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Germany · taz · · 2h

Deutsches Eishockey der Frauen: Internationale Entwicklungshilfe

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Vier deutsche Teams, eines aus Ungarn und eines aus der Slowakei: So setzt sich die Deutsche Frauen Eishockey Liga (DFEL) zusammen, wenn sie am 12. September in die Saison 2026/27 startet. Während es für den Hokiklub Budapest schon die dritte Spielzeit in der deutschen Liga ist, kam mit dem Veolia Hockey Team Petržalka aus Bratislava ein Neuling dazu. Damit wird die Liga größer, vermutlich konkurrenzfähiger – und internationaler.

Warum Teams aus Ungarn und der Slowakei? Die Antwort ist schnell gefunden: Es gibt schlicht keine deutschen. Mannschaften wie Planegg, Düsseldorf, Köln, Bergkamen oder Hannover hatten sich in den vergangenen Jahren aus der DFEL zurückgezogen und spielen nun entweder niedriger oder haben – wie Rekordmeister ESC Planegg – den Betrieb komplett eingestellt. „Es gibt einige deutsche Mannschaften, die wir an das Niveau der DFEL heranführen wollen. Es macht aber keinen Sinn, das zwangsweise zu machen, wenn nicht genügend Spielerinnen vorhanden oder diese zu jung sind“, sagt Ronja Jenike, Leistungssportreferentin Frauen beim Deutschen Eishockeybund (DEB).

Daher geht der Verband einen anderen Weg und will künftig weiter unten ansetzen, um langfristig mehr deutsche Teams in der höchsten Liga zu etablieren. Denn neben fehlenden finanziellen Mitteln ist eine große Herausforderung die große Abbruchquote ab der U15. „Wir wollen uns im U18-Bereich breiter aufstellen und eine Mädchenliga installieren“, kündigt Jenike an. Mit einem Pilotprojekt startet dieses Vorhaben in Bayern, soll dann auf ganz Deutschland ausgerollt werden.

Bis die Bemühungen aus der U18 Früchte tragen, nutzt die DFEL das Interesse europäischer Mannschaften. Nach Budapest nun also Bratislava, und auch aus Österreich oder Norwegen gab es schon Anfragen. „Wir haben Bratislava bewusst in die Liga geholt, weil sie gut in unser Ligenkonstrukt passen. Sie sind richtig professionell aufgestellt, haben eine tolle Infrastruktur“, sagt Jenike. So profitieren die Spielerinnen etwa von einem gekoppelten Förder- und Schulsystem, einer professionell ausgestatteten Spielstätte, einem hauptamtlichen Trainer und Vollzeit-Betreuung.

Die slowakische Mannschaft ist neu gegründet worden, die meisten Spielerinnen haben zuletzt aber als HK PSRZ Bratislava in der European Women’s Hockey League (EWHL) gespielt. Unter dem neuen Namen Veolia Petržalka Bratislava ist die Mannschaft geschlossen in die DFEL gewechselt, um sich dort auf sportlich höherem Niveau zu beweisen. Die Intention hinter dem Entwicklungsprojekt ist, die slowakischen Nationalspielerinnen in einer Mannschaft zu bündeln, um international konkurrenzfähiger zu sein.

Vom neuen DFEL-Mitglied konnten sich auch die Eisbären Juniors Frauen Berlin schon ein Bild machen. Am vergangenen Wochenende war das Team von Cheftrainer Philip Richter für zwei Testspiele in der slowakischen Hauptstadt, die beide knapp an Berlin gingen. „Eishockey hat dort einen anderen Stellenwert, ist volksnäher und populärer, auch wenn das neue Team noch keine eigene Fanszene hat“, resümierte Richter. Sportlich schätzt er die Mannschaft auf einem ähnlichen Niveau ein wie Hokiklub Budapest und daher als einen guten Schritt für die Weiterentwicklung der deutschen Liga.

„Das sind Spiele, die uns absolut weiterhelfen. Hart geführt, aber genau das brauchen wir im internationalen Vergleich, wo wir ja oft physische Defizite haben“, sagt Berlins Cheftrainer. Dafür hat er auch gern in Kauf genommen, 20 Stunden im Bus zu fahren. Etwa genauso lange wie zum amtierenden deutschen Meister nach Memmingen.

Trotzdem wünscht sich Richter mehr deutsche Vereine und schaut dabei regelmäßig in Richtung Düsseldorf und Hannover, aber auch nach Bayern zu Kempten und Bad Tölz. Doch noch sind die Vereine nicht bereit für die erste Liga. Damit das künftig funktioniert, hat der DEB einen Förderplan beschlossen. Ab der Saison 2026/27 werden pro Spielzeit 100.000 Euro in die Liga investiert. Die Gelder fließen an bestehende DFEL-Klubs sowie an ambitionierte Vereine, die kurz vor dem Aufstieg stehen. Bis 2034 soll die Liga auf eine stabile Größe von acht bis zehn Teams wachsen.

Die aktuell sechs Teams spielen ab dem kommenden Wochenende in einem veränderten Spielmodus: Nach einer Doppelrunde folgen vier weitere regionale Begegnungen. Insgesamt kommt jede Mannschaft damit auf 24 Spiele in der Hauptrunde, bis am 6. März 2027 die Playoffs starten. Eine wichtige Unterbrechung gibt es schon bald: Vom 28. Oktober bis 16. November ruht der Ligabetrieb wegen der Weltmeisterschaft in Dänemark, die erstmals zu dieser Jahreszeit und nicht im Frühjahr stattfindet – also weit vor den Saisonhöhepunkten der Ligen und sogar vor dem Start der nordamerikanischen Frauen-Eishockey-Liga PWHL.

Ronja Jenike, die sich in den vergangenen Tagen auch die Basketball-WM der Frauen in Berlin angesehen hat, wünscht sich irgendwann auch eine Heim-WM. Bis deutsches Fraueneishockey aber so weit ist, um auch so einen Hype wie derzeit in Berlin auszulösen, müssen nicht nur internationale Erfolge her, sondern auch eine professionell aufgestellte DFEL. Mit Bratislava und Budapest geht aktuell zumindest das sportliche Niveau schon in die richtige Richtung.

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Source: taz