Germany Tagesschau
Remscheider Waffenprozess: Illegaler Waffensammler zu Haftstrafe verurteilt
300 scharfe Waffen, 100.000 Schuss Munition und das alles in einem Wohngebiet - es war einer größten Waffenfunde in Deutschland. Für seine illegale Sammlung ist ein Mann aus Remscheid nun zu sechseinh
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Fund in Nordrhein-Westfalen Mann für illegale Waffensammlung zu Haft verurteilt Stand: 30.10.2026 • 14:08 Uhr
300 scharfe Waffen, 100.000 Schuss Munition und das alles in einem Wohngebiet neben einer Schule. Im Prozess gegen den Hauptangeklagten aus Remscheid ist das Urteil gefallen. Der Mann wurde zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.
Es ist Oktober 2025: Schon seit Monaten haben verdeckte Ermittler der Polizei mehrere Personen im Visier. Der Verdacht: Illegaler Waffenhandel. An den Ermittlungen beteiligt sind nicht nur die Bundespolizei, sondern auch LKA, BKA und Europol. Ein Hinweis auf einen Transport von Kriegswaffen führt nach Remscheid.
Drei Verdächtige werden festgenommen. Im Keller einer Kfz-Werkstatt mitten in Remscheid finden die Ermittler ein ganzes "Privat-Museum" voller Waffen und militärischer Antiquitäten.
Die Funde reichen von Schaufensterpuppen mit Kriegsuniformen, Marihuana, Kokain, Messern und alten Maschinengewehren aus dem Zweiten Weltkrieg bis hin zu Handgranaten und scharfen Schusswaffen.
Am nächsten Tag dann die Nachricht: Ein zweiter Raum wurde gefunden. Und dabei bleibt es nicht: Insgesamt sind es vier Räume, prall gefüllt mit Waffen und Sprengstoff. Ein Labyrinth mit geheimen Türen, Zwischenwänden und verborgenen Schließmechanismen.
Mehrere Wochen sind über 200 Einsatzkräfte damit beschäftigt, den Keller des Mehrfamilienhauses zu durchsuchen. Die Wohnungen des Hauses müssen geräumt werden.
Sichergestellt werden unter anderem Maschinengewehre, Pistolen, Präzisionsgewehre, Handgranaten und Panzerabwehrwaffen - insgesamt 300 scharfe Waffen und 100.000 Schuss Munition.
Experten des Kampfmittelräumdienstes werden hinzugezogen und müssen vor Ort eine Handgranate sprengen, da der Transport zu gefährlich gewesen wäre.
Die darauffolgenden Ermittlungen zeigen, dass viele der gefundenen Waffen scharf und einsatzbereit sind. Deutschlandweit sorgen die Funde für Aufsehen.
NRW-Innenminister Herbert Reul spricht von einer erfolgreichen internationalen Zusammenarbeit. Die Festnahmen seien "ein großer Schlag gegen die organisierte Kriminalität". Dennoch wirft der Fall bei vielen Menschen die Frage auf, wie so ein riesiges Waffenlager so lange unentdeckt bleiben konnte.
Im Juli 2026 beginnt der Prozess. Es geht um einen der größten Waffenfunde in der Geschichte der Bundesrepublik. Das öffentliche Interesse und somit auch der Andrang an Pressevertretern ist groß. Teilweise wird in den Nachrichten von "Waffenmafia" gesprochen.
Auf der Anklagebank sitzen drei Männer. Im Fokus steht der Hauptangeklagte - ein inzwischen 60-jähriger Mann. Die beiden Jüngeren - einer 35 und einer 38 Jahre alt - sollen ihm beim Weiterverkauf der Waffen geholfen haben.
Angeklagter bestreitet Handel Pfeil rechts Zum Auftakt wird klar: Es geht sogar um noch mehr Waffen als bisher angenommen. Der Staatsanwalt braucht fast eine Stunde, um alle sichergestellten Waffen aufzuzählen. Der 35-jährige Nebenangeklagte gesteht direkt am ersten Prozesstag, mit Waffen gehandelt zu haben.
Hobbysammler oder Waffenhändler? Der 60-jährige Remscheider weist die Vorwürfe zurück. Er habe nie mit Waffen gehandelt und sei nur ein ambitionierter Sammler. Waffen und militärischer Antiquitäten seien sein Leben gewesen. Er gibt an, seine Freizeit hauptsächlich mit dem Sammeln von Waffen verbracht zu haben.
"Scharfe Waffen verkaufte ich zu keinem Zeitpunkt"
Auf Flohmärkten und mit einem Metalldetektor im Wald habe er alles gesucht, was damit zu tun hatte. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass es sich auch um mehr als nur Deko handelte. Mit scharfen Waffen will er nie gehandelt haben. Von den Verstecken soll so gut wie niemand gewusst haben.
Ein Bekannter des Angeklagten erzählt vor Gericht, dass dieser ihm sein "Privat-Museum" gezeigt habe. Der Zeuge sagt aus, so etwas in seinem ganzen Leben noch nie gesehen zu haben. Die Distanz zu allem, was er über Waffen und Krieg je gelernt habe, sei in diesem Moment auf einmal viel kleiner geworden.
Der Angeklagte hatte bisher auch ausgesagt, die Waffen auch nur für jemand anderen zwischengelagert zu haben. Dem widerspricht nun aber ein Zeuge aus Polen, der dem Angeklagten mindestens 300 Waffen verkauft haben will.
Im September werden die beiden jüngeren Männer zu zweieinhalb und dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der 60-jährige Hauptangeklagte soll Waffen besorgt und die beiden Männer sie weiterverkauft haben.
Haftrabatt durch "Deal" Dem Remscheider wird weiterhin vorgeworfen, die organisierte Kriminalität beliefert zu haben. Um eine höhere Haftstrafe zu vermeiden, verständigen sich alle Parteien auf ein Strafmaß von mindestens sechs und höchstens sieben Jahren Gefängnis.
Deal im Waffenhändler-Prozess Pfeil rechts Bedingung für diesen "Deal" ist ein umfassendes Geständnis des Angeklagten. Der Angeklagte gesteht den Ankauf von 70 Maschinenpistolen, deren Verkaufswert mit jeweils 1.000 Euro angesetzt wird.
Sendung: WDR.de, Urteil bei größtem Waffenfund erwartet, 30.10.2026, 5:05 UhrSendung: WDR.de, Sechseinhalb Jahre Haft, 30.10.2026, 13:05 Uhr