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Midterm Elections: Wer? Wann? Was? Wie?
Die Zwischenwahlen am 3. November können entscheidend sein für die Zukunft der USA. Aber was passiert da genau und worauf kommt es an? Ein Überblick. mehr...
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Wahlen in den USA sind stets ein riesiges Unterfangen. Seit den dramatischen Ereignissen rund um die Präsidentschaftswahl 2020 und dem Sturm aufs Kapitol bergen sie zudem ein Risiko für massive politische Gewalt. Nun stehen am 3. November die Midterm Elections an, also die sogenannten Zwischenwahlen in der Mitte der Amtszeit eines Präsidenten, bei der die beiden Kammern des US-amerikanischen Kongresses – Senat und Repräsentantenhaus – ganz oder teilweise neu besetzt werden.
Dabei gelten eigentlich ungeschriebene Regeln: Es verliert immer die Partei, die gerade im Weißen Haus sitzt, und die Wahlbeteiligung ist niedrig. Zumindest die erste der beiden Regeln scheint 2026 durch die Umfragen bestätigt zu werden: Die oppositionellen Demokraten führen in nahezu allen Kategorien. Dass Donald Trump und sein Vize J. D. Vance derzeit auf Wahlkampftour sind in Staaten, die eigentlich als tief republikanisch gelten, zeigt, dass auch sie die Lage der eigenen Partei kritisch sehen. Alles kommt darauf an, wer seine Anhängerschaft tatsächlich zum Urnengang mobilisieren kann.
Eine Wahl zum US-Repräsentantenhaus findet alle zwei Jahre statt, doch sie ist anders als eine Bundestagswahl: Es gibt keine Zweitstimme. Alle 435 Abgeordneten werden direkt in ihren Wahlkreisen gewählt, und aus welcher Partei am Schluss die meisten kommen, bestimmt die Mehrheitsverhältnisse. Stimmen für den unterlegenen Kandidaten zählen nicht mit, bestimmen nicht einmal die Stärke der Opposition.
Das führt zum sogenannten Gerrymandering, also dem Neuzuschnitt der Wahlbezirke eines Bundesstaats durch den jeweiligen Gouverneur zu teils bizarren Formen. Denn je nach Zuschnitt der Wahlkreise können – bei exakt gleichem Wahlverhalten der Menschen – mehr oder weniger Sitze an die eine oder die andere Partei gehen. Insgesamt haben vor den Midterms 2026 neun Bundesstaaten die Wahlkreisgrenzen neu gezogen, mindestens fünf davon (vier republikanisch geführte Staaten, einer demokratisch) klar mit dem Ziel, der eigenen Partei einen Vorteil zu verschaffen. Wäre das Stimmverhalten 2026 exakt so wie 2024, würden die Republikaner in diesem Jahr dadurch 10 Sitze mehr in Washington gewinnen.
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Doch das Stimmverhalten ist eben nicht das gleiche. Derzeit sitzen im Repräsentantenhaus 219 Republikaner und 214 Demokraten, 2 Sitze sind vakant. Den Umfragen zufolge werden die Demokraten im neuen Repräsentantenhaus mindestens 220 Sitze ziemlich sicher haben, also eine Mehrheit, und die Republikaner 196. Die übrigen 19 Sitze sind extrem umkämpft.
Damit wäre die Zeit von Republikaner Mike Johnson als Sprecher des Repräsentantenhauses vorbei. Der bisherige demokratische Fraktionschef Hakeem Jeffries würde wohl zu seinem Nachfolger gewählt werden und wäre dann der dritte Mann im Staat. Würden Präsident und Vizepräsident gleichzeitig wegfallen, würde Jeffries zum neuen Staatsoberhaupt vereidigt.
Derzeit sind von den 100 Senator*innen – zwei pro Bundesstaat, unabhängig von dessen Größe und Bevölkerung – 53 Republikaner und 47 Demokraten (zwei Unabhängige mitgerechnet). Zur Wahl stehen alle zwei Jahre ein Drittel der Senator*innen, dafür sind die 100 Sitze in drei Gruppen unterteilt: Class 1 und 2 umfassen jeweils 33, Class 3 dann 34 Senatoren. In diesem Jahr ist Class 2 dran. Dazu kommen zwei Sonderwahlen, weil mit dem Wechsel der Class-3-Senatoren J. D. Vance und Marco Rubio in Trumps Regierung diese beiden Sitze nur interimsmäßig von den jeweiligen Gouverneuren besetzt wurden.
Von den 35 zur Wahl stehenden Sitzen werden derzeit 13 von den Demokraten und 22 von den Republikanern besetzt. Um zu einer Mehrheit im Senat zu kommen, müssten die Demokrat*innen ihre Sitze halten und mindestens 4 neue dazu gewinnen. Stand jetzt scheint das nicht unmöglich.
Sitze hinzugewinnen könnten die Demokraten in North Carolina, Ohio, Maine, Alaska – und Texas, wo sich der Demokrat James Talarico tatsächlich anschickt, den Trump-Loyalisten Ken Paxton zu besiegen. Er wäre der erste demokratische Senator aus Texas seit vier Jahrzehnten.
Auch 36 der 50 Gouverneursposten werden neu gewählt. Davon sind derzeit die Hälfte demokratisch und die andere Hälfte republikanisch besetzt.
