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Rapperin macht kleinen Waffenschein: Nura hat jetzt eine Waffe
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Ich höre Nura Habib Omer, Künstlerinnenname Nura, seit ich zu Beginn meines Studiums SXTN entdeckte. Ich fühlte mich ketzerisch, wenn ich „Von Party zu Party“ auf dem Heimweg hörte. Ich mochte ihr Solo-Album, ich mochte sie als Schauspielerin bei „Die Discounter“. Ich mag sie aber vor allem, weil sie zu allem die Fresse aufmacht. Egal, ob es um Fridays for Future geht, um CSDs oder Palästina. Nuras Lautstärke hat etwas Befreiendes und Anschlussfähiges.
Deshalb sank mir am Wochenende das Herz, als mich eine Freundin auf dem Rückweg vom Kino fragte: „Wie denkst du darüber, dass Nura jetzt einen kleinen Waffenschein hat?“ Nura? Waffen? Wie kann sie nur?!
Zu Hause schaute ich sofort Nuras Instagram-Account an. Dort erklärt sie in einem Video, wie sie den sogenannten kleinen Waffenschein gemacht hat. Wegen der Insta-Einschränkungen nennt sie den „Pew-Pew-Schein“ und sie schreibt dazu: „Cornell 7 is everywhere“ – eine Anspielung auf 7 Männer, denen vorgeworfen wird, eine Studentin an der US-Eliteuni Cornell vergewaltigt zu haben.
Nura erzählt, dass sie schon von mehreren Männern gestalkt wurde. Sie spricht davon, dass der Waffenschein ihrem Schutz dienen soll. Nura ist eine Schwarze Frau, mit 3 Jahren ist sie mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet. Sie steht mit ihrem Körper und ihrer Stimme, mit der sie sich immer wieder politisch äußert, in einer Öffentlichkeit, in der sie gleichzeitig rassistischen und sexistischen Angriffen ausgesetzt ist. Ich kann nicht wissen, wie sich das anfühlt. Was ich weiß: Ich bewundere Nura dafür, wie sie das in ihren Auftritten und Songs verarbeitet. Und ihr Selbstschutzargument kann ich nachvollziehen.
Aber beim Gedanken an Waffen wird mir schlecht. Auch wenn es beim kleinen Waffenschein „nur“ um Schreckschusspistolen, Reizstoff- und Signalwaffen geht. Aber mir wird auch schlecht, wenn ich darüber nachdenke, dass eine Frau wie Nura – die ich immer als stark wahrgenommen habe – das Gefühl hat, eine Waffe zu brauchen, um sich zu schützen.
Nura ist mit der Selbstbewaffnung nicht allein: Die Anzahl der kleinen Waffenscheine in Deutschland ist 2025 gestiegen. Ende des vergangenen Jahres wurde ein Rekordwert von 900.000 gezählt. Parallel steigt auch der Schusswaffengebrauch: In Berlin wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik 119 Fälle erfasst, das sind 68 Prozent mehr als im Vorjahr. Was passiert mit einer Gesellschaft, wenn immer mehr Menschen das Gefühl bekommen, sich bewaffnen zu müssen?
Ich beobachte, dass das Waffen- und Gewaltthema in letzter Zeit öfter aufgenommen wird, etwa durch junge Künstler*innen. Ich denke an „Lipgloss an der Kalash“ von Wa22ermann. Oder an Bangerfabrique: „Death to all abusers, die die die!“
Der Cornell-7-Fall steht für eine Welt, in der junge Frauen nirgendwo vor Männern sicher sind. Nicht vor Männern, die vergewaltigen, und vor Männern, die dabei zusehen.
Ich versuche mir vorzustellen, wie es wäre, eine Waffe zu tragen. Was, wenn sie mir jemand abnimmt? Was, wenn eine Situation eskaliert, weil beide Seiten eine Waffe haben? Was, wenn das Mittel, das mir Sicherheit geben soll, am Ende gegen mich verwendet wird?
Ich schaue mir weitere Tourvideos von Nura an, wie sie vor Tausenden auf der Bühne steht. Selbstbewusst.
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Source: taz