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Zionismus: Am Anfang war die Sehnsucht
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Der Begriff geht zurück auf einen der Hügel Jerusalems, den Berg Zion. Mit der Zerstörung des ersten Jerusalemer Tempels im Jahr 587./586 v. Chr. und der Zerstreuung der Juden in der Welt wurde Zion für Jüdinnen und Juden zum Symbol der Sehnsucht nach der Heimat. Der Publizist Nathan Birnbaum prägte dann in seiner Zeitschrift „Selbstemanzipation“ im Jahr 1890 den Begriff „Zionismus“.
Die Bewegung ist zunächst vor allem eine Reaktion auf den grassierenden Antisemitismus und antijüdische Pogrome in Osteuropa und Russland im 19. Jahrhundert. 1897 findet der erste zionistische Weltkongress in Basel statt. Dort stellt Theodor Herzl, gewissermaßen der Vater des Zionismus, seinen Plan vor: Die Gründung eines Staates für die weltweit verstreut lebenden Juden in Palästina. Kurz zuvor hatte er sein wegweisendes Buch „Der Judenstaat“ geschrieben. Doch die darin skizzierte Idee ist zu diesem Zeitpunkt noch weit entfernt von ihrer Realisierung.
Einige. Die ersten Einwanderungsbewegungen, auf Hebräisch Aliyah genannt, gab es Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Die sind vor allem von osteuropäischen Juden geprägt.
Der Israel-Palästina-Konflikt wird vor allem in linken Kreisen kontrovers diskutiert. Auch in der taz existieren dazu teils grundverschiedene Positionen. In diesem Schwerpunkt finden Sie alle Kommentare und Debattenbeiträge zum Thema „Nahost“.
Der Zionismus ist zu der Zeit sehr divers. Es gibt Zionist*innen, die vor allem sozialistisch geprägt sind und einen neuen, jüdischen und sozialistischen Staat aufbauen wollen. Kulturzionist*innen sind weniger am sofortigen Aufbau eines jüdischen Staates interessiert, sondern eher an der Stärkung und Wiederbelebung der jüdischen Kultur und der hebräischen Sprache. Daneben gibt es einen religiösen und einen bürgerlichen Zionismus.
Nein. Große Teile der Jüdinnen und Juden weltweit sahen den Zionismus zu der Zeit aus unterschiedlichen Gründen kritisch oder warnten gar davor. Der Allgemeine Jüdische Arbeiterbund (kurz: Bund), ein Zusammenschluss von jüdischen Sozialist*innen, der Ende des 19. Jahrhunderts in Wilna gegründet wurde, sprach sich ganz klar gegen den Zionismus aus. Viele wollten schlichtweg weiter in ihren jeweiligen Heimatländern leben und setzten nach wie vor auf Assimilation und Integration. Erst die Shoah, die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden, veränderte das Gefüge in der jüdischen Bevölkerung, der Zionismus gewann maßgeblich an Aufwind.
Innerhalb des Zionismus gibt es auch in den Anfängen der Bewegung sehr unterschiedliche Positionen dazu. Philosophen wie Martin Buber setzen auf Verständigung mit den Araber*innen und auf ein binationales Modell, in dem jüdische und arabische Menschen gemeinsam in einem Land leben.
Andere, wie der Schriftsteller Zeev Jabotinsky, gingen davon aus, dass zwischen der jüdischen und der arabischen Bevölkerung zumindest zunächst eine „eiserne Mauer“ notwendig sei, und sich in diesem Prozess Gewalt nicht vermeiden lasse. Die jeweiligen Ansprüche auf das Land seien unvereinbar, auch die kulturellen Unterschiede seien zu groß.
Für den größten Teil der Bewegung, schreibt die Historikerin Anja Siegemund, spielte die Frage nach dem Zusammenleben mit der arabischen Bevölkerung allerdings eine untergeordnete Rolle. Dazu gehörten auch der spätere Staatsgründer David Ben-Gurion und der langjährige Präsident der Zionistischen Organisation, Chaim Weizmann. „Kooperation wurde als wünschenswert, aber nicht als so essenziell notwendig betrachtet wie im Verständigungslager“, schreibt Siegemund.
Die Gruppe um Ben-Gurion und Weizmann gab den Ton an. Schließlich entwickelte sich der Kurs immer mehr dahin, Waffen nicht nur defensiv einzusetzen, sondern in die Offensive überzugehen und aus einer jüdischen Siedlung einen jüdischen Staat zu machen. Siegemund führt dies auf die radikalisierte Situation in den 1930er Jahren zurück: auf die Eskalation des Konflikts zwischen Juden und Arabern in Palästina, aber auch auf die Ermordung der europäischen Juden in Europa.
Die Gründung des Staates ist für den Zionismus ein historischer Wendepunkt. Aus einer Idee wird Realität. 1947 hatte die UN einen Teilungsplan für das Mandatsgebiet Palästina verabschiedet. Die jüdische Führung nimmt den Plan an, die arabische lehnt ab. Kurz danach bricht ein Krieg zwischen jüdischen und arabischen Milizen aus. Ein Jahr später ruft Ben-Gurion den israelischen Staat aus.
Seitdem gibt es (mindestens) zwei Narrative über die Gründung des Staates: Für die einen ist die Staatsgründung Rettung vor Verfolgung, eine existenziell notwendige Heimstätte nach der Shoah. Für die Palästinenser*innen hingegen sind die Ereignisse um die Staatsgründung eine Katastrophe. Sie nennen das, was ab dann geschah, die „Nakba“, die Vertreibung und Flucht von großen Teilen der palästinensischen Bevölkerung.
Selbst in Israel ist der Begriff Zionismus heutzutage heftig umkämpft. Einige wenige linke Gruppierungen in Israel bezeichnen sich als antizionistisch. Und auch viele Ultraorthodoxe dort, denn in den Augen der Strengreligiösen wird erst der von Gott geschickte Messias am Zeitenende einen Staat errichten, der Israel genannt werden darf.
Die meisten anderen ringen um die Definition. Auf der einen Seite gibt es die radikale Siedlungsbewegung, deren Vertreter*innen auch in der extrem rechten Regierung sitzen. Sie versuchen im Namen eines religiös und messianisch konnotierten Zionismus, den Palästinenser*innen jegliche Lebensgrundlage zu nehmen, einige von ihnen wenden auch Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele an. Auf der anderen Seite versuchen liberale Israelis, eine Vorstellung von Zionismus zu stärken, bei der der israelische Staat sowohl „jüdisch“ als auch „demokratisch“ sein kann und soll.
Kritiker*innen des Zionismus weltweit beziehen sich häufig auf postkoloniale Theorien. Aus ihrer Sicht wird der Zionismus als eine Form des Kolonialismus begriffen, die zur Vertreibung und Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung geführt hat.
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Source: taz