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Freund Modis guter Rat
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Freunde, die gemeinsam Bäumchen pflanzen: Narendra Modi (mitte) mit Wladimir Putin und Xi Jinping auf dem BRICS-Gipfel in Neu Dehli, 12. September 2026.
Freunde, die gemeinsam Bäumchen pflanzen: Narendra Modi (mitte) mit Wladimir Putin und Xi Jinping auf dem BRICS-Gipfel in Neu Dehli, 12. September 2026.
Dass auf Männerfreundschaften kaum Verlass ist, dürfte allseits bekannt sein. Selbst ein gemeinsames Hobby reicht für ein halbwegs solides Fundament in der Regel nicht aus. Und nicht einmal das verbindet Russlands Präsidenten Wladimir Putin und Indiens Premierminister Narendra Modi, was den Kremlsprecher Dmitrij Peskow indes nicht davon abhielt, das persönliche Verhältnis der beiden Staatsmänner über den grünen Klee zu loben und beide gar als »Freunde« zu bezeichnen. Im russischen Propagandasender RT begründete er seine Wortwahl damit, dass beide Männer die gleiche Weltanschauung teilten und sich gegenseitig achteten.
Beim Gipfeltreffen der Brics-Staaten in Neu-Delhi am Wochenende reichte nicht nur Modi Putin die Hand. Auch Chinas Staatspräsident Xi Jinping war angereist. Bereits Ende August hatte Modi Putin dazu aufgerufen, Russlands Kampfhandlungen in der Ukraine einzustellen, nun hat er seine Haltung erneut bekräftigt. Peskow gab am Sonntag bekannt, dass Modi und Xi der Beilegung des Konflikts große Aufmerksamkeit gewidmet und ihre Dienste auf der Suche nach Lösungen angeboten hätten. Im Kreml habe man diese Initiative positiv aufgenommen.
Einerseits profitierten in den vergangenen Jahren sowohl China als auch Indien von russischen Öllieferungen zum Vorzugspreis, gleichzeitig entstehen dadurch Risiken für das Verhältnis zu den USA.
Einerseits profitierten in den vergangenen Jahren sowohl China als auch Indien von russischen Öllieferungen zum Vorzugspreis, da Russland wegen der westlichen Sanktionen kaum noch andere Abnehmer findet. Gleichzeitig entstehen dadurch Risiken für das Verhältnis zu den USA. Erst kürzlich hat der US-Senat Verschärfungen der Sanktionen gegen Russland beschlossen, die die Einführung hoher Strafzölle gegen die fünf Hauptimporteure von russischen Energieträgern vorsehen – China, Indien, die Slowakei, Ungarn und Aserbaidschan. Eine Abstimmung im Repräsentantenhaus steht in dieser Woche an, allerdings ist unklar, ob der Vorschlag eine Mehrheit findet.
Anfang November sollen in den USA Zwischenwahlen stattfinden, die eine Wahlschlappe der Republikaner versprechen und US-Präsident Donald Trump die Mehrheit im Kongress kosten könnten. Es mag sein, dass sich Trump bis dahin noch ein paar vorzeigbare politische Erfolge erhofft und er deshalb erneut seine Unterhändler nach Moskau geschickt hat, um auf eine Beendigung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hinzuarbeiten.
Eine Stippvisite des CIA-Direktors John Ratcliffe im August war nach Angaben der britischen Zeitung Financial Times dazu gedacht, in direkten Kontakt mit Putin zu treten, was der Kreml allerdings abgelehnt hatte. Ratcliffe hatte dafür die Gelegenheit, andere hochrangige russische Funktionäre zu treffen, darunter den Leiter des Inlandsgeheimdiensts FSB, Aleksandr Bortnikow. Gesprächsinhalt sollen demnach eine pessimistische Einschätzung der Lage an der Front und der russischen Wirtschaft durch die USA gewesen sein einschließlich der Empfehlung, sich besser früher als später auf eine Einigung mit der Ukraine einzulassen. Daraufhin habe sich Putin geweigert, mit dem CIA-Direktor persönlich zu sprechen. Keine zwei Wochen später, am 5. September, reisten die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nach Moskau, wo sie auf den russischen Präsidenten trafen, und einen Tag später nach Kiew.
