die Bundesregierung konkrete Verbesserungen schaffen – nicht nur für die eingewanderten Pfleger*innen, aber eben auch für sie.“
    Artikel von Frederik Eikmanns vom 15. September 2026 in der taz online externer Link, siehe auch:

    • Altenhilfe kritisiert: Behörden bremsen ausländische Pfleger aus
      Deutschland braucht internationales Pflegepersonal, macht den Berufseinstieg aber mit unterschiedlichen Anerkennungen, Visa-Fristen und Zuständigkeiten kompliziert. Der Altenhilfeverband hätte dafür eine ungewöhnlich radikale Idee: Verfahren vereinfachen…“ Artikel von Nils Sandrisser vom 16.09.2026 im Migazin externer Link
  • [„Hier gibt es keine Willkommenskultur“] Falsche Versprechen: Rassismus erschwert Ankunft im Gesundheitswesen
    Deutschland braucht dringend Personal für Kliniken und Praxen. Doch Menschen wie Hugo Mosquera berichten von schwer anerkannten Abschlüssen, rassistischer Ausgrenzung und Arbeitsbedingungen, die viele internationale Fachkräfte rasch wieder vertreiben.
    Hugo Mosquera sitzt in einem Café in Berlin, gerade ist seine Schicht als medizinischer Fachangestellter in einer Praxis zu Ende. „Als Schwarze Person muss ich mich hier in Deutschland um das Dreifache anstrengen, um genauso wahrgenommen zu werden wie alle anderen“, sagt der gebürtige Kolumbianer. (…) Mosquera erinnert sich noch gut an die Werbung von Vermittlungsagenturen für Jobs im deutschen Gesundheitssektor. Private Agenturen suchen teils im Auftrag von Kliniken im Ausland nach Fachkräften, kümmern sich um Deutschkurse und organisieren den Flug. Dabei seien ein schneller Jobeinstieg, hohe Lebensqualität und gute Löhne versprochen worden, erinnert sich Mosquera. Heute sagt er: „Sie haben einen ‚deutschen Traum‘ vermittelt, den es so nicht gibt.“
    Rascher Burnout droht
    Das kritisiert auch Paula, die eigentlich anders heißt, aus beruflichen Gründen aber anonym bleiben will. Die Medizinerin wuchs in Kolumbien auf, studierte später Physiotherapie in Spanien, kam nach Deutschland und absolvierte ein Medizinstudium an der Charité. „Viele Fachkräfte werden unter falschen Versprechen angeworben“, sagt sie…“ Beitrag von Malte Seiwerth vom 05.08.2026 im Migazin externer Link
  • „Der Schwarze Pfleger“ u.a.: Pflegekräfte berichten von rassistischer Diskriminierung und Mobbing – sowohl durch Patient:innen als auch von Kolleg:innen
    Aufgrund des Fachkräftemangels ist der Bedarf an internationalen Pflegern im Gesundheitssystem besonders hoch. Doch nun berichten Pflegekräfte von rassistischer Diskriminierung – sowohl durch Patienten als auch von Kollegen. (…)
    Joshua ist in Deutschland geboren, aber werde von Patienten oft für einen Afrikaner gehalten. „Die denken, weil ich Schwarz bin, komme ich aus Afrika und dort ist die Versorgung ja nicht sehr gut. Und ob ich überhaupt Deutsch sprechen kann“, erzählt der Pfleger.
    Das sei ein rassistisches Vorurteil, sagt Monique Ritter, Professorin für Soziale Arbeit an der Hochschule Landshut. Gemeinsam mit Serhat Yalcin von der HAW Kiel erforscht Ritter das Thema Rassismus gerade im Bereich der Altenpflege.
    Rassismus im Pflegebereich häuft sich
    Immer mehr Pflegekräfte berichten aktuell von systematischen Diskriminierungserfahrungen, das zeigt auch eine Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung. Laut Monique Ritter habe das auch mit Debattenverschärfungen in Sachen Migration zu tun. Weil sich die Grenzen des Sagbaren gerade verschieben würden, entstehe das Gefühl: „dass Menschen das vermeintlich legitim äußern dürfen.“
    Gleichzeitig wollen Ritter und Yalcin mit ihrer Forschung verdeutlichen, dass ein Zusammenhang zwischen Rassismus und prekären Arbeitsverhältnissen besteht. In der Pflege gebe es weniger gewerkschaftliche Strukturen. Also niemanden, der sich um die Bedürfnisse der Mitarbeiter kümmert. Das begünstige Rassismus – Dabei gehe es laut Serhat Yalcin darum: „dass wir Pflegekräfte nicht nur als Besitzer von Arbeitskraft betrachten, sondern als Menschen mit eigenen Geschichten.“
    Wer das Thema nicht ernst nimmt, verliert Fachkräfte
    Denn der Fachkräftemangel in der Altenpflege sei gravierend, aber rassistische Diskriminierung trage dazu bei, dass migrantische Pflegekräfte die Branche verlassen
    …“ Beitrag von Ferdinand Meyen vom 01.07.2026 in BR24 externer Link („Rassismus in der Pflege: Das sagen Betroffene und Wissenschaft“) – siehe mehr zu Rassismus in der Pflege hier weiter unten, leider immer wieden…
  • [Alles muss man selber machen…] Abkommen mit Indien: Bundesregierung will Pflegekräfte selbst im Ausland ausbilden 
    Deutschland kann sich selbst nicht pflegen und benötigt Fachkräfte aus dem Ausland. Bisher floppten alle staatlichen Anwerbe-Bemühungen. Nun sollen Pfleger im Ausland ausgebildet werden. Stiftung Patientenschutz warnt vor überzogenen Erwartungen.
    Die Bundesregierung will Pflegekräfte aus Indien anwerben. Wie das Bundesgesundheitsministerium am Dienstag bekanntgab, wurde beim Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Indien eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet externer Link. Sie sieht gemeinsame Standards für die Ausbildung von Pflegekräften vor. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erklärte, so könnten bei der Anwerbung „langwierige und bürokratische Anerkennungsverfahren in Zukunft vermieden und gut ausgebildete Fachkräfte schneller in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden“. (…) Die Ausbildung der Pflegekräfte in Indien soll Deutschunterricht bis zum B2-Niveau umfassen, ebenso Kurse, die auf das Arbeiten und Leben in Deutschland vorbereiten. Für die Auszubildenden sind die Kurse den Angaben zufolge kostenlos…“ Meldung vom 14.01.2026 im Migazin externer Link („Abkommen mit Indien: Bundesregierung will Pfleger im Ausland ausbilden“)
  • Rassismus oder Willkommen in der Pflege? Perspektiven auf das Ankommen und Bleiben von Pflegekräften aus Drittstaaten
    • Willkommen in der Pflege? Perspektiven auf das Ankommen und Bleiben von Pflegekräften aus Drittstaaten in Baden-Württemberg
      Deutschland steht aufgrund der alternden Bevölkerung vor einem dramatischen Anstieg des Pflegebedarfs. Dabei setzt es verstärkt auf die Anwerbung internationaler Pflegekräfte. Ziel dieses Projekts war es, am Beispiel Baden-Württembergs zu beleuchten, wie Pflegekräfte aus Drittstaaten in Deutschland ankommen, welche Hürden ihnen dabei entgegenstehen und welche Bedingungen ihre soziale Integration fördern. Auf Grundlage eines triangulierten Forschungsdesigns verdeutlicht die Studie, dass Rekrutierung allein nicht ausreicht, um internationale Pflegekräfte längerfristig zu halten und die Pflegeversorgung nachhaltig zu sichern. Zudem leistet sie einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der sozialen Eingliederung internationaler Pflegekräfte: Sie unterstreicht, dass soziale Integration ein vielschichtiger Prozess ist, der aktiv gestaltet und begleitet werden muss und kann…“ DeZIM Project Report 18 vom November 2025 externer Link von Yula, Esra; Rischke, Ramona; Yanaşmayan, Zeynep; Käferstein, Melinda bei Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), höre dazu auch:
    • Rassismus in der Pflege: Situation internationaler Pflegekräfte
      Beitrag von Luise Sammann vom 14. November 2025 im Deutschlandfunk externer Link Audio Datei
  • Migration, Pflegearbeit und Social Media. Ein Ländervergleich zwischen Indien und Mexiko
    PROKLA 220 vom September 2025: Arbeit. Raum. Kämpfe.Der Pflegekräftemangel hat deutsche Anwerbebemühungen in außereuropäischen  Ländern und neue, transnationale Handlungsspielräume für migrationsinteressierte Pflegekräfte zur Folge. Diese nutzen digitale Plattformen zur Navigation in einer  komplexen Migrationsinfrastruktur. Unsere Studie widmet sich der Forschungslücke von Social Media in der Pflegemigration an den Beispielen Mexiko und Indien. Dabei fällt die Dominanz selbstorganisierter Vlogger*innen neben der Werbung von Influencerinnen für Vermittlungsagenturen und der Abwesenheit staatlicher Anwerbung auf. Wir analysieren den Informationsaustausch im Spannungsfeld zwischen neoliberaler Subjektivierung für den Zielarbeitsmarkt und solidarischem Community-Building…“ Artikel von Homaira Rahnoma, Leoni Schlender und Christa Wichterich in der PROKLA 220 externer Link vom September 2025: Arbeit. Raum. Kämpfe. – wie immer – und doch immer wieder bewußt – empfehlen wir das gesamte Heft!
