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In eigener Sache - Zum Publikationsstreit zwischen ID Verlag und Verlag immergrün
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2. Stellungnahme „Das Ende des Projekts ,Die Früchte des Zorns’?“
Liebe Leute,
vielen Dank für die vielen positiven Rückmeldungen und Bestärkungen! Darüber hinaus erhielten wir aber auch Rückmeldungen, die uns zum Teil überraschten und bei denen wir uns gefragt haben, was die Sorgen der Verfasser*innen sind. Daher möchten wir hiermit auf die wesentlichen Punkte eingehen.
Takt und Anstand
Es ist zutreffend, dass wir im Vorfeld nicht das Gespräch mit dem Verlag ID-Archiv gesucht haben. Es kann uns also durchaus fehlender Anstand vorgeworfen werden – wir werden damit leben können. In einer Antwort auf unsere Stellungnahme heißt es, dass die Wege kurz gewesen wären, da wir ja beide im Mehringhof ansässig sind. Stimmt, jedoch übersieht diese Argumentation, dass es gleichwohl für den ID Verlag möglich gewesen wäre mit uns das Gespräch zu suchen anstatt die schriftliche Unterlassung eines Nachdrucks zu formulieren.
Nachdruck und Copyright
Wieso überhaupt ein Nachdruck? Da es ein großes Interesse an den Texten in Papierform gibt. Getragen wurde die Entscheidung eines Nachdrucks auch von einer Anerkennung für die Arbeit, die damalige Genoss*innen geleistet haben. Der Nachdruck wäre also die papiergewordene Wertschätzung dieser Arbeit gewesen.
Dass dies nicht notwendig ist, da ja die Texte im Internet verfügbar sind, mutet merkwürdig an in Zeiten der Abschaltung von Seiten, Blogs u.ä. (zum damaligen Zeitpunkt der Entscheidung bestand die Möglichkeit den Doppelband antiquarisch für 80 Euro zu besorgen).
Darüber hinaus teilen wir die Haltung das bürgerlich-rechtliche Copyright abzulehnen. Wir finden uns in der anarchistischen Grundhaltung wieder, wonach Eigentum Diebstahl ist.
Nennung von Namen
Wir können jedoch dem Kritikpunkt folgen, wonach wir die Klarnamen der mit dem Verlag assoziierten Personen hätten nicht veröffentlichen sollen. Obgleich es für jeden Peter und jede Petra ein Einfaches ist die vollständigen Namen der GbR-Eigner des ID-Verlags im Impressum bzw. Kontakt herauszufinden, war unsere Vorgehensweise unnötig. Daher haben wir dies nachträglich korrigiert und entschuldigen uns für diese Unnotwendigkeit.
Kritik und Auseinandersetzung
Was unseren geplanten Anhang betrifft, sich kritisch mit dem Verhalten Einiger dieser Gruppen der Justiz gegenüber auseinanderzusetzen...nun...wir halten dies für den springenden Punkt für das Abwehrverhalten. Selbstverständlich ist es notwendig für uns als linksradikale Bewegung sich auch mit diesem allzu häufigen Kapitel linksradikaler Politik auseinanderzusetzen. Und das auch durchaus kritisch. Dafür spielt es keine Rolle, ob dies fünf Wochen oder 50 Jahre zurückliegt. Wir glauben zudem an die Fähigkeit jeder von uns, Personen und Gruppen differenziert zu betrachten, sprich ich kann Verhalten kritisieren ohne die Person/Gruppe im gesamten scheisse zu finden – um es mal plump zu formulieren. Hellhörig sollten wir immer dann werden, wenn Kritik und Auseinandersetzung unterbunden werden soll oder nicht stattfindet. Oder Kritik nur bestimmten Personen zugestanden bzw. den meisten von uns nicht zugestanden wird.
Zuletzt möchten wir noch betonen, dass wir nur soweit auf Kritiken eingehen können, sofern wir dies hinsichtlich der wachsamen Justiz verantworten können. Das heißt in bestimmten Fällen – gar nicht.
Wie nun weiter?
