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Auswirkungen von Deepfakes in Lesotho: Wenn der König plötzlich lügt

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Die Warnung kam am 25. Juni: „Mehrere Institutionen täuschen die Öffentlichkeit, und behaupten, von der Zentralbank zugelassen zu sein“, hieß es auf der Website ebenjener Zentralbank von Lesotho. Werbung für betrügerische Anlageangebote hatte sich binnen kurzer Zeit in den sozialen Medien des Landes verbreitet. Die Zentralbank empfahl „dringend“, solche Angebote zu meiden.

Andere Betrüger klonten derweil die Websites namhafter nationaler Unternehmen wie Letšeng Diamonds, um arbeitslose Jugendliche mit gefälschten Stellenangeboten zu täuschen.

Nur wenige Monate zuvor war ein Deepfake-Video von Lesothos König Letsie III. auf Facebook und WhatsApp viral gegangen. Darin bewarb der Monarch angeblich eine staatlich geförderte Geldanlage, die wöchentliche Auszahlungen von 19.320 lesothischen Loti – umgerechnet rund 1.025 Euro – versprach. Das Büro des Königs, Polizei und Informationsministerium starteten eine überstürzte Gegenkampagne.

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Und auch Informationsministerin Nthati Moorosi wurde zum Ziel eines Deepfakes. Ein am 19. Juni veröffentlichtes Video zeigte sie angeblich in einem Wutausbruch während einer Fernsehsendung. Der Beitrag enthielt zudem manipulierte Aussagen des Oppositionsführers im Parlament.

Täglich werden Facebook-Feeds in Lesotho mit KI-generierten Betrugsversuchen und synthetischen Falschmeldungen überflutet, die sich häufig gegen prominente Persönlichkeiten richteten. Die Inhalte verbreiteten sich weitgehend ungehindert.

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In dem von hoher Jugendarbeitslosigkeit geprägten Land ist die Produktion von Desinformation zu einer Einnahmequelle geworden. Armut befeuert die cyberkriminelle Gig-Economy. Auch deshalb verbreitet sich Desinformation in Lesotho mit hoher Geschwindigkeit, insbesondere auf Plattformen wie Facebook, Whatsapp und Tiktok, sagt Kananelo Boloetse, Nachrichtenredakteur der lokalen Zeitung Newsday.

Über anonyme Konten oder gefälschte Auftritte von Medienhäusern verbreiten sich Falschinformationen innerhalb von Minuten.

Lokale Redaktionen arbeiten unter erheblichem finanziellen und zeitlichen Druck. Fakten würden deshalb nur selten vor der Veröffentlichung eines Beitrags umfassend überprüft, sagt Nicole Tau, Landesdirektorin des Media Institute of Southern Africa (MISA) in Lesotho. Gründliche Verifikationen gebe es meist bei größeren investigativen Recherchen – oder zur Schadensbegrenzung, nachdem ein unüberprüfter Beitrag bereits verbreitet worden sei.

„Unsere Rolle besteht nicht mehr nur darin, über Ereignisse zu berichten, sondern Behauptungen vor der Veröffentlichung zu überprüfen und Unwahrheiten schnell zu entlarven“, sagt der Journalist Boloetse.

Dabei nutzt nur etwa die Hälfte der Bevölkerung Lesothos regelmäßig das Internet. Viele Menschen informieren sich weiterhin über das traditionelle UKW-Radio. Doch auch die Sender stehen vor neuen Herausforderungen. Sie hätten „manchmal Schwierigkeiten, falsche Behauptungen in sozialen Medien zu erkennen, und wiederholen diese dann“, sagt Boloetse. Virale, unbestätigte Informationen gelangten so aus den sozialen Medien auf die UKW-Frequenzen.

Die afrikanische Medienlandschaft ist vielerorts unterfinanziert, polarisiert und strukturell unter Druck. Globale Tech-Plattformen ziehen einen wachsenden Teil der Werbeeinnahmen an sich. Zugleich stoßen westliche Fact-Checking-Konzepte in Ländern mit geringer digitaler Durchdringung an Grenzen: Sie setzen häufig hohe digitale Kompetenz, verbreitete Smartphone-Nutzung und zuverlässigen Internetzugang voraus – Bedingungen, die in Lesotho nicht flächendeckend gegeben sind.

Die digitale Informationsordnung folgt dabei einer geopolitischen Hierarchie. Vorschriften, Infrastruktur und Geschäftsmodelle des digitalen Zeitalters werden maßgeblich in den Technologiezentren Chinas und im Silicon Valley in Kalifornien geprägt. Die ländlichen Räume des Globalen Südens tragen einen Teil der Folgen. Es entsteht eine neue Form des digitalen Kolonialismus.

Der Globale Norden verfügt dabei über größere Ressourcen, um KI-Regulierung zu entwickeln, Systeme zur Inhaltsmoderation einzusetzen und Technologieunternehmen zur Bekämpfung missbräuchlicher Inhalte zu verpflichten. Länder des Globalen Südens sind dagegen häufig auf Technologien und Regeln angewiesen, die außerhalb ihrer eigenen Gesellschaften entwickelt wurden. Das beeinflusst auch die Perspektive auf die Welt: Informationen und Erzählungen stammen vielfach aus westlichen Quellen. Die Glaubwürdigkeit lokaler Medien gerät dadurch zusätzlich unter Druck. In Afrika wächst so eine neue „Informationsunordnung“, die die öffentliche Meinungsbildung verzerrt. Und Lesotho bildet dabei keine Ausnahme.

Beim UN Global Dialogue on Artificial Intelligence Governance in Genf am 6. und 7. Juli 2026 verwies Lesothos stellvertretende Premierministerin Nthomeng Justina Majara auf die nationale KI-Politik des Landes von 2025 und die KI-Strategie der Afrikanischen Union. Die KI-Governance dürfe nicht allein dem Risikomanagement dienen, sondern müsse auch Innovation und den Aufbau von Kapazitäten ermöglichen, sagte sie. Kanono Ramashamole, Informations-Staatssekretär sagte, Lesotho wolle nicht nur Nutzer von KI-Technologien sein, sondern an der Gestaltung der Strategien, Plattformen und digitalen Grundlagen mitwirken, die die Zukunft der KI prägen werden.

Doch unterdessen verschärfen sich die strukturellen Herausforderungen mit der wachsenden Reichweite der Big-Tech-Plattformen. Die Konzerne produzieren zunehmend Inhalte mit afrikanischen Figuren, lokalen Namen und regionalen Themen. Damit treten sie in direkte Konkurrenz zu einheimischen Medienhäusern und verändern die lokalen Medienmärkte. Verbreitet werden diese Inhalte über globale Streaming- und Plattformstrukturen, die über soziale Netzwerke wie Facebook leicht zugänglich sind.

Die Herausforderung für afrikanische Gesellschaften besteht deshalb nicht allein darin, zwischen wahr und falsch zu unterscheiden. Es geht auch um die Frage, wer die technischen Systeme kontrolliert, über die Informationen verbreitet, gewichtet und sichtbar gemacht werden. Wenn Plattformen, Algorithmen und KI-Anwendungen überwiegend außerhalb Afrikas entwickelt werden, entstehen Abhängigkeiten, die weit über die Medienwelt hinausreichen. Desinformation ist dann nicht nur ein Problem einzelner Falschmeldungen, sondern Ausdruck eines Machtgefälles in der globalen Informationsordnung. Lesotho zeigt, wie schnell sich dieses Gefälle bis in die entlegensten Regionen einer Gesellschaft fortsetzen kann.

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Source: taz