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UN-Artenschutzkonferenz in Jerewan: Machtkampf um unsere Lebensgrundlagen
Natur mag jeder. Aber interessiert sich auch jeder dafür, wie sie erhalten werden kann? Das dürfte nach der UN-Artenschutzkonferenz nicht anders sein. mehr...
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A m Wochenende wird der Weltnaturschutzgipfel im armenischen Jerewan zu Ende gegangen sein. Mit einer großen Einigung oder einem großen Knall. Wen interessiert’s? Nicht mal seinen richtigen Namen wagen Berichterstatter zu nennen. Wer liest schon was über ein „Treffen der Mitgliedsstaaten der Konvention über biologische Vielfalt“?
Natur indes mag jeder. Dabei geht es um so viel: Ob Böden, Wälder, Meere weiter CO2 speichern und so das Klima stabilisieren können. Ob der Boden fruchtbar bleibt und Süßwasser trinkbar. Ob es weiter Insekten als Bestäuber und Fisch in den Ozeanen geben wird, eine wichtige Proteinquelle für rund drei Milliarden Menschen.
Über all das wurde in Jerewan verhandelt, in einem den Vereinten Nationen eigenen abstrakten Diplomatenenglisch. Darin ringen die Teilnehmer:innen erbittert um Formulierungen, die außerhalb der Konferenzräume kaum jemand versteht. Und die allzu oft das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben sind. Viele Verhandlungen der Biodiversitätskonvention der vergangenen 30 Jahre galten als Erfolg. Auf ihnen wurden wichtige Ziele der Naturschutzpolitik formuliert, es wurden Gefahren benannt, indigene Völker als wichtige Akteure erkannt und notwendige Gelder avisiert.
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Danach sind die Ministerinnen und Beamten, Wissenschaftler, Lobbyisten und Aktivistinnen wieder nach Hause gefahren und standen dort vor einer unüberwindbaren Wand aus Wirtschafts- und Sozialsystemen, die auf Wachstum angewiesen sind (so wie der Naturschutz selbst auch, wenn er jährlich mehr Gelder vom Norden in den Süden umverteilen will) und kaum veränderbaren Konsummustern. Und trotzdem sind die Verhandlungsergebnisse aus Jerewan nicht egal.
Der Machtkampf um den Umgang mit unseren Lebensgrundlagen findet auf vielen Ebenen und an vielen Orten statt. Sie sind vernetzt und beeinflussen einander. Brasilien zum Beispiel stand in den Verhandlungen eher auf der Seiten der blockierenden Staaten wie Saudi-Arabien und Russland – doch der Wahlausgang in diesem globalen Hotspot der Biodiversität ist wohl wichtiger für ihren Schutz als die Dokumente aus Jerewan.
Während die Europäische Union in ihren Verfahren zur Entbürokratisierung ihre Umweltgesetze schleift, feiern Aktivisten aus dem Bergischen Land in Nordrhein-Westfalen einen Erfolg vor Gericht: Beim Örtchen Ohl-Grünscheid darf der Fluss Agger wieder frei fließen und wird nicht mehr zur Energiegewinnung aufgestaut. Das ist gut für Pflanzen und Tiere. Und gut für Menschen, die auf einen ausgeglichenen Wasserhaushalt angewiesen sind.
Der Schutz von Ökosystemen, der Erhalt der Arten und ihrer genetischen Vielfalt (das meint Biodiversität) geschieht praktisch, vor Ort, vorangetrieben von Engagierten. Durch die Verhandlungen von Jerewan können sie Rückenwind erhalten. Oder Gegenwind, der in der Regel ihre Beharrungskräfte weckt. Die „Agger-Freunde“ verdienen Applaus, ihr Einsatz wurde bisher viel zu selten gewürdigt. Und die Berichterstattung über den Weltnaturschutzgipfel folgt.