Der ursprünglich geplante Nachdruck des Buches ist vorerst gestorben. Es haben sich innerhalb der Debatte Schwierigkeiten aufgetan, die nun eingehend von uns besprochen und diskutiert werden müssen. Sollten wir zu eigenen Lösungsansätzen gekommen sein, werdet ihr das mitbekommen. Das ist alles was wir zum jetzigen Zeitpunkt sagen können.
26.09.2026
Verlag immergrün und Aktivist*innen
zu Dokumentationszwecken hier noch die erste Stellungnahme von uns sowie der zweite Brief des ID Verlags. Weitere Infos (wie z.Bsp. der erste Brief vom ID Verlag) siehe: https://verlag-immergruen.de/in-eigener-sache/
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Erste Stellungnahme
Wem gehört die Geschichte?
Neuherausgabe der „Früchte des Zorns“ von Publikationsverbot betroffen.
1993 erschien die kommentierte Ausgabe vieler Texte der Revolutionären Zellen und Rote Zora im Verlag ID-Archiv, den späteren ID-Verlag, der seit 20 Jahren keine Bücher mehr veröffentlicht. Die „Früchte des Zorns“ sind ebenso lange vergriffen.
Heute ist die militante Geschichte und deren Texte, gerade die von RZ und Rote Zora, nur noch punktuell bekannt und Aktivist:innen wollten daher eine erweiterte Neuauflage im Verlag Immergrün herausgeben – eine politische Entscheidung, keine kommerzielle. Immergrün erhielt nun allerdings von dem nur noch als juristische Hülse existierenden ID-Verlag GbR ein Schreiben, in dem unter Verweis auf ihre damalige „Mitherausgeberschaft“ und „editorische Arbeit“ an den RZ-Texten jeglicher Nachdruck und die Verwendung des Buchtitels „Früchte des Zorns“ untersagt wird.
Anstatt sich dafür zu rechtfertigen, das Buch nie wieder neu aufgelegt zu haben, wollen die Besitzer des ID-Verlags, dass es vergriffen bleibt. Da ist das bürgerliche Urheberrecht natürlich auf ihrer Seite. Aber wem gehört die Geschichte? Auch die der Revolutionären Zellen und der Roten Zora? Sicher nicht ehemaligen Linksradikalen, die einen Deckel drauf schrauben wollen. Vielmehr gehört sie den heutigen Aktivist:innen, die im Kampf gegen Repression und Reaktion Wege finden müssen, emanzipatorische Politik weiterentwickeln zu können.
Einer der Eigentümer des Verlag ID-Archiv, der taz-Kulturredakteur Andreas F. veröffentlichte fast zeitgleich zu seinem Schreiben an Immergrün ein Interview mit dem ehemaligen RZ-Mitglied Thomas K., der sich durch Aussagen vor Gericht und einen Deal mit der Bundesanwaltschaft einen Knastaufenthalt erspart hat. Fun Fact: In der geplanten Immergrün-Ausgabe der „Früchte des Zorns“ sollte in einem Anhang auch das unrühmliche Verhalten mancher RZ-Aktivist:innen gegenüber der Justiz thematisiert werden, weil es für das Ende der RZ eine Rolle spielte. Dass das dem einen oder der anderen unangenehm sein könnte, ist vorstellbar. Auch, dass sie eine Veröffentlichung dieses Aspekts ihrer Geschichte mit Hilfe von Bekannten, die das Urheberrecht in Anschlag bringen können, unterdrücken möchten.
Was nun? Einige in den „Früchten“ enthaltenen Texte der Rote Zora sind erfreulicherweise im Unrast Verlag neu veröffentlicht worden, allerdings ohne das Verhalten mancher Rote Zora-Aktivistinnen vor Gericht zu thematisieren – da wurde der ID-Verlag nicht aktiv.
Für die Texte der Revolutionären Zellen, die als solche nicht unter das Urheberrecht des ID-Verlag fallen, und eine kritisch-solidarische Nachbetrachtung, muss und wird eine Publikationslösung gefunden werden.
06.09.2026
Immergrün Verlag und Aktivist:innen
Bilder:


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