  • Import – Export: Deutschland will die Einwanderung indischer Fach- und Pflegekräfte weiter steigern und ökonomisch unerwünschte InderInnen stärker abschieben
    „Die Bundesrepublik erzielt bei der Anwerbung indischer Fach- und Pflegekräfte zur Deckung des deutschen Arbeitskräftebedarfs bislang nur eine gemischte Bilanz. Dies geht aus aktuellen Analysen hervor, darunter eine Studie der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Demnach ist Deutschland zunehmend auf Drittstaaten wie Indien angewiesen, um seinen Arbeitskräftebedarf etwa in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT-Fächer) sowie in der Pflege zu decken. Trotz gewisser Erfolge sinkt allerdings etwa der Anteil der in Deutschland stark nachgefragten indischen IT-Fachkräfte; zudem erhält die Bundesrepublik zwar eine hohe Zahl von Bewerbungen indischer Studenten, kaum jedoch solcher von Indiens führenden Universitäten. Berlin beklagt sich zudem über eine mangelnde Rücknahme ökonomisch nicht erwünschter indischer Asylbewerber durch New Delhi. Deutlich verstärkt worden ist in den vergangenen Jahren die Anwerbung von Pflegepersonal vor allem aus dem südindischen Bundesstaat Kerala. Diese hat ihre Ursprünge bereits in den 1960er Jahren und trägt zu einem gravierenden Mangel an Pflegepersonal in Indien bei. (…) Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt mindestens vier Krankenschwestern und Hebammen pro 1.000 Einwohner. Eine aktuelle Studie schätzt jedoch, dass in Indien nur 0,6 Krankenschwestern und Hebammen pro 1.000 Einwohner zur Verfügung stehen; es fehlen rund 4,3 Millionen Pflegekräfte. Dies liegt daran, dass von den insgesamt 3,26 Millionen in Indien ausgebildeten Pflegekräften nur 1,4 Millionen tatsächlich in ihrem Beruf arbeiten. Die Ausbildung zur Krankenschwester ist in Indien mit durchschnittlich 7.000 bis 9.300 Euro für das gesamte Ausbildungsprogramm recht teuer, wobei diese Kosten durch Erwerbsarbeit in Indien nicht wieder hereingeholt werden können. Der Mindestlohn für eine Krankenschwester im Bundesstaat Kerala lag 2017 bei monatlich rund 195 Euro; Berichten zufolge erhalten Krankenschwestern jedoch nur 58 Euro pro Monat und sind ausbeuterischen Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Die niedrigen Gehälter in Verbindung mit miserablen Arbeitsbedingungen führen dazu, dass die qualifizierten Krankenschwestern mehrheitlich ihren Beruf nicht ausüben wollen oder in europäische Länder abwandern, wo sie allerdings ebenfalls prekären Arbeitsbedingungen und langen Schichten ausgesetzt sind. Viele müssen sogar, um nach Europa zu gelangen, hohe Schulden bei Vermittlungsagenturen aufnehmen, an die sie deshalb lange Zeit gekettet sind.“ Bericht vom 28. August 2025 von und bei German-Foreign-Policy.com externer Link („Arbeitskräfteimport aus Indien“)
  • [Die Ausbeutungs-Karawane zieht weiter] Personalmangel in der Pflege: Wadephul wirbt in Indonesien für mehr Fachkräfte
    In Deutschland herrscht im Gesundheitsbereich ein Mangel an Fachkräften. In Indonesien informiert sich der Bundesaußenminister darüber, wie vor allem die Sprachbarriere abgebaut werden kann. Außenminister Johann Wadephul wirbt angesichts des Personalmangels im Gesundheitsbereich in Deutschland für mehr Fachkräfte aus Indonesien. In der Hauptstadt Jakarta informierte sich der CDU-Politiker über die mit Deutschkursen gekoppelte entsprechende Ausbildung im indonesischen Gesundheitswesen. Begleitet vom indonesischen Gesundheitsminister Budi Gunadi Sadikin und der Direktorin des Goethe-Institutes Indonesien, Constanze Michel, ließ er sich eine staatliche Fachhochschule für Gesundheitsberufe zeigen. (…) Angesichts des Pflegekräftemangels hat Deutschland Interesse, unter anderem in diesem Bereich Fachkräfte aus Indonesien anzuwerben. Die Bundesregierung sieht hier großes Potenzial, zumal die Hälfe der Bevölkerung jünger als 30 Jahre alt ist. Mit mehr als 284 Millionen Einwohnern ist Indonesien das viertbevölkerungsreichste Land der Welt nach Indien, China und den USA und zugleich das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit. Der indonesische Außenminister Sugiono hatte beim Treffen mit Wadephul am Vortag gesagt, bislang seien 329 indonesische Pflegekräfte nach Deutschland gegangen. Jakarta hoffe, dieses Programm auf den Gastgewerbesektor auszuweiten, unterstützt durch von Deutschland finanzierte Sprachkurse.
