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Buch über Macht von Bewertungssystemen: Eine universelle Sprache der Rechtfertigung
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Punktesysteme, Rankings und Listen sind heute allgegenwärtig. Die Beliebtheit von Politikern, Universitäten oder Restaurants lässt sich mit ihnen darstellen. Und die eigene Fitness, Ernährung oder den Schlaf mit den Werten anderer ins Verhältnis setzen. Von Klickzahlen auf Social Media und daraus abgeleiteter Relevanz ganz zu schweigen.
In seinem Buch „Der Score. Wie wir aufhören, das Spiel der anderen zu spielen“, beschäftigt sich der Philosoph C. Thi Nguyen mit der Frage, wie solche Rankings funktionieren, wie sie zu einem der prägendsten Werkzeuge unserer Zeit geworden sind und warum es so wichtig ist, ihre Wirkungsweise zu verstehen.
All diese Bewertungskriterien gehen auf Metriken zurück. Eine Metrik ist ein messbarer Wert oder eine Funktion, mit ihr lassen sich der Abstand zwischen Elementen oder der Erfolg von Prozessen darstellen. Nguyen zufolge basieren Metriken auf den sogenannten vier Reitern der Bürokratie: Regeln, Skalierung, Teilen und Kontrolle. In seiner blumigen Sprache bezeichnet er sie als eine fordernde Gottheit, die Gaben bereithält, aber auch Einschränkungen mit sich bringt.
„Metriken üben Druck auf uns alle aus, sie zu verwenden, sobald wir sie einmal haben. Sie sind das klare, allgemeine Bedeutungssystem, eine universelle Sprache der Rechtfertigung“, so der Philosophieprofessor aus Utah. Ihre Macht beruhe darauf, dass sie von allen geteilt werden – was wiederum voraussetze, „dass sie auch im großen Maßstab stabil und unflexibel sind.“
Dem setzt er als positives Beispiel die Welt der Spiele entgegen. Sowohl Metriken als auch Spiele seien mächtige Technologien, die jeweils unterschiedliche Werte verkörperten. Erstere füllten „die Welt mit radikal unterschiedlichen Handlungsweisen“. Letztere beraubten der Welt ihrer „Vielfalt von Bedeutungen“ und reduziere sie zu einem „einzigen, monolithischen Wertesystem.“
C. Thi Ngyuen: „Der Score. Wie wir aufhören, das Spiel der anderen zu spielen“. C.H. Beck, München 2026, 377 S., 28 Euro
All das leitet Nguyen kenntnisreich her, immer wieder ergänzt durch Beispiele aus seinem persönlichen Alltag. Leider fallen die bisweilen sehr ausufernd aus, was eventuell der Lektorin des Verlags zu verdanken ist, die dem Autor zufolge „dazu beigetragen hat, dass das vorliegende Buch weniger wie akademisches Getöse und eher wie ein menschliches Bekenntnis klingt“.
Apropos menschlich: Die ehrlichsten Sätze finden sich zum Schluss. Nach 358 Seiten teilt Nguyen seinen Leser:innen mit, dass er sich selbst nicht klar sei, „wie ich all diese Dinge beurteilen soll.“
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Source: taz