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Germany · taz · · 2h

Spielfilm „Pressure“ über D-Day: Druck von allen Seiten

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Dass es auf den Britischen Inseln ständig regnet, ist zwar ein Mythos, dennoch spielt das Wetter für die Briten eine große Rolle, zählte der Regenschirm lange zu den unverzichtbaren Requisiten eines wahren Gentlemans. Kein Wunder also, dass nun der englische Film „Pressure“ nur knapp davor zurückschreckt, zu postulieren, dass ausgerechnet ein Wetterfrosch und dessen Wettervorhersage den Ausgang des Zweiten Weltkrieges auf entscheidende Weise beeinflusst hat.

Die Rede ist von Captain James Stagg, der führende schottische Meteorologe seiner Zeit, der Anfang 1944 zum Chefmeteorologen der geplanten Operation Overlord berufen wurde und dafür sorgte, dass die Landung in der Normandie um einen Tag, vom 5. auf den 6. Juni, verschoben wurde.

Und das bedeutete weit mehr, als einfach nur einen Ausflug wegen schlechten Wetters um einen Tag zu verschieben, denn die Eröffnung einer weiteren Front in Europa war eine aufwendige, komplizierte und extrem risikoreiche Aktion: Das Datum Anfang Juni war gewählt, da in diesen Tagen Vollmond war, eine Voraussetzung für nächtliche Vorbereitungen der Landung. Für die es wiederum notwendig war, dass der Seegang im Englischen Kanal nicht allzu hoch war, ansonsten hätten die Landungsboote der Alliierten die Küste nicht erreichen können.

„Pressure“. Regie: Anthony Maras, mit: Andrew Scott, Brendan Fraser u.a. Vereinigtes Königreich/Frankreich 2026, 100 Min.

Allzu schwerer Regen durfte auch nicht fallen, da das die vorbereitende Bombardierung der deutschen Stellungen verhindert hätte. Es musste also sehr viel zusammenkommen, damit die aufwendigste Invasion der Geschichte eine Chance auf Erfolg haben würde, und einer der wichtigsten Aspekte dabei war das passende Wetter.

Bekanntermaßen sind auch heute, 80 Jahre später, Wettervorhersagen trotz enormer täglich verarbeiteter Datenmengen immer noch nur bedingt zuverlässig. 1944, zu analogen Zeiten, hatten die Meteorologen deutlich weniger Daten zur Verfügung, zudem keine Computer, um die Datenmengen zu analysieren und Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, sondern nur ihre eigene Erfahrung und Expertise.

Es mag sich furchtbar trocken anhören, dass es in „Pressure“ im Kern um den Konflikt um zwei unterschiedliche Methoden der Analyse von Wetterdaten geht. Das faszinierende an Anthony Maras’ Drama ist jedoch, dass es auf verblüffende Weise zeigt, wie das Kino in der Lage ist, jede noch so profane Tätigkeit mitreißend und, ja, sexy, erscheinen zu lassen, gerade wenn es nicht um eine physische Tätigkeit geht, sondern um geistige Arbeit.

Unweigerlich mag man an die zahlreichen Gerichtsfilme denken, die gerade im angelsächsischen Raum durch das Konstrukt der Jury immer wieder zeigen, wie mitreißend es sein kann, wenn durch die bloße Kraft der Worte sich das Schicksal wendet. Es hilft dabei natürlich, wenn so ein wortgewandter, kluger Kopf, wie es Stagg ist, von Andrew Scott gespielt wird, einem Schauspieler, der schon als Moriarty in der BBC-Serie „Sherlock“ gleichermaßen finster und verführerisch agierte, dabei aber vor allem enorme Intelligenz ausstrahlte.

Angesichts seines Charismas kann es Scott auch riskieren, seine Figur anfangs betont unsympathisch anzulegen: Vom ersten Moment, wenn sein Stagg den neuen Posten antritt, strahlt er überhebliche, aber wie sich herausstellen wird, völlig berechtigte Arroganz aus, scheucht Untergebene herum, schert sich nicht darum, Sympathiepunkte zu machen. Ganz anders sein amerikanischer Gegenspieler, der Meteorologe Irving Crick (Chris Messina), mit dem sich Stagg schnell in einem Duell um die Aufmerksamkeit des Mannes befindet, der am Ende die schwerwiegende Entscheidung treffen wird: der amerikanische General Dwight D. Eisenhower (Brendan Fraser).

Zwei unterschiedliche Methoden der Wettervorhersage betreiben die beiden Meteorologen: Während Crick alte Wetterverläufe analysiert und anhand von Mustern Vorhersagen für die Zukunft fällen will, versucht Stagg möglichst viele Daten von Wetterstationen und -ballons zu sammeln, sie zu analysieren und so zu einer Vorhersage zu kommen.

Grandiose Szenen gelingen Maras hier, wenn Stagg vor der versammelten Militärspitze seine Daten vorstellt, im Wissen um das Verlangen der Militärs nach einer eindeutigen, verlässlichen Wettervorhersage, die er jedoch natürlich nicht geben kann. Eine exakte Wissenschaft ist die Meteorologie nicht, doch in diesem Fall würde eine falsche Wetterprognose nicht einfach nur bedeuten, dass man nass wird, sondern dass tausende Soldaten sterben und vielleicht sogar der Zweite Weltkrieg einen anderen Verlauf nimmt.

Ob ein Scheitern der Landung in der Normandie tatsächlich für einen anderen Ausgang des Zweiten Weltkrieges gesorgt hätte, kann man bezweifeln, verlängert hätte es den Krieg ohne Frage. Für angenehm kurze, kompakte einhundert Minuten lastet die Verantwortung für Wohl und Wehe der Truppen in „Pressure“ und damit das Schicksal Europas jedoch auf den Schultern der Meteorologen, deren sonst so beschauliche Existenz hier für einen Moment im Zentrum der Weltgeschichte steht.

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Source: taz