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Germany · taz · · 2h

Saisonauftakt der Volleyballerinnen: Geschichten aus dem Thüringer Wald

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W as haben der Thüringer Wald und die Volleyballbundesliga der Frauen gemeinsam? Sie wollen beide bundesweit sichtbarer werden. Und so ist es kein Zufall, dass der zu Saisonbeginn ausgetragene Supercup zwischen dem Meister VfB Suhl und dem Dresdner SC am Samstag unter dem Namen „Thüringer Wald Supercup 2026“ veranstaltet wurde.

Der Regionalverbund „Thüringer Wald“ hatte sich die Namensrechte beim Veranstalter, dem gastgebenden Verein aus Thüringen, der sich offiziell VfB Suhl Lotto Thüringen nennt, erworben, um das Tourismusgeschäft etwas anzukurbeln. Dass die Veranstaltung am Tag der Deutschen Einheit freiwillig ins 50 Kilometer entfernte bayerische Coburg verlegt wurde, nahmen die Thüringer Lobbyisten in Kauf. Mit dem Feiertag hatte das indes wenig zu tun, die heimische Halle in Suhl, auch Wolfsgrube genannt, harmoniert aufgrund ihres Schulhallencharakters einfach nicht so gut mit dem Wort Supercup und den Ansprüchen, welche die Vereine und die Liga daraus ableiten.

Aber so leicht entkommt man der Provinzialität nicht. Wie die Volleyball-Bundesliga mitteilte, wurden nach dem 3:0-Sieg (26:24, 29:27, 25:23) des VfB Suhl gegen den Dresdner SC im oberfränkischen Coburg die Goldmedaillen für die Gewinnerinnen von der Thüringer Justizministerin Beate Meißner und der Pokal vom Thüringer Innenminister Georg Maier ausgehändigt. Gemeinsame Termine mit Pokalsiegerinnen oder Pokalsiegern sind für die Thüringer Landespolitik schließlich ein seltenes Glück.

Überraschend deutlich hat das Überraschungsteam der vergangenen Saison auch die neue begonnen. Obwohl die Konkurrenz in Dresden, Schwerin oder Stuttgart über weitaus besser bestückte Budgets verfügt, haben die Thüringerinnen mit dem Pokal- und Meistertitel 2026 alle verblüffen können. Und auch der Abgang der letzte Saison in Suhl so überzeugend aufspielenden US-Außenangreiferin Mackenzie Foley nach Dresden konnte in diesem ersten Duell kompensiert werden, auch wenn die einzelnen Sätze recht umkämpft waren.

Als Ausbildungsverein versteht man sich beim VfB Suhl eigentlich und misst sich nun in der Champions League erstmals mit der europäischen Elite. Auch diese besonderen Begegnungen, unter anderem gegen den CEV-Cup-Sieger Galatasaray Istanbul, werden in Coburg ausgetragen.

Es sind gute Gelegenheiten, über Thüringen hinaus Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Versucht hat man das beim VfB Suhl in den letzten Jahren nicht immer mit den glücklichsten Mitteln. Ein Werbeschriftzug „prachtregion.de“, auch eine Tourismuskampagne eines thüringischen Landkreises, der quer über dem Gesäß der Spielerinnen in der Saison 2018/19 zu lesen war, brachte dem Verein mehr Bekanntheit, aber ebenfalls einen Shitstorm und eine Rüge des Deutschen Werberats ein. Die Herabwürdigung und Sexualisierung von Sportlerinnen wurde angeprangert.

Auch wenn die neue Thüringer Tourismuskampagne in der Volleyball-Bundesliga vielleicht nicht so super, sondern eher hinterwäldlerisch wirken mag, kann dies als Fortschritt gewertet werden. Und die Funktionäre der Liga tun ohnehin alles, um zu zeigen, dass sie auf der Höhe der Zeit mitspielen. Da gibt es einen Masterplan 2030, ein Zukunftsbudget und Strategielandkarten und jede Menge Visionen.

In Suhl beziehungsweise Coburg wird sowieso vorzugsweise über Volleyball gesprochen. Die Leistung vom Samstag stimmt den VfB-Trainer Laszlo Hollosy optimistisch: „Wir haben heute gezeigt, dass wir auch in dieser Saison wieder wettbewerbsfähig sind. Nach der vergangenen Saison haben wir viele gute Spielerinnen an andere Vereine verloren, aber jetzt hat meine Mannschaft wieder gezeigt, dass sie mit jeder Situation umgehen kann.“

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Source: taz