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Germany · taz · · 2h

Mehr Ernährungsarmut in Berlin: Wenn Mahlzeiten einfach ausfallen

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Wenn das Geld knapp wird, müssen immer mehr Menschen Mahlzeiten auslassen. Davon ist in Berlin je­de*r Zehnte betroffen. Das geht aus einer Studie der Gesellschaft für Innovative Marktforschung (GIM) hervor, die der Ernährungsrat Berlin beauftragt hat. Dabei wurden eineinhalb Monate lang ingesamt 1.018 Ber­li­ne­r*in­nen telefonisch zu ihren finanziellen Mitteln für Ernährung befragt.

Besonders betroffen sind drei Gruppen: Familien mit Kindern, ältere Menschen und junge Erwachsene. Von den Befragten mit einem Kind im Vorschulalter gaben zwölf Prozent an, dass Mahlzeiten ihrer Kinder aus Geldmangel zeitweise kleiner ausfielen oder ausfallen müssten.

„Ernährungsarmut ist in Berlin längst keine Randerscheinung mehr“, mahnt der Ernährungsrat. Sprecherin Saskia Richartz sieht einen Zusammenhang zu Kürzungen der Sozialhilfe: „Wenn Löhne nicht zum Leben reichen und die Sozialhilfe keine ausreichende und vollwertige Ernährung ermöglicht, sparen Menschen sich buchstäblich das Essen vom Munde ab.“ In Berlin spitze sich das Problem gegenüber dem Bundesdurchschnitt deutlich zu.

Der Ernährungsrat beauftragt im Zusammenarbeit mit der HU das EU-geförderte Forschungsvorhaben „FoodClic“. Es setzt sich für „widerstandsfähige Ernährungsumgebungen“ im urbanen Raum ein sowie „für den Zugang zu gesunden, gerechten und nachhaltig hergestellten Lebensmitteln.“

Anlässlich der bevorstehenden Koalitionsverhandlungen in Berlin formuliert der Ernährungsrat Forderungen, um Armut und besonders die Ernährungsarmut zu bekämpfen. Dazu gehören eine engere Zusammenarbeit der Ressorts für Umwelt und Verbraucherschutz, soziale Stadtentwicklung, Gesundheit und Bildung. Der Ernährungsrat bietet sich als Koordinator an, um wissenschaftliche und gemeinwohlorientierte Ak­teu­r*in­nen mit Expertise in die Berliner Ernähungspolitik einzubeziehen.

Außerdem fordert der Rat einen besseren Zugang zu Obst, Gemüse und pflanzlichen Proteinen, etwa durch Angebote wie die Er­näh­rungs­lot­s*in­nen und „Gemüse auf Rezept“. Dieses Programm erprobt der Ernährungsrat bereits in Neukölln: Dort erhalten 13 Pa­ti­en­t*in­nen auf ärztliche Empfehlung eine wöchentliche Obst- und Gemüselieferung. „Was derzeit aus Projektmitteln finanziert wird, sollte künftig als Leistung der Gesundheitsprävention oder öffentlichen Daseinsvorsorge staatlich übernommen werden“, fordert Amna Alhashemi vom Ernährungsrat.

Außerdem wird von der zukünftigen Regierung die Weiterführung vom beitragsfreien Grundschulessen sowie von Programmen wie der „Kantine Zukunft“ und den Kiezkantinen gefordert. Saskia Richartz: „Viele Lösungen sind andernorts bereits erprobt. Das Kiezkantinenkonzept der Berliner Linken ist ein guter Anfang.“ Die zukünftige Regierung solle diesen Ansatz aufgreifen und um weitere Lösungen ergänzen, so Richartz.

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Source: taz