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Politics · taz · · 2h

Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern: AfD-interne Kritik am Wahlerfolg

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Am Wahlabend zeigte sich Leif-Erik Holm sehr zufrieden. „20 Punkte zugelegt, das ist mehr als verdoppelt“, sagte der AfD-Kandidat für das Ministerpräsidentenamt in Mecklenburg-Vorpommern, als seine Partei 38,2 Prozent erreichte. Im Schweriner Schloss ist die AfD die stärkte Fraktion. Dass die Kandidatur gegen die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) misslang, wischte Holm weg, der für die AfD im Bundestag sitzt. Eine interne Analyse, die der taz vorliegt, beklagt jedoch die verpasste Chance der absoluten Mehrheit. Sie macht vor allem den Ministerpräsidentenkandidaten für die fehlenden Prozente verantwortlich.

Schon der Titel der Wahlkampfanalyse „Zwischen Anspruch und Wirklichkeit – Eine organisatorische und strategische Aufarbeitung der Kampagne 2026“ deutet Kritik an. Auf der dritten Seite der 25-seitigen Analyse wird bereits fett gedruckt zusammengefasst: „Ein öffentlich gewollter Regierungsanspruch trifft auf organisatorische Dysfunktionalität“. Die Möglichkeit einer Regierungsübernahme sei „durch eine unkoordinierte Doppelspitze, mangelnde Gremiendisziplin und fehlende Abstimmung verspielt wurden“.

Die harte Kritik kommt von Daniel Fiß, der auch die Kampagne leitete. Der AfD-Mitarbeitende war früher bei der Jugendorganisation der NPD, die heute Die Heimat heißt, und stellvertretender Bundesvorsitzender der Identitären Bewegung. Die Tätigkeit als Kampagnenleiter offenbart mal wieder, dass Unvereinbarkeitsbeschlüsse der AfD nicht so verbindlich sind. Schon vor dem Engagement war Fiß bei dem AfD-Landtagsfraktionsvorsitzenden Holger Arppe angestellt, der gehen musste, nachdem NDR und taz Chatprotokolle von ihm mit rassistischen, pädophilen, gewaltpornografischen und verherrlichenden Inhalten öffentlich machten.

In der Analyse kritisiert Fiß, dass die Doppelspitze Holm und Schult in der Öffentlichkeit kaum erklärbar gewesen wäre. Zudem wäre unklar geblieben, warum der Ministerpräsidentenkandidat nicht mit der Landesliste abgesichert und der Spitzenkandidat nicht in direkter Konfrontation zur Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) gegangen war.

Der Analyse ist zu entnehmen, dass im Juli 2025 der Landesvorstand Enrico Schult als „Spitzen- und Ministerpräsidentenkandidat“ nominiert wurde, weshalb Holm „nicht zufrieden“ gewesen wäre. Im Machtgerangel ergab sich die Doppelkandidatur. „Ein kommunikatives Desaster“, auch weil bei Interviews mitschwang, dass Holm sich eine „Hintertür“ offen ließe, da er beim Scheitern der Kandidatur weiter im Bundestag bleiben könnte.

Holm hätte durch mangelnde „Professionalität“ denn auch die „nötige Arbeitsharmonie“ im Landesverband behindert. Mit der „Arbeitsgruppe Wahl“ soll Holm keine verbindliche Kommunikation geführt haben. „Der MP-Kandidat entkoppelte sich selbst“. Rückblickend, so heißt es in der Analyse, hätte „der Landessprecher, Bundestagsabgeordnete und Ministerpräsidentenkandidat Leif-Erik Holm“ weder „strategische noch taktische Impulse in die Kampagne hineingebracht“. Und erneut fett gedruckt, er wurde „nicht sabotiert oder aktiv isoliert“. Holm hätte „eigenständige Kommunikationskanäle“ unterhalten.

Eine Großveranstaltung in Rostock oder Schwerin mit 3.000 Personen, wofür alleine 75.000 Euro eingeplant waren, platzte, da Holm kein „finales Konzept“ erarbeiten ließ. Eine konkrete Vorbereitung für die Regierungsoption verblieb ebenso: „Das ist Führungsschwäche und organisatorisches Versagen!“. Fiß störte auch, dass Holm die AfD als „‚die CDU vor 30 Jahren‘“ wiederkehrend benannte. Viel zu moderat, viel zu nett.

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Source: taz