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Werder Bremens unerwarteter Aufschwung: Jede Menge gute Geschichten
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Ü ber eine Stunde sah es so aus, als würde Werder Bremen der nächste triste Nachmittag bevorstehen: Von einem im Schnitt durchaus passablen Auftritt hatte sich Gegner Augsburg absolut nicht beeindrucken lassen und stattdessen aus einer übersichtlichen Anzahl eigener Chancen zwei Tore gemacht. Es schien mal wieder einer dieser Tage zu werden, an denen man sich in Bremen hätte eingestehen müssen: Irgendwie reicht es nicht.
Dieses Gefühl hat sich die letzte Saison über in die Kurve hineingefressen. Das zeigte sich deutlich vor der Saison: Dass die Verantwortlichen auf dem Transfermarkt sehr vorsichtig agiert haben, traf dort auf, vorsichtig gesagt, Unverständnis. Da half auch nicht, dass die große Ausnahme von dieser Zurückhaltung Niclas Füllkrug heißt, den man sich aus West Ham zurückgeliehen hat.
Und Niclas Füllkrug hat noch immer überdurchschnittliches Bundesligaformat. Das hat er schon in den ersten drei Spielen bewiesen: Bisher traf er beim überzeugenden Sieg zu Hause gegen Leipzig und beim eher drögen 1:1 gegen Köln. Und jetzt halt auch wieder gegen Augsburg, und wie.
Nachdem der die letzten Spiele über außergewöhnlich aktive und effektive Marco Grüll Bremen erst einmal herangebracht hatte, fiel vier Minuten vor Schluss Fülle der Ball 16 Meter vor dem Tor vor die Füße, und der tat, wofür man ihn geholt hat: nicht lang fackeln. 111 Kilometer die Stunde hatte der Ball beim Einschlag, das sind so Momente, da sprechen Trainer dann anschließend von der Überzeugung, die in so einem Schuss mit drinsteckt.
Und damit nicht genug: drei Minuten über der Zeit holte auch noch Mitchell Weiser den Zauberfuß raus und vollendete den letzten Angriff der Bremer – nach Vorarbeit Grüll natürlich – zum Sieg. Da war was los in Bremen, und nachdem es 85 Minuten so ausgesehen hatte, als müsse man sich als Fan – wie letzte Saison allzu oft – einen drögen Auftritt schönsaufen, wusste man nach Abpfiff gar nicht, welche der vielen guten Geschichten man sich anschließend nochmal erzählen wollte.
War es, dass man den bisher unbesiegten Tabellendritten abgekocht hatte? War es, dass ausgerechnet Weiser den Siegtreffer erzielt hatte, der zuvor wegen eines Kreuzbandrisses 14 lange Monate nicht gespielt hatte? War es Füllkrugs Willenskraft, Grülls Spielintelligenz? War es der Fakt, dass Bremen endlich wieder zu Hause Spiele zeigt, die man nicht direkt am Abend wieder vergessen haben möchte?
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Source: taz