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„Werwölfe“ in der ARD: Ein packender Hybrid
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A ls Kind war mein liebstes Spiel auf Kindergeburtstagen „Mord im Dunkeln“ – meine Liebe zum gepflegten Krimi war da schon nicht zu leugnen.
Das Prinzip ist schnell erklärt: Unbescholtene Bürger:innen leben ihr Leben, das Licht geht aus, eine Person wird angetippt und „stirbt“. Das Licht geht wieder an, und die Feiergesellschaft muss schnell herausfinden, wer denn nun der – natürlich lügende – Übeltäter war, bevor er weiter mordet.
So gut, so wenig kindgerecht und eben darum so heißgeliebt. Aber spätestens mit dem Eintritt in die Pubertät waren solche Spiele nicht mehr Partyhöhepunkte. Unbeholfene Flirtversuche und Komasaufen waren schnell interessanter. Schade eigentlich.
Zum Glück haben über die letzten Jahre die Varianten „Mafia“ und „Werwolf“ immer mehr in der Popkultur Einzug gehalten: Youtuber:innen erhoben das Spiel zum Content, in den USA wie in Deutschland wurden Shows wie „Die Verräter“ zum Phänomen, und dann gab es da noch die öffentlich-rechtliche Antwort aus dem letzten Jahr, „Werwölfe – Das Spiel von List und Täuschung“.
Als erstes „Reality-Format“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wurde „Werwölfe“ beworben und sorgte damit gleich auch für Stunk um den Bildungsauftrag des ÖRR, eine Debatte, bei der sich etwa Hugo Egon Balder beteiligte.
Das sollte der Popularität der Sendung keinen Abbruch tun, die laut ARD zu einem ihrer erfolgreichsten Mediathekformate wurde und jetzt mit einer zweiten Staffel fortgeführt wird, bei der unter anderem ein Ex-Agent, ein Medium, eine forensische Psychologin und ein Betriebsprüfer sich gegenseitig als Werwölfe enttarnen und 25.000 Euro gewinnen wollen.
Wenn es an „Werwölfe“ etwas auszusetzen gibt, dann an der Betitelung als Reality-TV, denn mit realem Leben hat das sehr entertainende Lügen, Betrügen und Manipulieren wenig zu tun. Viel eher ist „Werwölfe“ ein kurzweiliger Hybrid aus packendem Mystery-Krimi und den großen Spielshows einer vergangenen Ära.
Nur, dass Schauspieler Michael Kesslers Stimme aus dem Off eine wesentlich bessere Figur macht als der späte Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass..“ und die Laiendarsteller:innen so manchen Absolvent:innen deutscher Schauspielschulen einiges beibringen könnten. Vielleicht ist es gar nicht so schlimm, dass diese Woche der „Tatort“ ausfällt, denn die „Werwölfe“ zeigen, wie gut deutsches Fernsehen sein kann, wenn es nur ein kleines bisschen Anarchie wagt.
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Source: taz