Viele der auf beiden politischen Seiten populären Gouverneure dürfen wegen Amtszeitbegrenzungen nicht wieder antreten, zum Beispiel Gretchen Whitmer in Michigan, Gavin Newsom in Kalifornien oder Ron DeSantis in Florida. Einige kandidieren von sich aus nicht erneut, wie Kamala Harris' ehemaliger Vizekandidat Tim Walz in Minnesota nach einem Betrugsskandal. Andere wie J. B. Pritzker in Illinois, Greg Abbott in Texas oder Josh Shapiro in Pennsylvania sind so etabliert, dass sie sich um ihre Wiederwahl keine Sorgen machen müssen.
Wir analysieren die US-Zwischenwahlen vom 3. November: Was bedeutet das Ergebnis für die US-Politik, die Demokraten, Donald Trump und die Präsidentschaftswahlen 2028?
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Umfragen halten einen Nettozugewinn von zwei Gouverneursposten für die Demokraten für wahrscheinlich. Wichtiger als die reine Zahl ist allerdings, dass der Gouverneursposten auch in etlichen jener Staaten neu gewählt wird, die bei der Präsidentschaftswahl 2028 vermutlich Swing States sein werden. Ob dort ein Demokrat oder ein Trump-Loyalist für die Ausgestaltung der Wahl zuständig ist und deren Ablauf überwacht, könnte entscheidend werden.
Aus den Reihen der Gouverneure rekrutieren sich in der Regel auch künftige Präsidentschaftskandidaten. Sie haben den Vorteil exekutiver Erfahrung und sind unbelastet vom Image Washingtoner Politklüngels. Frühere Beispiele: Jimmy Carter, Ronald Reagan, Bill Clinton oder George W. Bush.
Gehen wir von zwei keineswegs sicheren Szenarien aus: 1. Die Demokrat*innen gewinnen eine oder gar beide Kammern des Kongresses. 2. Die Republikaner akzeptieren die Niederlage. Was könnte daraus folgen?
Donald Trump würde keine neuen Gesetze mehr durchbringen, und die Demokraten hätten im Repräsentantenhaus die Federführung bei der Erstellung des Bundeshaushaltes. Nur: Seit der „Big Beautiful Bill“, dem im Juli 2025 verabschiedeten 900-Seiten-Kerngesetz seiner Wirtschafts- und Steuerpolitik, hat Trump ohnehin nicht mehr auf die Legislative gesetzt. Er regiert per Dekreten (Executive Orders), mitunter in klarer Kompetenzüberschreitung oder Missachtung tatsächlicher Gesetze. Das macht er, bis ihn ein Gericht stoppt – und versucht es anschließend meist gleich erneut.
Umgekehrt könnte eine eventuelle demokratische Mehrheit zwar Gesetze verabschieden, etwa die landesweite Legalisierung von Abtreibung oder Medicare für alle beschließen – wüsste aber, dass sie am Veto des Präsidenten scheitern würde. Politisch wäre es richtig, Energie in solche Initiativen zu stecken. Aber die demokratischen Fraktionen werden weiterhin ideologisch divers aufgestellt sein. Dass sie die Kraftanstrengung unternehmen, sich auf Gesetze zu einigen, die dann doch nicht Wirklichkeit werden, scheint schwer vorstellbar.
Dennoch könnte Trump im Senat endlich Widerstand gegen seine radikalsten und unqualifiziertesten Personalentscheidungen bekommen. Und der Kongress könnte Trumps Entscheidungsbefugnisse, etwa zum Fortgang des Irankriegs, stärker einschränken.
Die größte Versuchung der Demokraten läge vermutlich darin, mit diversen Untersuchungsausschüssen bis hin zu neuen Amtsenthebungsverfahren frontal gegen die massive Korruption der Trump-Regierung vorzugehen. Dafür hätten sie – zumindest lassen sich derzeitige Stimmungsumfragen so lesen – durchaus öffentlichen Rückhalt. Aber wie die Erfahrung zeigt, besteht der genau so lange, bis Ausschüsse tatsächlich in tagelangen Anhörungen das „Wer wusste was wann?“ zu ergründen versuchen, statt sich um die drängenden Sorgen der Bürger*innen zu kümmern.
Insofern wäre wohl die wichtigste Konsequenz aus von den Demokraten gewonnenen Wahlen eine Verschiebung des politischen Diskurses, womöglich sogar in beiden Parteien. Donald Trumps Stern bei den Republikanern könnte sinken, und bei den Demokrat*innen wird viel davon abhängen, wie die zahlreichen progressiven Kandidat*innen, die ihre Vorwahlen gegen den Willen der Parteiführung gewonnen hatten, tatsächlich abschneiden bei den Midterms. Ist ein Sieg wie der von Zohran Mamdani doch kein Phänomen, das nur in New York funktioniert?
Was sehr sicher scheint: Donald Trump selbst wird in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit noch einmal alles kaputtzuschlagen versuchen, was seine Präsidentschaft bislang überlebt hat. Und womöglich wird er weiterhin mit einer illegalen dritten Amtszeit kokettieren. Denn Trump kann es nicht ertragen, nicht selbst im Mittelpunkt des Interesses zu stehen – als „lame duck“ anderen den Platz im Rampenlicht zu überlassen, das widerspricht all seinen Wesenszügen.
Aber vor allem: Vom „Project 2025“, dem Programm zum autoritären Staatsumbau, das die Heritage Foundation 2023 vorgelegt hatte, ist erst rund die Hälfte umgesetzt. Es ist also nicht nur in Trumps Aufmerksamkeitsinteresse, weiter die Abrissbirne zu schwingen.