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Gesundheitswesen in Afrika: Der lange Weg zum eigenen Impfstoff

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Die Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union (AU) haben sich 2020 darauf verständigt, bis 2040 mindestens 60 Prozent der auf dem Kontinent benötigten Impfstoffe selbst herzustellen. Eine eigene Impfstoffproduktion soll die Anfälligkeit des Kontinents für globale Lieferengpässe – wie während der Coronapandemie – verringern. Die starke Importabhängigkeit hat den Zugang zu Impfungen während Gesundheitskrisen oft verzögert, Menschenleben gekostet und so bestehende Ungleichheiten verschärft.

Mit eigenen Produktionsstätten wären die afrikanischen Staaten auf Krankheitsausbrüche besser vorbereitet und könnten schneller reagieren. Zudem würden die Impfstoffkosten langfristig sinken. Schließlich könnten qualifizierte Arbeitskräfte ausgebildet und die industrielle Entwicklung vorangetrieben werden.

Als sich die AU 2020 in Addis Abeba auf das Ziel einigte, produzierte Afrika lediglich 1 Prozent der Impfstoffe selbst, die auf dem Kontinent verwendet wurden. Sechs Jahre später hat sich daran kaum etwas geändert, sagt Chiluba Mwila vom Verband der afrikanischen Seuchenbekämpfungsbehörden Africa Centres for Disease Control and Prevention (Africa CDC).

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Der Anteil könnte inzwischen sogar noch geringer sein, da einige Produktionsstätten geschlossen wurden. Afrika arbeite daran, künftig bis zu acht besonders wichtige Impfstoffe selbst herzustellen, darunter jene gegen humane Papillomviren (HPV), Gelbfieber, Malaria und Masern-Röteln, Pneumokokken, Rotaviren, Cholera sowie ein Sechsfachimpfstoff, unter anderem gegen Hepatitis.

Länder wie Senegal, Algerien, Tunesien, Marokko, Südafrika und Ruanda haben bereits begonnen, in die heimische Impfstoffproduktion zu investieren.

„Der Wettlauf hat begonnen“, sagt Mwila. Doch es gebe Herausforderungen bei der Finanzierung, der Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte und beim Marktzugang. „Wenn Afrika sein Ziel erreichen will, muss der Kontinent diese Probleme strategisch angehen“, sagte Dr. Mwila.

Der Aufbau einer vollständig funktionsfähigen Impfstofffabrik könne bis zu sieben Jahre dauern und erhebliche Investitionen erfordern. Zudem würden mehr als 95 Prozent der pharmazeutischen Wirkstoffe weiterhin importiert.

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Die Produktion auf dem Kontinent konzentriere sich nach wie vor überwiegend auf die Verpackung von Arzneimitteln und weniger auf die vorgelagerten Produktionsschritte und die Entwicklung eigener Produkte. Gleichwohl mache Afrika schrittweise Fortschritte, sagt Mwila. Immer mehr Länder investierten in Produktionsanlagen, die eine kommerzielle Herstellung von Impfstoffen ermöglichen.

Bis 2024 hatten Südafrika, Ägypten, Marokko, Ghana und Senegal entweder bereits entsprechende Anlagen aufgebaut oder bereiteten entsprechende Anlagen vor. In Tansania, Kenia, Nigeria, Ruanda, Uganda und Äthiopien seien entsprechende Projekte in Planung.

Impfungen seien eine der wirksamsten Maßnahmen der öffentlichen Gesundheitsvorsorge, sagt Mugisha Nkoronko, Präsident der Medical Association of Tanzania (MAT).

Die Importabhängigkeit „gefährdet die Gesundheitssicherheit in ganz Afrika“, sagt er. „Wenn Menschen vermeidbaren Krankheiten ausgesetzt sind, sinken Produktivität und Lebenserwartung, die gesamte sozioökonomische Entwicklung leidet.“ Und viele durch Impfungen vermeidbare Krankheiten treten vor allem in tropischen Regionen auf, in denen es besonders häufig zu Ausbrüchen kommt, so Nkoronko.

Es gebe eine „Diskrepanz zwischen der Krankheitslast Afrikas, den gesundheitspolitischen Prioritäten und der Verfügbarkeit von Impfstoffen.“ Nkoronko erinnert an die Anfälligkeit globaler Lieferketten für Impfstoffe während der Coronapandemie und durch jüngste geopolitische Konflikte. „Ereignisse wie die Spannungen in der Straße von Hormus, der Krieg in der Ukraine und andere globale Konflikte haben die Lieferketten für wichtige medizinische Güter beeinträchtigt“, sagt er.

„Wir machen erhebliche Fortschritte“, sagt Tansanias Chefapotheker Daudi Mmasi. Er rechnet bis 2030 mit sichtbaren Ergebnissen. Die Regierung Tansanias habe 400 Hektar Land für den Bau eines Industrieparks bereitgestellt. Langfristig solle der Importanteil für Gesundheitsprodukte um 85 Prozent sinken. Im Mai 2026 hat die Regierung eine Absichtserklärung zwischen dem Gesundheitsministerium und dem deutschen Pharmakonzern Sartorius über die Entwicklung eines Pharma-Industrieclusters in Dar es Salaam unterzeichnet.

Mtebe Majigo, Professor für klinische Mikrobiologie und Immunologie an der Muhimbili University, sagt, Tansania verfüge über qualifizierte Fachkräfte für die Impfstoffproduktion. Sorgen bereite ihm jedoch die Infrastruktur.

„Dies ist eine äußerst wettbewerbsintensive Branche, und Hersteller werden ihr geschütztes Wissen voraussichtlich nicht mit anderen teilen“, sagt Majigo. Die Impfstoffproduktion erfordere umfangreiche Vorbereitungen, insbesondere bei der Entwicklung von Antigenen und Antikörpern. „Das bleibt eine der größten Herausforderungen, die Tansania bewältigen muss, wenn es bei der Impfstoffproduktion unabhängig werden will“, so Majigo.

Allerdings sind nicht alle davon überzeugt, dass Impfstoffe aus heimischer Produktion sofort das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen werden. Die Bibliothekarin Rehema Msigara etwa sagte, sie würde in den ersten Jahren zögern, solche Impfstoffe zu verwenden. Zunächst wolle sie Gewissheit über deren Qualität haben. Sie habe von Fällen „medizinischer Fahrlässigkeit und Korruption sowie der Beschaffung minderwertiger Arzneimittel“ gehört, sagt Msigara. Sie würde lieber abwarten, bis die Produktion etabliert ist und nachweislich den Qualitätsstandards entspricht. Msigara ist nicht die Einzige.

Laut Chiluba Mwila von Africa CDC haben afrikanischen Staaten inzwischen Finanzierungszusagen von gut 10,2 Milliarden US-Dollar erhalten, um die eigene Herstellung von Medizinprodukten voranzutreiben. Geber sind unter anderem die Impfallianz Gavi, die EU, die African Export-Import Bank und die Afrikanische Entwicklungsbank.

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Source: taz