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Weltnaturschutzkonferenz in Jerewan: Geld für Zerstörung oder Geld für Natur
Renaturierung braucht Geld, doch das fließt weiter in umweltschädliche Subventionen, zeigt ein UN-Bericht. Kleine Lichtblicke gibt’s dennoch. mehr...
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Kurz vor dem geplanten Ende der Weltnaturschutzkonferenz geht es wieder ums Geld: „Knackpunkt sind wie immer die Finanzen“, sagte Freya Duncker am Donnerstag der taz. Sie hat die Verhandlungen der Mitgliedsländer des Übereinkommens zur biologischen Vielfalt in der armenischen Hauptstadt Jerewan in den letzten zwei Wochen verfolgt. Dort geht es auch um naturzerstörerische Subventionen: Geschätzte 500 Milliarden US-Dollar werden jährlich von den Staaten so investiert, dass sie direkt Biotope vernichten. Damit will die Konferenz eigentlich Schluss machen.
„Gestern gab es noch eine Formulierung zum Abbau der Subventionen im Vertragstext, heute ist sie plötzlich wieder gestrichen“, so Duncker. Derzeit flössen für jeden Euro, der in den Schutz der Natur investiert wird, rund 30 Euro in ihre Zerstörung.
Einen Lichtblick konnte am selben Tag immerhin das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) vermelden: Aktuell wird eine Land- oder Meeresfläche so groß wie Kasachstan renaturiert. Für ihren „Fortschrittsbericht zur Wiederherstellung der Natur“ hat das Unep Aktivitäten in 149 Ländern untersucht und Renaturierungsprojekte auf 2,52 Millionen Quadratkilometern gefunden. Nebenbei sind durch die Projekte mehr als 1 Million „grüne“ Jobs entstanden.
2019 hatte die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine „UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen“ ausgerufen. Dazu hatten die Mitgliedstaaten Zusagen gemacht, um mindestens 1 Milliarde Hektar degradierte Landflächen bis 2030 zu renaturieren – also Böden zu entgiften, Moore wieder zu vernässen oder Wälder anzupflanzen.
Der Bericht ist die Halbzeitbilanz dieser Dekade – und da wird der Lichtblick weniger strahlend: Erst ein Viertel der Zusagen sind angegangen. Und obwohl sich der Zustand maritimer Ökosysteme schneller verschlechtert, wurden mehr als 90 Prozent der bisherigen Maßnahmen an Land realisiert. An gerade einmal 2 Prozent Fläche der Meeres- und Küstenökosysteme werde aktuell gearbeitet.
Damit das Ziel doch noch erreicht werden kann, fordert die Unep mehr Geld. Die jährlichen Investitionen müssten von derzeit 64 Milliarden bis 2030 auf knapp 300 Milliarden Dollar anwachsen. Quasi nebenbei könnten damit weltweit auch 32 Millionen neue naturverträgliche Jobs entstehen.
Eigentlich ist die intakte Natur selbst eine sprudelnde Geldquelle, wie das Weltwirtschaftsforum längst vorrechnete: Demnach hängt mehr als die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts von den Leistungen der Natur ab – was rund 44 Billionen Dollar entspricht. Allerdings nimmt die Zahl intakter Ökosystemen rasant ab, der Weltbiodiversitätsrat IPBES – das Pendant zum Weltklimarat IPCC für den Schutz der Artenvielfalt – hatte vor der Konferenz in Jerewan gewarnt: Bis zu 1 Million Arten von Tieren und Pflanzen könnten in diesem Jahrhundert aussterben, wenn sich nichts ändert, jede achte Art. Haupttreiber ist die Landnutzung.
„Naturzerstörerische Subventionen gibt es beispielsweise bei der Förderung fossiler Brennstoffe oder in der industriellen Landwirtschaft“, erläutert Duncker. „Könnten die umgeleitet werden, wäre es ganz einfach, die notwendigen Mittel für Renaturierungsprojekte aufzubringen.“ Das müsste nun aber erst mal wieder in den Verhandlungstext hineingeschrieben werden. „Und dann müssten dem auch alle Vertragsstaaten zustimmen“, so die WWF-Expertin. Wie bei Klimakonferenzen gilt auch hier: Wenn auch nur ein Staat den Vertragstext ablehnt, dann wird er nicht gültig.
Duncker hat sich deshalb für diesen Freitag auf eine lange Nacht eingestellt. „Sicher ist, dass die armenische Präsidentschaft die COP mit einem Ergebnis abschließen will.“ Auf gut Deutsch: Es wird so lange verhandelt, bis die Delegierten nicht mehr können.