    Bisher bewegt sich die Fachkräftemigration nach Deutschland mit insgesamt rund 1.000 Visa pro Jahr auf niedrigem Niveau. Als Gründe werden von der Bundesregierung unter anderem ein geringes Ausbildungsniveau, Sprachanforderungen und Probleme bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen genannt. Neben deutsch-indonesischen Initiativen zur Fachkräftegewinnung vor allem im Pflegebereich gibt es ähnliche Anstrengungen auch im Hotel- und Gaststättengewerbe
    …“ Beitrag vom 21.08.2025 im Migazin externer Link
  • Verschenkte Expertisen: Pflegekräfte aus dem Ausland müssen etwa 500 Tage auf die Anerkennung ihrer Abschlüsse warten. So kann man nicht mit ihnen umgehen 
    „Pflegenotstand, Pflegenotstand, Pflegenotstand! So lautet das Mantra dieser Tage. Dahinter steckt ein Drama, für das sich keine Katharsis andeutet. Es fehlen Plätze in Pflegeeinrichtungen und Pflegekräfte, dem Institut der Deutschen Wirtschaft zufolge aktuell 130.000 Fachkräfte. Bis 2049 könnten es mehr als doppelt so viele sein. Die Folgen entfalten sich längst brachial: Pflegekräfte melden sich wegen Burnouts längerfristig krank, steigen aus dem Beruf aus oder verabschieden sich früher in die Rente. Diese Zustände werden sich verschärfen und ziehen wiederum weitere Folgen nach sich: Mehr Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, landen früher oder später wegen Überlastung in einer Klinik, meistens sind das Frauen. Zu guter Letzt verstärkt die sinkende Qualität in Pflegeeinrichtungen die Unzufriedenheit aller Seiten. All das können die gestiegenen Pflegeversicherungssätze natürlich nicht ausgleichen. Nun ist es nicht so, dass es keine Strategien und Initiativen dagegen gäbe. Seit 2013 beispielsweise Triple Win, ein Programm der Bundesarbeitsagentur in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, das Pflegefachkräfte aus Nicht-EU-Ländern anwirbt. Bislang wurden darüber mehrere Tausend Fachkräfte von den Philippinen, aus Indonesien, Tunesien, Indien, Viet­nam und Jordanien nach Deutschland geholt. Mit gemischtem Erfolg: Ar­beit­ge­be­r:in­nen sind weitgehend zufrieden, die ausländischen Pflegekräfte vielfach nicht. Denn ihre Integration gestaltet sich nicht selten schwierig, sie fühlen sich hier oftmals nicht willkommen. Wenn jetzt der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste beklagt, dass Fachkräfte aus dem Ausland bis zu 500 Tage darauf warten müssen, dass ihre Abschlüsse anerkannt werden, dürften sich migrantische Fachkräfte darin bestätigt fühlen: Man will unsere Expertise, aber man lässt uns Hilfsarbeiten verrichten. Will die neue Bundesregierung punkten, muss sie das zeitnah ändern – und in erster Linie ihre Migrationspolitik überarbeiten. Die Pflegebranche ist nicht die einzige mit solchen Zuständen, Kinderbetreuung ist der nächstfolgende desolate Sektor.“ Kommentar von Simone Schmollack vom 2. Mai 2025 in der taz online externer Link und dazu:

    • Kompetenzvermutung: Sozialverband kritisiert Tempo bei Anerkennung internationaler Pflegekräfte
      „… Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) fordert von der neuen Bundesregierung einen Kurswechsel bei der Anerkennung ausländischer Pflegekräfte. Bisher dauere es oft viele Monate, bis die dringend gebrauchten Zuwanderer entsprechend ihrer Qualifikation arbeiten dürfen, schreibt Präsident Bernd Meurer in einem Gastbeitrag für den Fachdienst „epd sozial“. Er warb für die sogenannte „Kompetenzvermutung“. Würde dieses Prinzip eingeführt, dann könnten schnell zusätzliche Fachkräfte für die Versorgung der Pflegebedürftigen eingesetzt werden. Die Idee dahinter: Mit der Kompetenzvermutung könnten internationale Pflegekräfte mit einer mindestens dreijährigen Ausbildung oder einem Studium sowie den notwendigen Sprachkenntnissen sofort als Fachkräfte in Heimen und Pflegediensten eingesetzt werden. Anerkennungen und gegebenenfalls notwendige Anpassungsmaßnahmen würden dann erst nach der Arbeitsaufnahme erfolgen. (…) Nach Meurers Worten warten geschätzt 11.000 ausgebildete internationale Pflegekräfte in Deutschland auf ihre formelle Anerkennung. Sie hätten eine dreijährige Ausbildung oder sogar ein Studium hinter sich und verfügten über die notwendigen Sprachkenntnisse. „Trotzdem dürfen sie über Monate hinweg nicht als Fachkräfte eingesetzt werden – im Schnitt unglaubliche 500 Tage lang“, kritisierte der Chef des Arbeitgeberverbandes mit nach eigenen Angaben rund 14.000 Mitgliedern. (…) Der bpa habe gemeinsam mit dem Verband der Ersatzkassen (vdek) die Kompetenzvermutung vorgeschlagen. So würden bürokratische Anforderungen reduziert und schnell zusätzliche Fachkräfte in die Versorgung der Pflegebedürftigen gebracht. Diese Reform „kostet nicht einen Euro Steuergeld“, warb Meurer.“ Meldung vom 2. Juni 2025 im MiGAZIN externer Link
  • Rassismus-Erfahrungen von Fachkräften: „Ich will nicht von einer Schwarzen gepflegt werden“ – Rassismus auch von Kollegin erlebt Das Pflegesystem ist dringend auf sie angewiesen, doch wegen ihrer Religion, Herkunft oder Hautfarbe werden internationale Fachkräfte oft angefeindet. Eine Auszubildende erzählt von ihren Rassismus-Erfahrungen. (…)
    Die meisten sind dankbar, dass sie da ist. Aber nicht alle. Immer wieder führen ihre Herkunft und ihre Hautfarbe zu ablehnenden Reaktionen. Oft subtil, manchmal auch ganz direkt. Einmal verweigerte ein Patient sogar die Pflege, erzählt sie. „Als ich ins Zimmer gekommen bin, hat er gesagt: ‚Ich will nicht von einer Schwarzen gepflegt werden‘.“
    Rassismus auch von Kollegin erlebt
    Erschüttert habe sie ihren damaligen Praxisleiter zu Rate gezogen. Der meinte, sie müsse das so akzeptieren. Muss sie das? Cyndi Kamga sagt, mit Ablehnung könne sie leben – mit fehlendem Respekt und Verhinderung ihrer Arbeit nicht. Bei hochbetagten Bewohnern oder Demenzpatienten weiß sie fremdenfeindliche Reaktionen einzuordnen, meint sie. Da spielten oft eine andere geschichtliche Prägung oder die Erkrankung mit hinein. Schwierig werde es, wenn Rassismus von Kollegen ausgehe. Auch das hat die Auszubildende schon erleben müssen. „Eine Kollegin hat gesagt, sie will auf Station nicht mit mir mitlaufen. Dass ich einfach weg von ihr gehen soll. Das war das Schlimmste“, erzählt Kamga. Das seien extreme Einzelfälle, betont Kamga. Unterschwellig spüre sie Rassismus oder Diskriminierung im Arbeitsalltag aber regelmäßig. (…)
    Halt und Unterstützung bekommt Cyndi Kamga in ihrer Pflegeschule. Rund 90 Prozent der Mitschüler kommen aus dem Ausland. Fast alle hatten schon mit Rassismus im Arbeitsalltag zu tun. Im Unterricht tauschen sie Erfahrungen aus, lernen Grenzen zu setzen und Konflikte zu lösen. Schulleiterin Ewelina Bies führt die zum Teil auch auf die schwierigen Rahmenbedingungen in der Pflege zurück. „Stress, Personalmangel und Zeitdruck begünstigen das Problem. Ein Azubi aus dem Ausland wird dann als Last empfunden, weil er vielleicht nicht gleich alles versteht.“ Hier müsse politisch dringend mehr für die ausländischen Fachkräfte getan werden, meint Bies. Immerhin: Auf die Bewerberzahlen wirke sich die Angst vor Fremdenfeindlichkeit in Deutschland ihrer Beobachtung nach bislang nicht aus. Und auch Ausbildungsabbrüche gebe es selten. Allerdings schlagen Rassismuserfahrungen auf die Psyche der Auszubildenden, erschweren das Ankommen, das Lernen und die Integration, so Bies
    …“ Beitrag von Laura Cloppenburg, SWR, vom 23.03.2025 bei tagesschau.de externer Link (Text und Video) – zu den fehlenden Folgen des Rassismus auf die „Akquise“ kennen wir andere Informationen, siehe hier weiter unten u.a. Zu rassistisch: Philippinische Pflegekräfte wollen nicht nach Deutschland. Siehe auch:

    • Pflegeschüler aus dem Ausland: Augen auf und Ohren zu bei Rassismus
