Climate taz
Solidarisch auf der COP31: Die wichtigsten Klima-Kämpfer*innen brauchen Unterstützung
In der Türkei findet die Weltklimakonferenz statt: doch Queers steht ein repressiver Staat gegenüber. Wie kann das gut gehen? mehr...
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V on Tirana fährt ein Bus direkt nach Istanbul. Als ich Ende September in Albanien war, hatte ich ihn eingeplant, weiterfahren, ein paar Tage durch Istanbul laufen. Am Ende fuhr der Bus ohne mich. Kurz vor meiner Reise hatte die Polizei in 15 türkischen Provinzen queere Vereine, Bars und Wohnungen durchsucht. Ermittelt wird gegen 162 Menschen, alles unter einer Operation mit dem Namen „Meine Familie ist sicher“. Aha!
In Ankara wurden Vorstandsmitglieder des Vereins Kaos GL festgenommen, als Beweismittel sind laut Human Rights Watch Fotos von küssenden Männern angeführt worden. In mehreren Städten gingen Menschen dagegen auf die Straße, allein vor dem Istanbuler Justizpalast nahm die Polizei 106 von ihnen fest. Homosexualität ist in der Türkei nicht verboten. Verfolgt werden Queers trotzdem, etwa wegen „Obszönität“. Als queere Person hatte ich keine Lust, diese Erfahrung selbst auszutesten.
Aber gerade deshalb interessiert mich dieses Jahr mit Blick auf die COP31 mehr als nur die neueste dystopische Grad-Prognose – die ehrlicherweise niemanden mehr mobilisiert. Am 9. November beginnt die diesjährige Weltklimakonferenz in Antalya. Allein die Klimabilanz des Gastgebers ist bemerkenswert: Die Türkei erzeugt mehr Kohlestrom als jedes EU-Land, ein Ausstiegsdatum gibt es nicht. Im Juni begann das Genehmigungsverfahren für einen neuen Kohleblock mit 1.050 Megawatt.
Keine Frage, damit liegt die Türkei gänzlich im Trend, der volle Fahrt zurück ins technologiefossile Zeitalter führt. Die Verhandlungen der COP31 leitet Australien, dessen Kohleexporte boomen. Und dann sind da noch die USA, die nach dem Pariser Abkommen nun die UN-Klimarahmenkonvention verlassen – als erstes Land überhaupt. Es ist fast schon logisch, dass ein Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas in Antalya offiziell nicht einmal auf der Tagesordnung steht.
Die Physik hat hier nichts zu melden. Im August lag die globale Temperatur laut Copernicus 1,65 Grad über dem vorindustriellen Niveau, wärmer war kein anderer Monat. Ein außergewöhnlich starker El Niño heizt weiter an. In seinem neuen Bericht schreibt das UN-Umweltprogramm: Die 1,5 Grad werden überschritten, das sei nicht mehr zu verhindern. Um bis 2100 mit etwa 5-prozentiger Chance wieder darunter zu kommen, müssten die Emissionen bis 2035 um 45 Prozent unter das Niveau von 2025 sinken.
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Mit der aktuellen Politik droht eine Erwärmung von 2,8 Grad. Die 1,5 Grad am Leben zu halten, bedeute Hoffnung, sagt Verhandlungsleiter Chris Bowen noch bei der Vorkonferenz in Fidschi. Nur, scheint es, interessieren sich nur wenige Länder, die nicht selbst wie die Pazifikstaaten existenziell bedroht sind, noch für dieses Ziel.
Für mich ging es beim Klima immer auch um Gerechtigkeit. Nach Ägypten, den Emiraten und Aserbaidschan tagt die COP wieder in einem Land, das seine Zivilgesellschaft klein hält. Doch wer treibt Klimapolitik voran, wenn nicht Aktivist*innen, Indigene, Feminist*innen und Queers? Eine Konferenz, auf der genau diese Menschen Angst haben müssen, kann keine gerechten Ergebnisse liefern.
Deshalb erhoffe ich mir von der Bundesregierung zweierlei: Sie sollte mit allen Willigen an einem Fahrplan raus aus den Fossilen arbeiten, egal, ob er auf der Tagesordnung steht. Darüber hinaus, hoffe ich, spricht sie in Antalya nicht nur über Gigatonnen CO2, sondern auch über Kaos GL. Die 1,5 Grad werden wir reißen. Die Menschen, die für sie kämpfen, dürfen wir nicht auch noch fallen lassen.