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Eine Frau als Baseball-Schiedsrichterin: „Du hättest zu Hause bleiben sollen, Kartoffeln schälen“
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D er große Traum von Bernice Gera, als erste Schiedsrichterin im US-Profi-Baseball zu arbeiten, endete schon nach dem ersten Spiel am 24. Juni 1972. Schon am Vorabend des Spiels hatten mehrere Männer vor ihrem Motel-Zimmer gestanden, Beleidigungen gerufen und die Außen-Beleuchtung zerstört. „Ich hatte große Angst“, sagte sie später einem Reporter der Zeitung Sun Sentinel.
Zusammen mit ihrem Co-Schiedsrichter fuhr sie einen Tag später zum Shuron Park. Man spreche normalerweise immer über das anstehende Match, über Regeln, das Stadion, aber er antwortete ihr nicht, egal welches Thema sie anschnitt. Schließlich habe er erklärt „Ich habe dir nichts zu sagen“ – und das sei der Moment gewesen, in dem ihr klar wurde, dass dies ihr einziges Profi-Baseball-Spiel bleiben werde.
Dabei wurde sie von Fans freundlich begrüßt, die Medien drängelten sich um sie und auch Frauen der „National Organization for Women“ waren extra gekommen, um ihr mit einem Plakat zu gratulieren. „Right on!“ stand darauf. Aber Gera war nervös. Und machte schließlich einen Fehler, den sie zwar umgehend korrigierte, aber das reichte für sehr viel Männer-Wut vollkommen aus.
Der damalige Manager der Phillies bedrängte sie daraufhin, schrie sie an: „Du hättest zu Hause bleiben sollen, Kartoffeln schälen.“ Als sie ihn vom Platz stellte, nahm ihn ihr Schiedsrichter-Partner demonstrativ in den Arm und begleitete ihn zur Spielerbank. Es ergab keinen Sinn. Später wurde ihr vorgeworfen, dass sie mit ihrem Rückzug die Tür für andere Frauen geschlossen habe. Sie erwiderte: „Wie könnte ich eine Tür schließen, die nie offen war?“
In ihrer Kindheit war die 1931 geborene Bernice Gera eine richtig gute Spielerin. Bei Nachbarschaftsspielen sei sie oft vor den Jungs in ein Team gewählt worden. Nach der Highschool wurde sie Sekretärin in New York, aber die Faszination für Baseball blieb. Gera gab sie an die Kinder weiter, die in ihrem Stadtteil lebten: „Ich kaufte ihnen Handschuhe und ging mit ihnen in den Park, um zu trainieren.“ In einer Wurfbude auf Coney Island erhielt sie Hausverbot, nachdem sie mit ihren präzisen Würfen insgesamt 300 Plüschtiere gewonnen hatte – die sie allesamt an bedürftige Kinder verschenkte.
Aber sollte das wirklich alles gewesen sein? Nein, 1966 bewarb sich Bernice bei der Al-Somers-Schiedsrichterschule und wurde angenommen. Allerdings hatte man dort ihren Vornamen falsch als „Bernie“ gelesen und teilte ihr mit, es habe noch nie Frauen auf der Schule gegeben und es werde auch nie welche geben.
An der National Sports Academy in West Palm Beach wurde sie schließlich aufgenommen. Da sei sie mit praktisch jedem bekannten Schimpfwort „und ein paar neuen“ beleidigt worden, schilderte sie die Atmosphäre dort. Ihr Ausbilder Jim Finley hielt zu ihr, im Juli 1967 schloss sie die Ausbildung erfolgreich ab und sammelte bei Amateur- und Halbprofi-Spielen erste Erfahrungen.
Im professionellen Baseball blieb Bernice Gera dagegen unerwünscht. Einer Beschwerde bei der New Yorker Antidiskriminierungsbehörde folgten lange gerichtliche Auseinandersetzungen. 1972 bestätigte das höchste Gericht des Bundesstaates New York, dass Gera wegen ihres Geschlechts diskriminiert werde. Die Funktionäre gaben klein bei. Es kam zu ihrem ersten und letzten Einsatz bei den Profis.
Bernice Gera wurde schließlich 1975 von den NY Mets für die Öffentlichkeitsarbeit eingestellt. Nachdem ihre Stelle gestrichen wurde, zog sie mit ihrem Mann Steve nach Florida, wo sie am 23.9.1992 mit 61 Jahren an Krebs starb. Auf ihrem Grabstein steht: „Pro Baseball’s First Lady Umpire“.
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Source: taz