      Patienten versorgen, Arztgespräche, Pflegedokumentation: Um ausländische Pflege-Azubis auf ihre Arbeit in Deutschland vorzubereiten, gibt es in Neustadt einen besonderen Berufssprachkurs. Eine Lehrerin hilft ihnen über Hürden hinweg – doch es gibt auch Rassismus…“ Artikel von Alexander Lang vom 23.03.2025 im Migazin externer Link
  • Von Gastarbeitern zu Dienstpflicht: Der verzweifelte Kampf um Pflegekräfte
    „… Dem deutschen Gesundheitswesen fehlt nicht nur Geld, sondern in erster Linie das Personal. Während man Geld durch konsequente Beitragserhöhungen beschaffen kann, muss man inzwischen feststellen, dass immer mehr Pflegekräfte auch bei besserer Bezahlung die Belastung im familienfeindlichen Schichtdienst nicht mehr durchstehen wollen. Das föderale Deutschland steht bei der Ausbildung von Medizinern vor dem beachtlichen Problem, dass diese Ausbildung Landessache ist. Da die Länder ihre Kompetenzen nicht abgeben wollen, bleibt auch die Finanzierung der Studienplätze für Mediziner in der Verantwortung der Länder. Der Bund beteiligt sich aus nachvollziehbaren Gründen nicht an der Finanzierung von Ausbildungsgängen, auf die er keinen inhaltlichen Einfluss hat. Für eine gewisse Zeit konnte man das Lohngefälle zu anderen Ländern vorwiegend in Osteuropa und Asien nutzen und dort Kräfte für eine befristete Zeit anwerben, die das Land nach Ende ihres Arbeitsvertrags wieder verlassen mussten. Man wollte das Problem mit den Gastarbeitern vermeiden, die sich in Deutschland bald heimisch fühlten, hier blieben und ihre Familie dann auch nach Deutschland holten. Die Anwerbung von Pflegekräften im Ausland, die dann die beste Zeit ihres Lebens ohne Familienanschluss in Deutschland verbrachten, führte jedoch zu Problemen in den Heimatländern und manche Länder haben inzwischen die Arbeitsmigration ihrer Fachkräfte nach Deutschland erschwert. Das bekannteste Beispiel dürfte Albanien sein, das nicht mehr akzeptieren will, dass man die Fachkräfte ausbildet und sie dann abwandern und dem eigenen Gesundheitswesen nicht mehr zur Verfügung stehen. (…)
    Wenn qualifiziertes Personal in Deutschland fehlt und Menschen aus anderen Regionen in zunehmendem Maße angefeindet werden, müssen andere Lösungen gefunden werden. Beim derzeit im politischen Umfeld zunehmenden Blick zurück, als es Deutschland vorgeblich noch viel besser ging, bringt jetzt Kanzlerkandidat Friedrich Merz eine allgemeine Dienstpflicht ins Gespräch. Der Name erinnert nicht von ungefähr an den Arbeitsdienst vergangen geglaubter Zeiten. Mit dieser Dienstpflicht sollen Menschen für die demokratische Gesellschaft gewonnen werden. Bei seinen Überlegungen stellt Merz ″eine neue Wehrpflicht und eine parallele Dienstpflicht in einen größeren Zusammenhang: Deutschland und Europa erleben den Abschluss einer kurzen Zeit der Geschichte, in der man glaubte, es gibt nur noch Frieden, Demokratie und Marktwirtschaft.″ Derzeit verbieten sowohl das Grundgesetz als auch die Europäische Menschenrechtskommission die Verordnung einer Arbeitspflicht. Völkerrechtler Ferdinand Weber wird auf der Webpräsenz der CDU mit der Aussage präsentiert, dass der Einsatz für die Gesellschaft und die Gemeinschaft ein Weg zur Einführung einer allgemeinen Arbeitspflicht sein könne, wenn es dafür die notwendigen Mehrheiten im Bundestag gibt. Für diese Arbeitspflicht müssten 700.000 junge Menschen angesprochen und überzeugt werden. Wenn die dafür benötigte Infrastruktur aufgebaut ist und es sich abzeichnen sollte, dass die sinkenden Geburtenzahlen nicht im angedachten Umfang für jugendliche Freiwillige sorgen können, könnte man sich auch Gedanken darüber machen, andere Gruppen wie agile Rentner für den Dienst an der Gemeinschaft zu begeistern.“ Beitrag von Christoph Jehle vom 20. Januar 2025 in Telepolis externer Link
  • Petition und breiter Protest gegen die drohende Abschiebung von 10 kolumbianischen Pflegekräften über Niedersachsen hinaus (weil „dringend benötigt“)
    • Bedrohtes Pflegeheim in Niedersachsen: 8 der 9 PflegehelferInnen aus Kolumbien bekommen „Ausbildungsduldung“ als angeblich einzige Lösung gegen Abschiebung und Pflegenotstand
      Wo ein Wille, da ein Weg: Die von der Abschiebung bedrohten kolumbianischen Mitarbeiter eines Pflegeheims sollen in Deutschland bleiben. Ermöglicht werden soll das mit der „Ausbildungsduldung“. Dafür müssen die Mitarbeiter jetzt eine Ausbildung beginnen. (…) Acht der neun Pflegehelferinnen und -helfer sollen demnach in den kommenden Jahren im Haus zur Pflegefachkraft oder zur Pflegehilfskraft ausgebildet werden. Außerdem werde ein Mann zum Koch ausgebildet. Für eine Frau, die bereits Pflege in ihrer kolumbianischen Heimat studiert habe, werde die Anerkennung ihres Studiums als Ausbildung angestrebt. Wohlmacher zufolge ist der Plan mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) abgestimmt. Der hatte am vergangenen Mittwoch in Berlin eine Petition mit mehr als 83.000 gesammelten Unterschriften entgegengenommen. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner hatten ein Bleiberecht für die Kolumbianer gefordert. Bis zum 20. Dezember werden alle Unterlagen der zehn Betroffenen bei der Härtefallkommission des Landes Niedersachsen vorliegen, berichtete Wohlmacher. Die „Ausbildungsduldung“ solle verhindern, dass die zehn Mitarbeitenden abgeschoben werden, noch bevor ihre Fälle von der Härtefallkommission geprüft wurden. „Das verschafft uns erst einmal Zeit.“ Meldung vom 17.12.2024 im Migazin externer Link („Lösung gefunden: Kolumbianische Pfleger bekommen „Ausbildungsduldung““)
    • [Petititon] Stoppt die Abschiebung der Pfleger im Haus Wilstedt! Rettet das Zuhause unserer demenzerkrankten Mütter, Väter & Ehepartner!
      Wir brauchen dringend deine Hilfe! Die niedersächsische Regierung plant, ein Drittel der Pflegekräfte im Pflegeheim Haus Wilstedt nach Kolumbien abzuschieben. Schon übermorgen, am 16. November, droht die erste Abschiebung! Auch für unsere 48 demenzerkrankten Mütter, Väter und Ehepartner droht damit die Weihnachtszeit zum Albtraum zu werden: Ihrem Zuhause droht das Aus! Pflege-Ersatz? In Zeiten des Pflegekollaps undenkbar. Die Heimleitung macht klar: Das wäre das Ende für Haus Wilstedt. Deutschlands Behörden-Unsinn macht uns fassungslos: Weil die Asylanträge der Pfleger – trotz akuter Bedrohung durch paramilitärische Organisationen – abgelehnt wurden, dürfen sie auch nicht über die sogenannte „Fachkräftezuwanderung“ bleiben. Heißt: Während Heime und Krankenhäuser in unserem Land unter dem Pflegenotstand ächzen, schieben wir erfahrene Pflegekräfte aus bürokratischen Gründen einfach ab. Damit die gleiche Zahl an Pflegekräften vielleicht kurz darauf von unseren Politikern aus dem Ausland angeworben werden. Das glaubt uns doch niemand!…“ Petititon von Anne Weiss auf innn.it externer Link an Sozialministerium Niedersachsen, Härtefallkommission Niedersachsen, Bürgermeister Wilstedt Traugott Riedesel, Nancy Faeser, Bundesinnenministerin, Hubertus Heil (Bundesarbeitsminister), Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach – in der ursprünglichen Variante hieß die Petititon „Komplettes Pflegeheim durch Abschiebungen bedroht – Rettet ihr Zuhause!“ , was von uns u.a. auf Bluesky kritisiert wurde – auch wenn nicht wegen uns: Danke für die Umbenennung!
    • Durch Abschiebepolitik droht komplette Pflegeheim-Schließung
      Das Land Niedersachsen will mitten im Pflegenotstand dringend benötigte Pflegekräfte abschieben: Nun ist ein komplettes Heim für schwer demenzkranke Menschen von der Schließung bedroht…“ Pressemitteilung externer Link vom 12.11.2024 von Haus Wilstedt Betreuungs GmbH
    • Protest gegen die drohende Abschiebung von dringend benötigten Pflegekräften
      offener Brief der Angehörigen und Belegschaft externer Link vom 12.11.2024
    • Heimschließung wegen Abschiebung der Pflegekräfte?
