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Labour taz

Spielfilm „Matewan“ auf DVD: Größe und Würde streikender Arbeiter

Der Spielfilm „Matewan“ schildert den Kampf von Gewerkschaftern in einem Bergarbeiterort. Regisseur John Sayles gelang ein so wütendes wie schönes Werk. mehr...

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Es ist eine Geisterbeschwörung, dabei ist alles genau oder fast genau so passiert. Damals, im Jahr 1920, im kleinen Bergarbeiterort Matewan in South West Virginia. Unerträglich sind die Arbeitsbedingungen, brutal ist die Ausbeutung durch die Stone Mountain Coal Company. So beginnen die Arbeiter zu streiken, eine Gewerkschaft zu gründen, ein erfahrener Gewerkschaftler, Joe Kenehan (Chris Cooper in seinem Debüt), reist an. Den hat John Sayles, Drehbuchautor und Regisseur, zwar erfunden, die Wobblys (Industrial Workers of the World), von denen er einer war, die hat es gegeben: Streiter für Arbeiterrechte weltweit.

Joe Kenehan ist Pazifist, war für seine Überzeugung während des Weltkriegs im Knast. In Matewan gelingt es ihm nicht nur, die zerstrittene Arbeiterschaft, die in Südstaatler und italienische Migranten gespalten ist, zu einen. Eine Truppe schwarzer Arbeiter, die als Streikbrecher angeheuert werden, ist bereit, sich auf die Seite der Streikenden zu schlagen. Kenehan, Idealist aus Prinzip, Pragmatiker aus Strategie, schafft es, die Front zu schließen: „Ihr arbeitet, sie arbeiten nicht. Mehr müssen wir über unsere Feinde nicht wissen.“

Der Feind, der große Konzern, hat das Geld, eine Truppe von Männern mit Waffen zu schicken. Es sind Angestellte der Baldwin Felts Detective Agency. Mit dem in den Kriminalromanen von Dashiell Hammett & Co. geschaffenen Bild des Privatdetektivs haben diese Typen, die es genau so tatsächlich gab, gar nichts zu tun: Sie sind reaktionär, brutal, rassistisch, sollen den Streik beenden, widerständige Arbeiter und ihre Familien aus Matewen vertreiben.

„Matewan“ (USA 1987, Regie: John Sayles). Die DVD ist ab rund 10 Euro im Handel erhältlich.

Auch vor Morden schrecken sie dabei nicht zurück. Am Ende werden sieben von ihnen von den Bewohnern erschossen. Das ging als „Battle of Matewan“ in die Geschichte der US-Arbeiterbewegung ein.

Wie es dazu kommt, schildert „Matewan“, der Film von John Sayles. Es ist ein wütender Film, der Partei ergreift, einerseits. Andererseits ist er äußerlich ruhig, entfaltet den Konflikt Zug um Zug, Szene um Szene: Am Mittagstisch von Elma Radnor (grandios: Mary McDonnell), die eine Pension betreibt und die zwei Anführer der Detektive sehr widerwillig beherbergt. In der Kirche, wo Regisseur John Sayles höchstpersönlich einen gegen die Streikenden eifernden Baptisten-Prediger spielt.

Wo aber auch Elma Radnors fünfzehnjähriger Sohn als Prediger beeindruckt und in einer geschickt gewählten Bibelinterpretation die gegen Kenehan aufgewiegelte Arbeiterschaft zurück in die richtige Spur bringt. Der wird von keinem Geringeren als Will Oldham mit erstaunlicher blonder Matte verkörpert, der nicht nur hier ein toller Schauspieler ist, auch wenn er als Musiker (Bonnie „Prince“ Billy) längst die noch größere Nummer ist.

Und dann ist „Matewan“ nicht nur wahr und gut, sondern auch unfassbar schön. Völlig zu Recht war Kameramann Haskell Wexler, linker Filmemacher eigenen Rechts („Medium Cool“), für den Oscar nominiert. Er schält Gesichter und Lichter aus einer Dunkelheit, die immer auch das Dunkel der Vergangenheit ist. Mit Patina hat die altmeisterliche Arbeit mit natürlichem Licht in Innenräumen wie draußen am nächtlichen Feuer gar nichts zu tun, dafür alles mit der Größe und Würde, die den streikenden Arbeitern und auch den arbeitenden Frauen zukommt.

John Sayles hat nach „Matewan“ noch einige tolle Filme gemacht, unabhängig, am Rand der Filmindustrie. Seit 2013 ist er, der immer um das Geld kämpfen musste, als Filmemacher leider verstummt. Weil er auch das kann, schreibt er stattdessen Romane. Gerade ist wieder einer erschienen, „Crucible“, über den Autoindustriemagnaten Henry Ford. Sayles ist so wenig unterzukriegen wie die linken Helden, von denen er hier und in anderen Filmen und Büchern erzählt.

Originally published bytaz
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