Germany · taz · 3h
Klimawandel: Breites Bündnis sieht Kindeswohl bedroht
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Kinder und Jugendliche müssen bei der Anpassung an den Klimawandel besonders berücksichtigt werden. Das fordern 77 Organisationen in einem Positionspapier, darunter Greenpeace, der Paritätische Gesamtverband, die Kindernothilfe und Fridays for Future.
„Kinder und Jugendliche haben am wenigstens zum Klimawandel beigetragen, werden aber länger und härter betroffen sein“, sagt Dirk Holzinger von der Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG). „Fehlender Klimaschutz und Klimaanpassung sind Kindeswohlgefährdung.“
Kinder und Jugendliche reagieren KLUG zufolge empfindlicher auf Folgen des Klimawandels als Erwachsene. Laut den Mediziner*innen bekommen sie häufiger Hitzschläge und trocknen schneller aus. Säuglinge und Kleinkinder können ihre Körpertemperatur noch nicht gut durch Schwitzen regulieren und überhitzen deswegen rasch.
Die Expert*innen schreiben, Allergien und Asthma würden aufgrund des Klimawandels zunehmen, weil sich Blühzeiten verlängern und Pollen infolge von Hitzestress, Luftverschmutzung und Trockenheit aggressiver werden. Hitzewellen vergrößerten zudem die Gefahr von Tot- und Frühgeburten und können in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft die Entstehung von Herzfehlbildungen bei Ungeborenen erhöhen.
Bündnis fordert, bestehende Gesetze einzuhalten
„Kinder sind Menschen in Entwicklung“, sagt Holzinger. Fehlender Klimaschutz und Klimaanpassung treffe sie härter als Erwachsene. „In Schulen, in denen Hitzeschutz mangels der nötigen Mittel kaum möglich ist, können Kinder und Jugendliche weniger gut lernen.“ Sich draußen bewegen zu können, „das, was Kinder tun sollen“, werde durch Klimafolgen wie Hitze und Starkregen erheblich eingeschränkt, warnt Holzinger. „Die wichtigste Ressource, die unser Land hat, sind Menschen, denen etwas einfällt – junge Menschen, deren Entwicklung wir gerade gefährden.“
Das Bündnis fordert deshalb Bund und Länder auf, „bestehende gesetzliche Verpflichtungen“ zum Klima- und Umweltschutz einzuhalten. Dazu gehöre der im Grundgesetz verankerte Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, das Klimaschutzgesetz sowie die UN-Kinderrechtskonvention.
Außerdem sollen Bund und Länder die Gelder bereitstellen, damit Kommunen Klimaanpassung an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen ausrichten können. Die 77 Organisationen schlagen zum Beispiel sichere, vor Hitze geschützte Schulwege vor, gut belüftete Schulgebäude, Kitas und Jugendhilfeeinrichtungen sowie begrünte und deshalb kühlere Bewegungs- und Aufenthaltsorte.
Die dritte Forderung des Bündnisses: Kinder und Jugendliche sollen an der Klimapolitik beteiligt werden. „Wir können nicht weiter Entscheidungen fällen ohne die, die am längsten von ihnen betroffen sein werden“, sagt Marischa Fast von KLUG, die das Bündnis initiiert hat.
Zu den 77 Mitgliedern des Bündnisses gehören neben Umweltschützer*innen auch Sozialarbeiter*innen, Psychotherapeut*innen, Kitas, kirchliche Jugendgruppen und Hebammen. „Wir haben unter diesem Aktionsbündnis viele Berufe versammelt, die sich für Kindeswohl einsetzen, aber oft nicht miteinander sprechen“, sagt Fast. „Für die Beteiligten in den jeweiligen Institutionen ist das ein Ermächtigungsmoment: Sie merken, dass sie nicht allein sind.“
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Source: taz