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Polen: Tumult und Protest vor dem Verfassungsgericht

Der Machtkampf um das polnische Verfassungsgericht spitzt sich zu. Die Polizei umstellte das Gebäude, nachdem sich Protestierende dort versammelt hatten. Auslöser ist die mutmaßliche Suspendierung der

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Polen Tumult und Protest vor dem Verfassungsgericht Stand: 31.10.2026 • 02:03 Uhr

Der Machtkampf um das polnische Verfassungsgericht spitzt sich zu. Die Polizei umstellte das Gebäude, nachdem sich Protestierende dort versammelt hatten. Auslöser ist die mutmaßliche Suspendierung der bisherigen Gerichtsführung.

In Polen ist ein Streit über das Verfassungsgericht eskaliert. Nach Angaben der Polizei sicherten Beamte das Gelände vor dem Gerichtshof, nachdem eine Richterin die Beamten wegen möglicher Gefahren für die Sicherheit von Richtern und Mitarbeitern alarmiert hatte.

Zuvor war auf der Internetseite des Verfassungsgerichts eine Mitteilung erschienen, wonach die Tätigkeit von Gerichtspräsident Bogdan Swieczkowski und seinem Stellvertreter für einen Monat ausgesetzt sei. In dieser Zeit werde die Verfassungsrichterin Anna Korwin-Piotrowska das Gericht führen. Kurz darauf erschien auf X ein Post des Verfassungsgerichts, der diese Information dementierte. Swieczkowski sei weiter im Amt. Korwin-Piotrowska könne ihn nicht vertreten, weil sie nicht vom Staatspräsidenten vereidigt worden sei. Das Gericht sprach von einem Staatsstreich.

Am Abend versammelten sich vor dem Gerichtsgebäude im Zentrum von Warschau viele Demonstranten, die meisten von ihnen Anhänger der oppositionellen PiS. Einige versuchten, Absperrungen zu durchbrechen und auf das Gelände vorzudringen. Nach Polizeiangaben wurden dabei drei Menschen festgenommen. Viele Demonstranten harrten auch am späten Abend noch vor dem Gerichtshof aus.

Der EuGH hat Polen verurteilt. Das Verfassungsgericht habe gegen Grundsätze des EU-Rechts verstoßen. mehr

Hinter dem Chaos verbirgt sich ein erbitterter Streit zwischen den beiden größten politischen Lagern über das Verfassungsgericht. Die rechtskonservative PiS, die das Land von 2015 bis 2023 regierte, hatte das Gericht mit ihr politisch nahestehenden Richtern besetzt. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) stellte seinerzeit fest, dass das Gericht aufgrund schwerwiegender Mängel bei der Ernennung seiner Richter sowie seiner damaligen Präsidentin nicht als unabhängig und unparteiisch angesehen werden könne.

Nachdem nach der Parlamentswahl 2023 Tusks Mitte-Links-Bündnis die Regierung übernommen hatte, kündigte sie an, die umstrittenen Neuerungen der PiS-Regierung im Justizwesen rückgängig zu machen. Doch dieser Prozess kommt nur schleppend voran. Das liegt auch an Präsident Karol Nawrocki, der der PiS nahesteht und die Regierung von Tusk immer ausbremst.

So hatte sich Nawrocki in den vergangenen Monaten geweigert, fünf vom Parlament nominierte Verfassungsrichter zu vereidigen. Als diese Richter ihren Amtseid stattdessen vor dem Parlament ablegten, verweigerte ihnen der noch zu PiS-Zeiten nominierte Gerichtspräsident Swieczkowski den Zugang zum Gebäude. Bereits im Mai hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden, dass diese Richter ihre Arbeit aufnehmen sollen.

Zu den neu nominierten Verfassungsrichtern, die Nawrocki nicht vereidigen wollte, zählte auch die Juristin Anna Korwin-Piotrowska. Sie erklärte nun im Sender TVP, der bisherige Verfassungsgerichtspräsident habe das Gericht handlungsunfähig gemacht, da er die neuen Richter nicht zugelassen habe. Als Dienstälteste habe sie daher für den 3. November eine Sitzung aller Verfassungsrichter einberufen.

Der rechtskonservative Präsident Nawrocki brach seine geplante Reise in den Senegal ab. "In einem solchen Moment muss der Präsident in Polen sein", schrieb Nawrocki auf der Plattform X. Sein Flugzeug landete am Abend wieder in Warschau. Später traf er am Gericht ein. Fernsehbilder zeigten, wie Nawrocki im Gedränge eine Polizeikette passierte.

Regierungschef Donald Tusk betonte auf X, die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit sei eine Verpflichtung für seine Regierung. "Nach Jahren der Rechtslosigkeit unter der PiS-Regierung ist dies ein schwieriger, manchmal schmerzhafter Prozess, der entschlossenes Handeln erfordert. Es gibt keinen anderen Weg."

Justizminister Waldemar Zurek beantragte die Aufhebung der Immunität Swieczkowskis und seines Stellvertreters. "Dieses Gericht ist zu Privateigentum geworden. Wir müssen dafür sorgen, dass es wieder ordnungsgemäß funktioniert", sagte er.

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Nachrichten | 30.10.2026 | 22:00 Uhrtagesschau.de | Polen - Tumult und Protest vor dem Verfassungsgericht | 31.10.2026 | 01:00 Uhr

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