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Germany · taz · 7h

Wahlkampf in Argentinien: Trumpfkarte Nationalgefühl

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W as hat die reine Lehre des Anarchokapitalismus mit Nationalismus zu tun? Nichts. Warum also spielt der argentinische Präsident Javier Milei die nationalistische Karte aus? Weil ihm das Wasser bis zum Hals steht. Das Bild passt zu den Falklandinseln – die Argentinien Malwinen-Inseln nennt –, um die es geht. „Unsere nationale Sache ist heute einer eindeutigen und dringenden Gefahr ausgesetzt, die eine angemessene Reaktion erfordert“, erklärte Milei vergangenen Donnerstag in einer landesweit ausgestrahlten Ansprache. Und: „Las Malvinas son argentinas!“ – „Die Malwinen sind argentinisch!“

Mileis Umfragewerte sind schlecht, seine Wiederwahl im kommenden Jahr ist nicht mehr sicher. Die wirtschaftliche Realität, die soziale Härten und die politischen Enttäuschungen lassen sich nicht einfach mehr wegreden. Und so entdeckt und missbraucht der radikale Marktfundamentalist den Nationalstaat als Wahlkampfinstrument. Der Spruch „Las Malvinas son argentinas“ ist emotional besetzt und auf dem Festland alltäglich präsent. Er wird im Kindergarten und in der Schule gelehrt. Er prangt an jedem öffentlichen Verkehrsmittel, und wer durch die Pampa fährt, kommt alle paar Hundert Kilometer an einem Straßenschild mit dieser Aufschrift vorbei.

Daran wurde auch bei der Fußballweltmeisterschaft von einigen argentinischen Spielern mitgewirkt, als sie nach dem Halbfinalspiel gegen England ein beschriftetes Bettlaken ausbreiteten, das einige Fans ins Stadion geschmuggelt und über die Absperrung geworfen hatten. Von dieser Aktion führt ein roter Faden zur „Malwinisierung“ des Präsidenten. Während die Aktion in der Bevölkerung auf große Sympathie und Zustimmung stieß, zeigte sich Milei wenig begeistert davon. Vergangene Woche stellte er sich an die Spitze der Bewegung. Deren Ziel ist jetzt nicht mehr die Rückgewinnung der Inseln, sondern seine Wiederwahl.

Doch wer glaubt, das Manöver ist zu durchsichtig und plump, irrt. Als die Militärdiktatur 1982 vor dem Aus stand, ließ der Juntachef die Inseln besetzen. „Las Malvinas son argentinas, los desaparecidos también“. Der Slogan „Die Malwinen sind argentinisch, die Verschwundenen auch“ stand auf einem Transparent der Mütter der Plaza de Mayo. Das gilt auch heute: Egal, wie schlecht die Regierung beurteilt wird, sind sich doch alle einig, dass alles, was gegen die britischen Invasoren unternommen wird, richtig ist.

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Source: taz