Und siehe da, die Tonlage im Kreml begann, sich plötzlich zu verändern. Wo es seit Frühjahr in einem fort hieß, der Verhandlungsprozess sei eingeschlafen, war nun wieder die Rede von Gesprächsoffenheit und dem Wunsch nach Verhandlungen. Am Freitag vergangener Woche sagte Peskow sogar, dass die Aufnahme von Verhandlungen an keinerlei Vorbedingungen geknüpft sei. Das ist neu, bestand der Kreml doch in den vergangenen Monaten hartnäckig darauf, dass Gespräche erst nach einem Rückzug der ukrainischen Truppen aus von Russland beanspruchten Gebieten sinnvoll seien. Am Sonntag schließlich wartete die russische Führung mit der Ankündigung auf, bereits im Oktober könnten in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, erneut Konsultationen unter Beteiligung der USA, Russlands und der Ukraine stattfinden. Anfang dieses Jahres gab es bereits Gespräche in dieser Konstellation, zuletzt Mitte Februar in Genf.
Bei einem Auftritt im Rahmen des Brics-Gipfels stellte der russische Präsident klar, sollten europäische Länder Truppen in die Ukraine entsenden, käme das einer Kriegserklärung gegen Russland gleich.
Was damals im Sande verlief, muss auch nun nicht zum Erfolg führen; die Ausgangslage allerdings ist eine andere. Kriegsschäden infolge ukrainischer Drohnenangriffe auf russischem Gebiet nehmen zu, die Kriegsmüdigkeit der Bevölkerung ebenso. Wie sich in Neu-Delhi gezeigt hat, steigt auch der internationale Druck auf Putin, vor allem jedoch haben sich Russlands Hoffnungen auf eine erfolgreiche Sommeroffensive und signifikante Geländegewinne nicht erfüllt. Nach wie vor hält Putin unbeirrt an der völlig unrealistischen Vorstellung fest, den gesamten Donbass bis Jahresende einnehmen zu können. Das Institute for the Study of War veranschlagt angesichts des Kriegsverlaufs, dass Russlands Streitkräfte im gegenwärtigen Tempo bis 2032 brauchen würden, um das umkämpfte Donezker Gebiet einzunehmen. Derzeit kontrolliert Russland davon nur 81 Prozent, während das benachbarte Luhansker Gebiet fast vollständig von Russland besetzt ist.
Gegenüber den europäischen Verbündeten der Ukraine bleibt Putins Rhetorik die alte. Bei einem Auftritt im Rahmen des Brics-Gipfels stellte der russische Präsident klar, sollten europäische Länder Truppen in die Ukraine entsenden, käme das einer Kriegserklärung gegen Russland gleich. Einen Tag später, am Sonntagmorgen, attackierte eine russische Drohne kurz vor der polnischen Grenze die Lokomotive eines Passagierzugs, der von Kiew nach Warschau unterwegs war. Evakuiert werden musste auch ein weiterer Zug, mit dem eine deutsche Delegation ihre Rückreise aus der ukrainischen Hauptstadt angetreten hatte. Angriffe im Grenzgebiet zu Polen sind längst Alltag.
Aus dem russischen Machtapparat sind fast täglich Versicherungen zu hören, dass keine weitere Mobilmachung geplant sei. Auch Putin selbst hatte sich jüngst dahingehend geäußert. Insbesondere bei Wehrpflichtigen steigt derzeit trotzdem die Nervosität in Erwartung dessen, was nach der Parlamentswahl am Wochenende passieren könnte.
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Source: jungle.world