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Elektroingenieur über die Antarktis: „Ich dachte, ich spiele viel Gitarre“

Michael Trautmann war als Techniker auf der Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis. Monatelang sah er nur Eis – und dieselben acht Leute. mehr...

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taz: Herr Trautmann, Sie waren insgesamt 70 Wochen als Elektroingenieur auf der Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis. Was haben Sie gesehen, wenn Sie morgens aufgewacht sind und aus dem Fenster geschaut haben?

Michael Trautmann: Eine Eislandschaft und in sechs Kilometern Entfernung Eisberge. Hinter den Eisbergen kam im Sommer das offene Meer. Im Winter ist das Meer zugefroren und es frieren nochmal viele Eisberge fest. Früh am Morgen kann es sein, dass man Polarlichter sieht. Wenn es stürmt, sieht man gar nichts mehr. Nur weiß.

taz: Wie ist es mit dem Tag-Nacht-Wechsel?

Trautmann: Im Winter ist es zwei Monate dunkel, im Sommer zwei Monate hell. Im Sommer ist es eintönig, aber im Winter wird die Landschaft farbig. Der Schnee reflektiert den Himmel und leuchtet grün oder auch magentafarben.

taz: Wie sah Ihr Arbeitsalltag auf der Station aus?

Trautmann: Man steht gegen sieben Uhr auf. Im Sommer muss man aufpassen, dass man genug schläft, weil man nicht müde wird, wenn es immer hell ist. Der Tag startet mit einer Teambesprechung und dann gibt es alles Mögliche an technischer Arbeit. Ich war als Elektroingenieur auf der Station, aber meine Arbeit war nur zehn Prozent Elektrotechnik und der Rest alles Weitere. Zum Beispiel haben wir ein Blockheizkraftwerk ausgetauscht. Oder ich habe Schneemobile und Pistenbullys repariert. Oder die Klär- und Windkraftanlage gewartet.

33, stammt gebürtig aus Brake, hat Elektriker gelernt und anschließend Elektrotechnik in Wilhelmshaven studiert. Auf der Neumayer-Station III war er zwischen Dezember 2021 und Februar 2023, auf der Kohnen-Station von Oktober 2023 bis März 2024. Derzeit arbeitet er als leitender Elektroingenieur beim Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven in der Projektdirektion Polarstern II.

Trautmann: Im Winter hat man sein eigenes Zimmer. Im Sommer gibt es eine Übergabe, da teilt man sich sechs bis acht Wochen ein Zimmer mit dem Vorgänger. Bei der Sommerexpedition hatte ich einen Pistenbully, in dem ich geschlafen habe. Der hatte hinten eine Kabine. Das kann man sich vorstellen wie einen Camper.

taz: Im Winter sind es nur neun Leute, die acht Monate zusammen auf der Station leben. Wie schafft man es, dass alle miteinander klarkommen?

Trautmann: Wir hatten vier Monate Vorbereitungszeit, in der wir größtenteils in WGs zusammengelebt haben. Wir haben gemeinsam Lehrgänge absolviert und sind zusammen in die Alpen gefahren, wo wir uns in eine Gletscherspalte abgeseilt und im Zelt übernachtet haben. Da ging es darum, zu schauen, wo unsere Grenzen liegen und ob das Team sich versteht. Es kann sein, dass in dieser Zeit eine Person ausgewechselt wird oder selbst erkennt, dass es nicht passt. Das war bei uns aber nicht der Fall.

„70 Wochen Antarktis – Überwinterung im ewigen Eis“: Vortrag von Michael Trautmann mit Bildern und Videosequenzen; 7. November, 15 bis 17 Uhr, Zeise-Kino, Hamburg

taz: Wie haben Sie Ihre Freizeit auf der Station gestaltet?

Trautmann: Am Anfang dachte ich, ich spiele viel Gitarre, aber das habe ich dann nicht so viel gemacht. Ich war viel draußen und habe fotografiert.

Trautmann: Wir hatten relativ langsames Internet. Wir mussten uns absprechen, wenn jemand einen Film oder Bundesliga streamen wollte. Dann mussten alle anderen raus. Das hat sich geändert mit Starlink. Jetzt gibt es so schnelles Internet wie zu Hause.

taz: „Die Zeit dehnt sich“ heißt es in dem Theaterstück „Polaris“ über das Leben auf der Neumayer-Station III. Stimmt das?

Trautmann: Für mich ging die Zeit schnell vorbei, weil ich viel zu tun hatte. Wir haben eher Späße gemacht, dass wir den 36-Stunden-Tag einführen könnten, als es nicht mehr dunkel wurde. Und wir hatten gemeinschaftliche Aktionen in der Freizeit. Spaten-Weitwurf zum Beispiel.

taz: Wozu brauchen Sie auf der Station Spaten?

Trautmann: Die Station steht ja auf Stelzen. Die mussten wir abdichten, damit sich der Raum unter der Station nicht mit Schnee füllt.

Trautmann: Im Sommer sind so Minus 5 Grad im Schnitt. Aber im Winter wird es bis zu Minus 48 Grad. Da überlegt man sich zweimal, ob man rausgeht.

Originally published bytaz
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