      „… Der Flüchtlingsrat Niedersachsen unterstützt den Protest und bietet den betroffenen Pflegekräften auch im Einzelfall Beratung und Hilfe an. Nachfolgend übersenden wir ein Schreiben der Angehörigeninitiative und Belegschaft von Haus Wilstedt…“ Meldung vom 14. November 2024 externer Link beim Flüchtlingsrat Niedersachsen samt einem Pressespiegel
    • Pflegehelfern droht Abschiebung – Heim in Wilstedt die Schließung
      „Weil ihre Asylanträge abgelehnt wurden, droht zehn Pflegehelfern eines Heims in Wilstedt (Landkreis Rotenburg) die Abschiebung nach Kolumbien. Das Haus müsste dann schließen, warnt die Heimleitung. Die von der Heimleitung befürchtete Rückführung noch in dieser Woche scheint indes vom Tisch. „Nach unseren Informationen sind für morgen keine Abschiebungen von kolumbianischen Staatsbürgern aus Niedersachsen geplant“, teilte ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums am Mittwoch mit. Damit widersprach das Ministerium den Darstellungen der Pflegeheimleitung, die sich am Dienstag an die Öffentlichkeit gewandt hatte: (…) Sollten die zehn Pflegehelferinnen und Pflegehelfer nach Kolumbien abgeschoben werden, verliert das Heim nach eigenen Angaben ein Drittel seiner Pflegekräfte, dem „Haus Wilstedt“ würde die Schließung drohen. (…) Sollte es dazu kommen, befürchten die Angehörigen, dass die 48 demenzkranken Bewohnerinnen und Bewohner auf weit entfernte Einrichtungen aufgeteilt werden. Jede gravierende Änderung im Leben Demenzkranker sei für sie ein großes Problem, heißt es in dem Brief weiter. „Möglicherweise müssen sie in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden, um Verhaltensauffälligkeiten medikamentös wieder zu regulieren.“ Da würden die Bewohnerinnen und Bewohner aber nicht hingehören. (…) Die kolumbianischen Pflegerinnen und Pfleger haben nach Angaben der Heimleitung Asylanträge gestellt und diese ausreichend begründet. Eine Pflegerin sei beispielsweise vor Schutzgeldforderungen an ihre Familie geflohen. Ein anderer Pfleger sei vor der Befreiungsarmee geflohen, die bereits einen Familienangehörigen getötet hatte. Zudem lebten die Beschäftigten in Mietwohnungen, engagierten sich beruflich und in Vereinen und ihre Kinder gingen zur Schule, teilte das Pflegeheim weiter mit. Allerdings wurden die Asylanträge laut offenem Brief abgelehnt mit der Begründung, dass Kolumbien als sicheres Herkunftsland gilt. (…) „Es ist absolut unverständlich, warum Menschen, die so gut integriert sind, hier Steuern zahlen und das Sozialsystem stützen, abgeschoben werden sollen“, so Einrichtungsleiter Tino Wohlmacher. Wegen des Pflegenotstands rechne er nicht damit, neues Personal zu finden. Wohlmacher ist der Ansicht, dass seine aus Kolumbien stammenden Pflegekräfte einen „wertvollen Beitrag“ für die Gesellschaft leisten. „Die Landesregierung und Bundesminister sind gefordert, hier schnell einzugreifen und zu helfen.“ NDR-Beitrag bei Hallo Niedersachsen vom 14. November 2024 externer Link
    • Und zuvor am 13.11.:
  • [Deutschland absurd] Wenn am Donnerstag, 14.11. zehn kolumbianische Pflegekräfte abgeschoben werden, muss ein Heim in Wilstedt geschlossen werden
    Bis Donnerstag sollen zehn kolumbianische Pflegekräfte abgeschoben werden. Damit würde ein Heim für Demenzkranke in Wilstedt ein Drittel seiner Pfleger verlieren. Kollegen und Angehörige sind besorgt. Ohne die Pflegekräfte aus Kolumbien müsste das Heim im Landkreis Rotenburg schließen, teilte das Haus Wilstedt am Dienstag mit. Die Belegschaft und Angehörige der Bewohner wenden sich deshalb mit einem Brief an die Landes- und Bundespolitik. (…) Die kolumbianischen Pflegerinnen und Pfleger haben nach Angaben ihres Arbeitgebers Asylanträge gestellt und diese ausreichend begründet. Eine Pflegerin sei beispielsweise vor Schutzgeldforderungen ihrer Familie geflohen. Zudem lebten die Beschäftigten in Mietwohnungen, engagierten sich beruflich und in Vereinen und ihre Kinder gingen zur Schule, erklärte Einrichtungsleiter Tino Wohlmacher. Dennoch wurden die Anträge auf Asyl abgelehnt. Für Wohlmacher seien die Abschiebungen seiner Angestellten unverständlich. Wegen des Pflegenotstands rechne er nicht damit, neues Personal zu finden…“ NDR-Meldung vom 12.11.2024 externer Link („Abschiebung von Pflegern: Heim in Wilstedt droht die Schließung“) mit vielen Verlinkungen zum Pflegenotstand – siehe dazu kürzlich auch:

  • Internationalisierung der Pflege: „Das Beschäftigungswachstum in der Pflege wird inzwischen ausschließlich von ausländischen Beschäftigten getragen“
    Deutschlands Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen kämpfen mit akutem Personalmangel. Da der Bedarf an Fachkräften mit deutschem Personal immer weniger gedeckt werden kann, rekrutieren die Betriebe auch Pflegekräfte aus anderen Staaten. Ein aktueller IAB-Forschungsbericht gibt nun einen Überblick über die Entwicklung der ausländischen Beschäftigten in Pflegeberufen und zeigt auf, welchen Beitrag diese leisten, um den akuten Bedarf zu decken. Die Redaktion des IAB-Forum hat mit den Autorinnen und dem Autor der Studie gesprochen. (…)
    Doris Wiethölter: Sie sind aus dem Pflegesektor nicht mehr wegzudenken. Inzwischen hat jede sechste Pflegekraft in Deutschland eine ausländische Staatsangehörigkeit. Ihr Anteil ist in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gewachsen. Seit 2022 wird das Beschäftigungswachstum in der Pflege sogar ausschließlich von ausländischen Beschäftigten getragen. Die Zahl der deutschen Pflegekräfte ist hingegen rückläufig
    …“ Interviews von Christiane Keitel vom 15. Oktober 2024 im IAB-Forum externer Link, siehe dazu:

    • Carstensen, Jeanette; Seibert, Holger; Wiethölter, Doris (2024): Internationalisierung der Pflege – Pflegekräfte mit ausländischer Staatsangehörigkeit und ihr Beitrag zur Fachkräftesicherung externer Link . Forschungsbericht Nr. 22 in Open Access
    • Anteil ausländischer Beschäftigter in der Pflege steigt deutlich
      In der Pflege arbeiten mehr Menschen. Der Zuwachs geht zurück auf ausländische Fachkräfte – mehrheitlich aus Nicht-EU-Staaten. Gesundheitsminister Lauterbach spricht einen Dank aus: „Wir brauchen Sie. Wir brauchen Ihre Arbeit. Wir sind stolz auf Sie.“ (…) Im Vorjahr waren mehr ausländische Pflegekräfte aus Nicht-EU-Ländern als aus der EU in Deutschland tätig. Innerhalb der EU kommen Pflegekräfte vor allem aus Polen, Kroatien und Rumänien. Staatsangehörige aus der Türkei und Serbien bilden eine große Gruppe unter den Pflegekräften aus Drittstaaten. Aus Ländern mit Anwerbevereinbarungen kommen besonders viele Pflegekräfte aus Bosnien-Herzegowina, den Philippinen, Indien, Tunesien und Vietnam…“ Meldung vom 17.10.202 im Migazin externer Link – das mit dem Dank von Lauterbach ist ja so wichtig…
  • All Betteln nix genutzt: Das Anwerbeprogramm wurde mangels Pflegekräfteüberschuss in Brasilien ausgesetzt
    Die Außenministerin und der Arbeitsminister zeigten sich in Brasilien voller Hoffnung, Pflegekräfte anwerben zu können. Jetzt macht sich Enttäuschung breit. Das Anwerbeprogramm wurde mangels Pflegekräfteüberschuss in Brasilien ausgesetzt. Der Patientenschutz übt Kritik.
    Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat die Anwerbung brasilianischer Pflegekräfte externer Link nach Deutschland ausgesetzt. Grund: Brasiliens Regierung hatte nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums Bedenken geäußert. Die BA hatte zum Start des Programms externer Link die Anwerbung von bis zu 700 Pflegekräften pro Jahr externer Link für möglich gehalten. Nach einem Regierungswechsel in Brasilien zweifelte die brasilianische Seite aber an ihrem ursprünglich kommunizierten Überschuss an Pflegefachkräften. Außenministerin Baerbock (Grüne) und Arbeitsminister Heil (SPD) hatten die vermehrte Kooperation bei Pflegekräften im Juni 2023 externer Link bei einer Reise nach Brasilien angebahnt. Nach der Aussetzung eines Abkommens fordert die Deutsche Stiftung Patientenschutz, die das Programm von Beginn an kritisierte externer Link, die Überprüfung durch den Bundesrechnungshof. „Mit Flugreisen nach Brasilien haben Hubertus Heil und Annalena Baerbock große Erwartungen geweckt“, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Durchaus sollte nach Ansicht von Brysch der deutsche Pflegekräftemangel „auch mit dem Anwerben ausländischer Fachkräfte“ behoben werden. „Doch außer millionenfacher Verschwendung von Steuermitteln ist nichts gewonnen.“
    Ausländische Pflegefachkräfte wollten hierzulande andere Aufgaben übernehmen als die Grundpflege am Menschen, was sie in der Regel hierzulande lediglich dürfen. „Schließlich verantworten die Angeworbenen daheim andere Tätigkeiten“, erläuterte Brysch. „Auch stimmt die Aussage nicht, dass Brasilien einen Arbeitskräfteüberschuss hat. Der Bundesrechnungshof ist aufgefordert, die politische Anwerbepraxis der Bundesregierung zu überprüfen.“…“ Meldung vom 3.06.2024 im Migazin externer Link („Anwerbung brasilianischer Pflegekräfte ausgesetzt“) – siehe frühere Meldungen zur Anwerbung in Brasilien hier weiter unten
  • Perfides System: Abzocke von ausländischen Pflegekräften?
    Krankenpflegekräfte aus Indien, hochqualifiziert, werden in Deutschland dringend gebraucht. So hat auch ein Pflegeunternehmer aus Niedersachsen indische Pflegekräfte nach Deutschland gebracht und sie in seinen Pflegeheimen beschäftigt. Am Ende sollten sie aber teuer dafür bezahlen. Denn kaum in Deutschland angekommen, sollten sie bei einem deutschen Notar „Schuldanerkenntnisse mit Unterwerfungsklauseln“ unterzeichnen. Und somit anerkennen, dass sie dem Unternehmer Zehntausende Euro schuldeten. Die Schulden würden ihnen nur dann erlassen, wenn sie mindestens zwei bzw. drei Jahre in seinem Unternehmen arbeiteten. Nach Recherchen von Panorama 3 ist dieses Vorgehen mit notariellen Schuldanerkenntnissen bei diesem Unternehmer aus Niedersachsen offenbar Methode, um indische Pflegekräfte an sich zu binden.“ Video des Beitrags in der Sendung Panorama 3 am 23.04.2024 im NDR externer Link
  • Deutschlands Pflegekräfte: Importiert, ausgebeutet, vergessen 
    „… Erst spät wurde erkannt, dass auch eine Anhebung des Lohnniveaus in der Pflege in Deutschland eine Möglichkeit sein könnte, Pflegekräfte ins Land zu holen. Bald stellte sich jedoch heraus, dass die Lohnerhöhung in der Praxis mit einer Arbeitszeitverkürzung verbunden war.
    Die Zeitarbeitsfirma als Fluchtpunkt für Pflegekräfte
    Die Arbeitsorganisation der Pflege im Krankenhaus scheint nicht sehr arbeitnehmerfreundlich strukturiert zu sein. Viele Pflegekräfte ziehen es inzwischen vor, bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt zu sein, anstatt im Krankenhaus fest angestellt zu sein. Möglicherweise wäre es gerechter, Verfahren aus Ländern wie Indien zu übernehmen, als Mitarbeiter abzuwerben. (…)
    Fremdenfeindlichkeit: Ein wachsendes Hindernis für medizinisches Fachpersonal
    „Während die deutsche Politik im Bereich der medizinischen Versorgung seit Jahrzehnten nach dem Motto Ausländer rein verfährt, wird in der Öffentlichkeit immer häufiger die Forderung Ausländer raus erhoben. Wenn sich jetzt Regionen in Deutschland zu „No-Go-Areas“ für ausländische Arbeitskräfte entwickeln, wird die medizinische Versorgung in Deutschland vergleichsweise schnell zusammenbrechen.“ Beitrag von Christoph Jehle vom 15. Februar 2024 in Telepolis externer Link
  • Zu rassistisch: Philippinische Pflegekräfte wollen nicht nach Deutschland
    Die Philippinen bilden gezielt sehr viele Pflegekräfte aus, die dann im Ausland arbeiten sollen. Doch in die Bundesrepublik wollen nur wenige, ihr Ruf ist inzwischen schwer beschädigt.
    Jason Heinen gerät in letzter Zeit häufiger in Bedrängnis. Zum Beispiel vor gut zwei Wochen, als der Unternehmer eine Infoveranstaltung vor 120 Pflegekräften machte, die es sich grundsätzlich vorstellen konnten, für einen Job nach Deutschland zu ziehen. Nur wollten die Interessierten verblüffend wenig über Arbeitsbedingungen, Vertragsrecht oder die Pünktlichkeit der Gehaltsauszahlung wissen. „70 Prozent der Fragen drehten sich um Rassismusexterner Link, sagt Heinen. „Ich versuche dann natürlich, Deutschland möglichst positiv darzustellen.“ Aber das werde zusehends schwierig. (…) Solche Eindrücke haben offenbar auch fern von Deutschland reale Folgen. Unternehmer Heinen etwa berichtet: „Uns springt jeden Tag eine interessierte Person ab.“ Die Sorge davor, man würde in Deutschland schlecht behandelt, steige rapide. „Den Bedarf, den Krankenhäuser und andere Einrichtungen bei uns melden, können wir decken. Wir rekrutieren umso mehr.“ Aber wie lange lässt sich das noch leisten, wenn der Reputationsschaden, den Deutschland gerade erleidet, weiter wächst? „Wenn es so weitergeht, wird bald niemand mehr nach Deutschland wollen“, glaubt Heinen. (…) Was man auf den Philippinen außerdem über Deutschland hört? Zum Beispiel, dass sich die Landsleute dort oft nicht wohlfühlen. Das berichtet jedenfalls die interkulturelle Beraterin Grace Lugert-Jose, die sich auf die Integration ausländischer Pflegefachkräfte spezialisiert hat. 2023 hat sie eine Befragung unter 224 in Deutschland arbeitenden Filipinos und Filipinas durchgeführt. Ergebnis: „Die Mehrheit der hier arbeitenden philippinischen Pflegefachkräfte würde befreundeten Kolleginnen die Arbeit in Deutschland nicht empfehlen.“ Zwei Drittel haben Diskriminierung oder Rassismus erlebt. „Oft kommen die neu eingereisten Pflegefachkräfte in Teams mit schlechtem Arbeitsklima externer Link, in denen Mobbing bereits an der Tagesordnung ist“, so Lugert-Jose. „Dann werden sie natürlich als die Neuen mit meist zurückhaltendem Auftreten und Unsicherheiten in der deutschen Sprache zum Opfer von Mobbing.“ Der Befund scheint zu einer Umfrage der EU-Agentur für Grundrechte zu passen: In Deutschland gaben darin 65 Prozent der Befragten mit afrikanischen Wurzeln an, Rassismuserfahrungen gemacht zu haben – der zweithöchste Wert hinter Österreich…“ Artikel von Felix Lill vom 15.02.2024 in der FR online externer Link
  • „Wenn sich Deutschland nicht mehr selbst pflegen kann“: Deutscher Pflegerat gegen Rassismus und Rechtsradikalismus
    „… Der Bedarf an zusätzlichen Pflegekräften könnte nach neuen Berechnungen allein durch die zunehmende Alterung bis zum Jahr 2049 auf bis zu 690.000 steigen. Das wäre ein Plus von rund einem Drittel im Vergleich zum Jahr 2019, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Zur Jahrhundertmitte würden dann rund 2,15 Millionen Menschen in der Pflege benötigt. (…) Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte nach Bekanntgabe der Prognose die Pauschalisierung von Pflegekräften. Ihr Vorstand Eugen Brysch sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Alle Pflegeberufe beim zukünftigen Pflegebedarf in einen Topf zu werfen, ist ein Fehler. Schließlich sind die Bedingungen und Anforderungen in Krankenhäusern anders als in Pflegeheimen oder ambulanten Pflegediensten.“ Zudem mahnte er Bund und Länder, sie dürften sich keine weiteren Flops bei der Anwerbung ausländischer Pflegekräfte leisten. „In zehn Jahren konnten nur 7.700 Neubeschäftigte gezählt werden. Anstatt weiter Millionen von Euros zu verbrennen, haben die Anerkennung und Förderung von Berufsabschlüssen schneller zu erfolgen.“ Aktuell wirbt Deutschland gezielt nach Pflegekräften in Vietnam externer Link und in Lateinamerika externer Link. Wie aus Erhebungen allerdings hervorgeht, erschweren auch Diskriminierung im Job die Anwerbung von Pflegekräften aus dem Ausland. Wer dennoch nach Deutschland kommt, will das Land aufgrund negativer Erfahrungen im Job wieder verlassen externer Link.
