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Shortlist zum Deutschen Buchpreis: Wo bleibt das Drama?
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Auf der aktuellen Shortlist zum Deutschen Buchpreis stehen sehr gute Bücher, das ist gar nicht der Punkt. Shida Bazyar, Franziska Gänsler, Valerie Gordeev, Elias Hirschl, Peggy Mädler und Dana Vowinckel garantieren einen aufregenden Bücherherbst.
Es stehen auch ein paar sehr gute Bücher nicht auf der Shortlist, aber das gehört zur Natur der Sache und ist hier nicht der Punkt. Das hier soll nicht die übliche Form der Jurykritik sein, die daraus, dass man die eigenen Favoriten in der Auswahl nicht wiederfindet, einen Vorwurf konstruiert. Wobei, nur zum Beispiel, eine Auswahl, auf der Heike Geißlers Roman „Michaela Kohlhaas“ nicht steht, die Gegenwartsliteratur zahnloser dastehen lässt, als es sein müsste. Hat schon Punch, diese Kleist-Übermalung. Aber darum soll es hier wie gesagt gar nicht gehen.
Vielmehr gibt es eine andere Anmerkung loszuwerden. Diese Shortlist, könnte man kritisieren, generiert nämlich kein richtiges Drama. Eigentlich kann man sich jetzt zurücklehnen, weiterlesen und in Ruhe abwarten, welche Autorin den Preis denn jetzt im Frankfurter Römer kriegen wird. Ist schon alles okay. Jeder dieser Autorinnen gönnt man den Preis, mit graduellen Unterschieden selbstverständlich. Wer sich von ihnen am Schluss durchsetzt, so scheint es, hängt nur von der Tagesform und der Performance ihrer jeweiligen Fürsprecher auf der entscheidenden Jurysitzung ab.
Dabei gäbe dieses Herbstprogramm unbedingt auch Dramen her. Nur zwei Beispiele. Was wäre etwa, wenn Ingo Schulzes Roman „Das Wasser im August“ auf der Liste stehen würde? Und was, wenn Maxim Billers „Schwarze Samstage“ dabei wären? Dann wäre gleich was los. Newcomer gegen Platzhirsch, Establishment gegen neue Ansätze – auf beiden Seiten ließen sich Thesenstücke anzetteln, Für und Wider abwägen, die Bücher ins Gespräch bringen. Debatte. Konflikt. Katharsis. Vielleicht sollte man also eine Shortlist nicht nur über die Bücher bewerten, die draufstehen und welche nicht, sondern auch darüber, ob sie die Kraft hat, die Spannungsfelder innerhalb des literarischen Feldes sichtbar zu machen? Nur so als Frage.
Eine zweite Möglichkeit wäre subtiler. Und zwar gibt es in diesem Bücherherbst nach dem Hype um Autofiktionen einen gewissen Trend dazu, den Blick auf die Figuren wieder aus der personalen Perspektive zu werfen, inklusive der Behauptung, sich ungebrochen in andere Personen hineindenken zu können (neben Bazyar versuchen das etwa Stefan Thomé und Michael Kumpfmüller). Ist das ein Backlash? Ist das ein produktiver Move? Kommt es jetzt zu einem Nebeneinander der Ansätze? Das wären interessante Fragen, die sich anhand dieser Shortlist auch nicht so richtig thematisieren lassen.
Das wären also so Punkte. Innerhalb einer Jury ist so ein Blick, der vielleicht sogar von den eigenen Vorlieben abstrahiert, selbstverständlich schwer herzustellen, das ist schon klar. Spannender wäre es bis zur Preisverleihung aber schon gewesen. Doch, wie gesagt, wer jetzt den Preis bekommt, das wird schon okay sein.
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Source: taz