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Germany · taz · · 2h

DFB-Elf unter Jürgen Klopp: Alles wieder gut

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So schnell kann das also gehen. Die deutsche Fußballnationalmannschaft wird wieder geliebt. Bundestrainer Jürgen Klopp hat sich den Status als Fußballmessias, den er nach der merkwürdigen Niederlage gegen Griechenland am vergangenen Sonntag verloren hatte, in Windeseile zurückerobert. 90 fabelhaft spielfreudige Minuten gegen hoffnungslos überforderte Serben haben gereicht, um die gerade bei Länderspielen sonst doch arg müde Münchner Arena in einen stimmungsvollen Fußballtempel zu verwandeln. Es wurde gestrahlt nach diesem 2:0 gegen Serbien im dritten Gruppenspiel der Deutschen in der Nations League. Nicht nur für Jürgen Klopp war es ein „perfekter Abend“.

Der hat sich über Tom Bischofs famosen Auftritt im Mittelfeld gefreut („geiler Kicker“), gestaunt, welch grandioser Fußballer der Stratege vor der Abwehr Aleksandar Pavlović doch ist („Ihr in München seht ihn ja öfter“). Und er hat gefeiert, wie Florian Wirtz, dem in Liverpool wenig Lob zuteilwird, in diesem Spiel wieder zu dem Ballstreichler wurde, als der er noch vor gar nicht langer Zeit verehrt wurde. Aber nicht nur seine zwei Geniestreiche vor den Toren – eines hat er mit einem Dribbling und anschließendem Pfostenschuss vorbereitet, das andere nach einem feinen Trick im Strafraum selbst erzielt – haben dem Bundestrainer gefallen.

Wirtz habe „bretthart gearbeitet“, sagte Klopp voller Anerkennung. Er hatte den Job, 90 Minuten lang den serbischen Torwart anzulaufen und unter Druck zu setzen, wenn der am Ball ist. Denn so ist er, der Fußball, den sich Jürgen Klopp für die Nationalmannschaft vorstellt. All den kreativen Szenen, die zu beinahe schon sagenhaften 30 Abschlüssen geführt haben, von denen etliche echte Großchancen waren, sind Balleroberungen oft tief in der serbischen Hälfte vorausgegangen. Zu Klopps Gegenpressingfußball gehört eben jede Menge Arbeit. 120 Kilometer haben die Deutschen zusammengerechnet auf dem Platz zurückgelegt, 10 mehr als die Serben.

Der Biss, der dem Team anzusehen war, basiert auf Schufterei. Und man wird sich daran gewöhnen müssen, dass Klopp Spieler für Dinge lobt, die sie zum Zwecke der Balleroberung machen. Fußballspielen können sie eh alle. Das konnten sie gewiss auch unter Klopps unglückseligen Vorgängern. Jetzt müssen sie jenen Vollgasfußball aufs Feld bringen, mit dem der Bundestrainer einst berühmt geworden ist. So stattete er etwa den Hoffenheimer Bambasé Conté, der in der zweiten Hälfte für den spielfreudigen Freiburger Angreifer Derry Scherhant eingewechselt worden war, mit einem Sonderlob für dessen Balleroberungen aus.

Natürlich hätte er am liebsten alle einzeln gewürdigt, so begeistert wie er war. Und natürlich hat er bei all dem Spaß, den ihm seine Spieler an diesem Donnerstagabend gemacht haben, nicht vergessen, auch die in Schutz zu nehmen, die sich gegen Griechenland noch blamiert hatten. Die hätten doch gerade einmal zweieinhalb Trainingseinheiten gehabt. „Die können das auch“, meinte er auf die Frage, warum das Spiel durch die Mitte diesmal besser funktioniert habe.

Und Joshua Kimmich, den Kapitän jener Verlierertruppe, nahm er noch einmal ganz speziell in Schutz. Nachdem der bei Klopp mehrmals mit der Bitte vorstellig geworden war, ihn entgegen dem ursprünglichen Plan doch für den Kader zu nominieren, der für das Spiel gegen Serbien und das am Sonntag anstehende in Griechenland vorgesehen ist, war glatt eine Kimmich-Debatte im Land losgebrochen. Doch Klopp stellte klar, dass dessen Zeit in der Nationalelf nicht vorüber ist.

Aber so ganz genau kann man das eben nicht wissen. Mit seinen über 40 Nominierungen muss Klopp jetzt irgendwie einen Umgang finden. Klar, alle, die er eingeladen hat, findet er toll, geil oder super. Aber beinahe die Hälfte wird nicht dabei sein, wenn Mitte November die nächsten Länderspiele anstehen.

Ob etwa Mika Baur von Celtic Glasgow, der bei seiner Einwechslung als 1000. Nationalspieler in der Geschichte des DFB vorgestellt wurde und sich im Applaus der Massen baden durfte, so schnell wieder für die DFB-Auswahl kicken wird, ist alles andere als sicher. Was durch das Klopp’sche Auswahlverfahren jetzt schon feststeht: Auch die nächste Pressekonferenz zur Kadernominierung wird eine große Show werden.

Doch so weit ist es noch nicht. Bis Sonntag darf erst mal bejubelt werden, dass der deutsche Fußball doch noch nicht mausetot ist. Das ist gewiss eine schlechte Nachricht, für all jene Rassisten, die seit der Niederlage gegen Griechenland die Kommentarspalten im Netz mit ihrer Hetze gegen nicht weiße Spieler zuzumüllen versuchen. Klopp hatte vor dem Spiel klargemacht, dass er sich mit dem rassistischen Mob nicht weiter befassen möchte. Am Donnerstag hat er sich dann besonders am Fahnenmeer im Stadion erfreut, wie er sagte. Jubel in Schwarz-Rot-Gold als antirassistisches Statement? Schön wär’s.

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Source: taz