    Mit Blick auf ein geheimes Treffen von Rechtsradikalen, AfD-Politikern und CDU-Mitgliedern in Potsdam, wo über Remigrationspläne beraten wurde, äußerte sich der Deutsche Pflegerat besorgt. Verbandspräsidentin, Christine Vogler, erklärte am Mittwoch in Berlin, direkte Angriffe auf die deutsche Verfassung und die unantastbare Würde des Menschen seien auch ein Angriff auf den Kodex der Pflegenden. Rechtsextreme Überzeugungen seien unvereinbar mit dem Pflegeberuf…“ Meldung vom 24.01.2024 im Migazin externer Link („Pflegekräfte gegen Rassismus“) – siehe dazu:

    • Profession Pflege gegen Rechtsradikalismus.  Einhaltung der Menschenrechte ist Grundpfeiler des Berufsverständnisses der Pflege
      „„Die rechtsradikalen Äußerungen der AfD sind schon längst nicht mehr hinnehmbar. Ihre Provokationen und ihre Polemik zielen darauf ab, unsere Demokratie zu untergraben, unsere Gesellschaft zu spalten und die Grundwerte der Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland zu verachten. Der Deutsche Pflegerat und die Profession Pflege sind schockiert darüber, dass solche Aussagen nicht nur hinter verschlossenen Türen, sondern auch in der Öffentlichkeit getätigt werden können, ohne Konsequenzen zu haben“, sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR)…“ Pressemitteilung vom 24.01.2024 externer Link
  • Mexiko investiert in die Ausbildung von Pflegefachkräften und deutsches Kapital profitiert davon – auch »Exodus philippinischer Pflegekräfte«
    • [Mexiko] Ungleich verteilte Gewinne – Anwerbeabkommen gegen Pflegenotstand
      „Gerardo Aguirre war voller Vorfreude, als er im März 2020 ins Flugzeug stieg, um am Universitätsklinikum Bonn als Krankenpfleger zu arbeiten. Er gehörte zu den ersten Pflegekräften, die durch ein Anwerbeabkommen mit Mexiko nach Deutschland gekommen waren. Aber seine Freude hielt nicht lange. Bürokratie, Rassismus und der Stress auf der Station ließen seine Illusion platzen, ein Jahr später kehrte er zurück nach Chihuahua. Obwohl er dort eine gute Stelle hat, sucht er gerade wieder nach Jobangeboten in Deutschland. (…) Der Empfang am Flughafen sei nett gewesen, erinnert er sich. Der Schock kam am ersten Arbeitstag auf der Frühgeborenenstation. Sein Stationsleiter hatte ihm einen Mitarbeiter zugewiesen, der ihm alles erklären sollte, aber der sei so gestresst gewesen, dass Gerardo ihn nie zu Gesicht bekommen habe. Er nahm es seinem Kollegen nicht übel, denn das Problem liegt in den Strukturen: „Es ist nicht so, als wollten die Leute dir nicht helfen. Es ist einfach nicht möglich, weil die Arbeitsbelastung so hoch ist, dass sie alles andere ignorieren.“ Der nächste Schreck folgte, als sein Stationsleiter ihm den Dienstplan aushändigte: „Fünf Tage Frühdienst, ein Tag frei, acht Tage Nachtdienst, ein Tag frei, und dann Spätdienst. Das stand so nicht in meinem Vertrag, aber mein Chef meinte, es gebe einfach kein Personal, alle müssten Überstunden machen.“ Gerardo war das nicht gewöhnt, in Mexiko hatte er immer feste Arbeitszeiten gehabt. Irgendwann, erzählt er, hielt er es nicht mehr aus, jeden Tag seine Kolleg*innen weinen zu sehen. „Selbst an meinem schlimmsten Tag in Mexiko war ich nicht so erschöpft und wütend wie jeden einzelnen Tag in Deutschland“, meint Gerardo auf die Frage nach der Arbeitsbelastung. (…) Oft heißt es, das Schwierigste für die angeworbenen Pflegekräfte sei die deutsche Sprache. Um Sprachbarrieren zu überwinden, bräuchte es Zeit und gute Betreuung. Das aber ist unmöglich, wenn die Stationen wegen des Pflegekräftemangels immer wieder die Personaluntergrenzen reißen. Gerardo war außerdem frustriert von der langsamen Bürokratie und davon, auf Ämtern, wo er seine Berufsanerkennung erledigen musste, angeschrien zu werden. Diese Erfahrungen sind kein Einzelfall, erklärt Higinio Fernández Sánchez, der an der Universität von Alberta zu Migration von Gesundheitspersonal promoviert hat. Trotzdem sei Deutschland gerade ein Modeland für Pflegekräfte. (…) Dabei gibt es in Mexiko auch viele Pflegekräfte, die im Traum nicht ans Auswandern denken würden. Das ganze Team auf der Intensivstation vom öffentlichen Krankenhaus in Chihuahua zum Beispiel. Hier muss sich eine Pflegekraft um zwei Patient*innen kümmern, ein Betreuungsschlüssel, von dem Pflegekräfte in Deutschland oft nur träumen können. Alle haben feste Arbeitszeiten, Überstunden gebe es selten, und die Stimmung im Team sei gut, erzählen sie. Das Problem: Diese festen Stellen sind rar. Gerade für studierte Pflegekräfte sei es schwierig, eine der heiß begehrten Stellen zu ergattern, denn Krankenhäuser stellten häufig eher Leute mit Berufsausbildung als mit Studium ein – eine große Kostenersparnis, erklärt Higinio Fernández Sánchez. In den letzten Jahren wurden sozialversicherungspflichtige Anstellungsverhältnisse zunehmend durch prekäre Vertretungsverträge ersetzt – jederzeit kündbar und ohne Rentenansprüche. Mit der Zahlungskrise der 1980er-Jahre begann in Mexiko eine Neoliberalisierung im Gesundheitssystem, die noch brutaler als in Deutschland war. (…) So sind die Anwerbeprogramme heute vor allem für diejenigen attraktiv, die trotz – oder wegen – ihrer guten Ausbildung in Mexiko keine Stelle finden. Stimmt also die Erzählung vom triple win, mit der Deutschland seine Anwerbeprogramme bewirbt? Demnach sei die Anwerbung ein dreifacher Gewinn: für Deutschland, das Pflegekräfte gewinne, für das Partnerland, das seine überschüssigen Fachkräfte loswerde und damit seinen Arbeitsmarkt entlaste, und für die Pflegekräfte selbst, auf die ein höheres Einkommen und wertvolle Erfahrungen warten. Higinio Fernández Sánchez gibt zu bedenken, wie ungleich die Gewinne jedoch verteilt sind: „Mexiko investiert in die Ausbildung von Pflegefachkräften, und Deutschland profitiert davon, weil es selbst nicht in die Ausbildung investieren muss.“ Letztlich schöpfe Deutschland also den Profit ab, für den mexikanische Steuerzahler*innen den Grundstein gelegt haben. Um etwas mehr Gleichgewicht herzustellen, schließt sich Higinio Fernández Sánchez der Forderung des Weltbunds der Krankenpflegekräfte an: Reichere Länder sollten in Ländern, aus denen sie Personal anwerben, die Ausbildung von Pflegekräften und die Gesundheitssysteme finanziell unterstützen…“ Beitrag von Mirjana Jandik beim Nachrichtenpool Lateinamerika am 26. Dezember 2023 externer Link
    • Deutschland holt sich Pflegekräfte von den Philippinen – wie verkraftet man dort den Exodus?
