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Russische Angriffe auf Saporischschja: Tote und Verletzte unweit der Front
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Meistens ist es ruhig im Zentrum von Saporischschja. In der ostukrainischen Großstadt hört man deutlich seltener Explosionen als in Kyjiw. In den frühen Abendstunden kann man hier häufig einen singenden Schlagzeuger bewundern, der direkt an der Hauptstraße, dem Prospekt Soborni, mit seinen Drumsticks auf die Felle schlägt. Und ein paar Meter vor ihm tanzen Kinder dazu. Auch ihre Eltern, die hinter ihnen stehen, haben ihre Freude an der Musik.
Doch der Schein trügt. Gerade einmal 12 Kilometer weiter südlich, in Kuschuhum, beginnt die Hölle. Der Ort, in dem vor dem Krieg 7.000 Einwohner gelebt haben, wird ständig von der russischen Armee angegriffen. Im Januar haben die Behörden begonnen, Familien mit Kindern aus Kuschuhum zu evakuieren.
Doch viele hatten die Evakuierung zunächst abgelehnt. Am 22. August wurden Kuschuhum und das benachbarte Balabyne von sieben gelenkten Fliegerbomben getroffen. Dabei kamen drei Menschen ums Leben. Im September wurden die Evakuierungen wegen der zunehmenden Intensität der Angriffe schwieriger. Aufsehenerregend war der Fall von zwei Frauen aus dem benachbarten Malokateryniwka, die fast fünf Tage zu Fuß bis Kuschuhum unterwegs waren und sich dabei vor russischen Drohnen versteckten. Und nur zehn Kilometer hinter Kuschuhum beginnt die „Null“, wie man in der Ukraine die Front nennt.
Mit dem Einmarsch im 24. Februar 2022 begann der groß angelegte russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Bereits im März 2014 erfolgte die Annexion der Krim, kurz darauf entbrannte der Konflikt in den ostukrainischen Gebieten.
Und auch die Stadt selbst ist bei Weitem nicht sicher. „In meinem Stadtteil Kosmos“, erzählt eine Passantin, „geht niemand mehr mit seinen Kindern einfach so auf die Straße.“ Vor allem gegen Abend surren die FPV-Drohnen über die Straßen, machen Jagd auf FußgängerInnen. Sie holt ein Gerät aus der Tasche, das aussieht wie eine größere Pistole. Es ist ein Drohnenfänger.
Wenn man abdrückt, wirft sich ein Netz wie ein Lasso über die Drohne, auf die man zielt. Dadurch geht die Drohne in sicherer Entfernung zu Boden. Doch dieses Gerät kostet 80 Euro und es hat nur einen Schuss.
Doch solche Geräte gewähren nur sehr bedingt Schutz. Am Samstag zerstörte eine russische Drohne ein Privathaus, in dem sich eine Familie aufhielt, vollständig. Rettungskräfte bargen die Leichen zweier Frauen aus den Trümmern. Ein 45-jähriger Mann und ein vierjähriger Junge erlitten Verletzungen unterschiedlichen Schweregrades.
Angegriffen wurden die Stadtteile Schewtschenkiwskyi und Oleksandriwskyi. Dabei wurden insgesamt dreizehn Wohngebäude beschädigt. Neben Wohnhäusern wurden auch ein städtischer Markt sowie ein Veteranenheim beschädigt.
Bereits in der Nacht zum Freitag hatte Russland durch einen Drohnenangriff zwei Krankenhäuser in der Stadt beschädigt. Aus einem der betroffenen Krankenhäuser evakuierten Rettungskräfte fünf Menschen. Ein Mann erlitt nach vorläufigen Angaben leichte Verletzungen. Auch ein zweites Krankenhaus in Saporischschja wurde getroffen. Dort wurden Räume sowie ein Rettungswagen und zivile Fahrzeuge beschädigt.
Vor diesem Hintergrund sorgt man sich auch in anderen medizinischen Einrichtungen. „Ja, wir fürchten natürlich um unsere Klinik“, erklärt der Ingenieur Serhij Makarenko vom Nephrologischen Zentrum gegenüber der taz. Makarenko ist gleichzeitig Mitarbeiter der Klinik und einer der 200 Patienten, die dort drei mal die Woche eine Dialyse erhalten.
Aber nicht nur direkte Drohnenangriffe sind eine Gefahr. „Seit der private ukrainische Post- und Kurierdienstleister Nova Poshta regelmäßig von russischen Drohnen angegriffen wird, können können wir nicht mehr davon ausgehen, zuverlässig Dialysezubehör zu erhalten“, so Makarenko.
Doch an Aufhören in dieser Zeit denkt niemand. „Wir machen alle unsere Arbeit. Und die Planungen gehen weiter. Aktuell laufen Planungen für einen eigenen Brunnen.“ Der Klinik sei es wichtig, nicht mehr auf die städtischen Wasserwerke angewiesen zu sein. „Hier in Saporischschja sind die Wasserrohre sehr alt und können nicht annähernd die Qualität liefern, die wir für die Dialysen brauchen.“ Eigenes artesisches Wasser würde die Arbeit erleichtern.
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Source: taz