      Um den Notstand abzufedern, rekrutiert Deutschland philippinische Pflegekräfte. Die Folge: In ihrer Heimat fehlen sie. Wir haben eine Familie in Manila besucht, deren Mutter in Oldenburg arbeitet. (…) Seit Jahrzehnten füllen die Philippinen diesen Notstand, sie sind eines der Haupt-Exportländer für Krankenschwestern weltweit; es gibt ein weitreichendes System privater Recruitment Agencies, die oft schon in den Ausbildungsstätten die jungen Frauen und Männer abwerben, dazu bilaterale politische Abkommen, die Fachkräften den Weg ins Ausland erleichtern sollen. Seit dem Jahr 2013 etwa werden im Rahmen des deutschen »Triple Win«-Programms Pflegerinnen und Pfleger unter anderem aus den Philippinen nach Deutschland geholt. Aktuell leben laut dem philippinischen Migrationsministerium 12.600 philippinische Arbeitsmigranten in Deutschland, die meisten mit einem Job in der Pflege. (…) Doch wenn man die Pflegelücke an einem Ort der Welt stopft, kann das bedeuten, dass man woanders eine neue Lücke reißt. Zu Hause, in den Krankenstationen und Arztpraxen in Asien, und bei den Kindern und den Ehemännern, die zurückbleiben. Im Jahr 2021 arbeiteten laut dem philippinischen Gesundheitsministerium mehr als die Hälfte der Pflegerinnen im Ausland. Heimische Krankenhäuser, hieß es, müssten deshalb ihre Betten reduzieren, man sei nicht mehr in der Lage, das vorgeschriebene Verhältnis zwischen Pflegekräften und Patienten einzuhalten. Von einem »Exodus philippinischer Pflegekräfte« ist die Rede. Wie groß also kann der Gewinn für die Philippinen wirklich ausfallen, wenn das Land sein Fachpersonal exportiert? Wie fair kann so ein Austausch sein? Im Batangas Medical Center, dem größten öffentlichen Krankenhaus der Region, zweieinhalb Autostunden südlich der Hauptstadt Manila, ist Mark John Thomas D. Buquiz der Pflegedirektor. (…) Buquiz sagt: »Ich habe Hunderte Kollegen kündigen sehen, vor allem die gut ausgebildeten.« Er sagt auch: »Ich bin derjenige, der jeden Tag die Krankschreibungen der Pflegerinnen und Pfleger hier unterzeichnen muss. Jeden Morgen ein dicker Stapel. Alle sind am Limit.«…“ Reportage von Maria Stöhr und Bernice Beltran (Fotos) vom 26.12.2023 im Spiegel online externer Link
  • [Mexiko] Anwerbeabkommen gegen Pflegenotstand – Ist das der German Dream? 
    Gerardo Aguirre war voller Vorfreude, als er im März 2020 ins Flugzeug stieg, um am Universitätsklinikum Bonn als Krankenpfleger zu arbeiten. Er gehörte zu den ersten Pflegekräften, die durch ein Anwerbeabkommen mit Mexiko nach Deutschland gekommen waren. Aber seine Freude hielt nicht lange. Bürokratie, Rassismus und der Stress auf der Station ließen seine Illusion platzen, ein Jahr später kehrte er zurück nach Chihuahua. Obwohl er dort eine gute Stelle hat, sucht er gerade wieder nach Jobangeboten in Deutschland.Den im Beitrag erwähnten mexikanischen Pfleger Herbert Victoriano findet ihr auf dem Instagram-Kanal enfermero.en.alemania externer Link…“ Audio des Beitrags von Mirjana Jandik vom 12. Dezember 2023 beim Nachrichtenpool Lateinamerika externer Link Audio Datei
  • Pflegekräfteanwerbung soll ethischer werden – außer für die Bundesagentur für Arbeit 
    Die Einwanderung von Ärztinnen und Ärzten, aber auch von ausgebildeten Pflegekräften ist in den reichen Industrieländern durchaus erwünscht. Dabei gibt es etwa von der Weltgesundheitsorganisation klare Vorgaben dazu, aus welchen Ländern eben keine Gesundheitsfachkräfte abgeworben werden sollten. Eine entsprechende Liste umfasst aktuell 55 Länder mit besonders wenigen dieser Fachkräfte bezogen auf die Gesamtbevölkerung. Nun will das Bundesministerium für Arbeit die Beschäftigungsverordnung ändern, welche die Anwerbung von Gesundheitspersonal regelt. Laut einem Referentenentwurf würde dies privaten Akteuren in den 55 Ländern untersagt, die Bundesagentur für Arbeit soll hingegen durchaus diese Möglichkeit erhalten. Das wird von Hilfsorganisationen zu Recht als inkonsequent kritisiert. Die Gewinnung von Fachkräften, so dringend diese in Deutschland benötigt werden, darf nicht auf dem Rücken der Menschen stattfinden, für deren Gesundheit im Vergleich zu Deutschland schon jetzt nur ein Minimum an Ressourcen da ist. Dieser Grundsatz darf mit keiner Sondererlaubnis unterlaufen werden.“ Kommentar von Ulrike Henning vom 19.11.2023 in ND online externer Link („Abwerben von Fachkräften: Gleiche Regeln für alle“), siehe auch:

    • Nigeria: Abwerbung von Ärzten und Pflegekräften untergräbt Gesundheitssystem
      Eine Krankenschwester in Nigerias Hauptstadt Abu­ja berichtet, dass sie in der Nachtschicht jetzt zu zweit die Arbeit machen müssen, für die früher sechs ausgebildete Pflegekräfte zur Verfügung standen. Ein Grund ist die Abwerbung von Ärzten und Pflegekräften durch imperialistische Länder. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte erstmals 2020 eine Liste von Ländern, aus denen Gesundheitsfachkräfte wegen starker Unterversorgung nicht aktiv rekrutiert werden sollen. Nigeria ist eines von 37 afrikanischen Ländern auf dieser Liste. Der Appell der WHO stoppt den Brain Drain nicht. Brain Drain ist eine perfide Ausplünderungsmethode von Entwicklungsländern durch Imperialisten. Man klaut ihnen nicht nur Rohstoffe und Ackerland, sondern die ausgebildeten Fachkräfte. Deutschland unterhält in Nigeria drei Migrationsberatungszentren, die jetzt schwerpunktmäßig Abwerbung von Fachkräften aus dem Gesundheitswesen betreiben. Andere Migranten aus Nigeria werden rigoros abgeschoben. Dieses Vorgehen bezeichnet das deutsche Entwicklungsministerium (BMZ) in widerlicher Heuchelei als „Partnerschaft für Arbeits- und Ausbildungsmigration“.“ Kurzmeldung vom 21.11.2023 in den Rote-Fahne-News

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      Source: labournet.de