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Architektin der Moderne Eileen Gray: Späte Berühmtheit

Am 31. Oktober jährt sich zum 50. Mal der Todestag der irischen Architektin Eileen Gray. Ihre Biografin zeigt sie als Figur des Aufbruchs in den 1920ern. mehr...

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Neben der Teppichweberei inklusive des Färbens der Wolle und, ganz wichtig, der asiatischen Lackkunst hat Eileen Gray sich auch das Fotografieren beigebracht. Sie war sich der zentralen Rolle des fotografischen Bilds für die Vermittlung der Design- und Baumoderne sehr bewusst und setzte ihre Entwürfe selbst in Szene. Zugleich achtete sie darauf, dass nur wenige Fotografien von ihr in Umlauf kamen. Meist kennt man nur das markante Profilbild, das Berenice Abbott von ihr machte. Es wäre Zeit, sich auch mit ihrem fotografischen Werk zu beschäftigen, meint ihre Biografin Charlotte Kerner.

Eileen Gray, die nie heiratete und sich auch sexuell nie festlegte, wollte die Kontrolle über ihr Leben und ihr Werk behalten. Ausgerechnet bei ihrem Meisterwerk, die Villa E.1027 an der Côte d’Azur, in Rocquebrune-Cap-Martin, gab sie sie ab: Sie ließ Jean Badovici als Eigentümer von Haus und Grund eintragen. Der 15 Jahre jüngere rumänische Architekt hatte als Herausgeber der Avantgardezeitschrift L’Architecture Vivante lange ihre Arbeit gefördert und war 1925, als er sie zum Bau von E.1027 ermutigte, auch ihr Geliebter.

Der Name setzt sich aus ihren Initialen zusammen: E für Eileen, 10 für J, 2 für B und 7 für G im Alphabet. Mit Badovicis Unterstützung stellt Gray das Haus 1929 fertig; er widmete ihm ein ganzes Heft seiner Zeitschrift. Danach kriselte die Beziehung. 1931 verließ Gray das Haus.

Charlotte Kerner: „Pionierin der Moderne. Die Architektin und Designerin Eileen Gray: Eine Biographie“. E.A. Seemann Verlag, Leipzig 2026, 272 Seiten, 26 Euro.

Dass sie es nie wieder betrat, lag an Le Corbusier, nicht an Badovici. Der hatte 1938 den Kollegen eingeladen, worauf dieser die nackten Wände mit seinen – teils obszönen – Malereien versah. Gray sprach von Vandalismus. Wie andere Au­to­r:in­nen sieht Charlotte Kerner darin einen Akt verletzter männlicher Autorität. Le Corbusier bewunderte E.1027, beneidete Gray um das Haus und musste es deshalb – von Badovici unterstützt – markieren. Immerhin verdankt sich der Erhalt des Bauwerks letztlich auch seinen Murals.

Denn der Name Eileen Gray geriet im Zusammenhang mit dem Haus ebenso in Vergessenheit wie bei ihren berühmten, zeitweise sehr begehrten Möbelentwürfen. Von zurückhaltendem Charakter, wehrte sie sich kaum dagegen. Erst in den 1970er Jahren wurde ihr Werk wieder entdeckt, unter anderem von Yves Saint Laurent. Aus dessen Nachlass wurde 2009 einer ihrer frühen „Fauteuil aux Dragons“ für 22 Millionen Euro versteigert. Wichtiger war aber, dass Gray noch erlebte, wie ihre Entwürfe endlich in Serienproduktion gingen – stets ihr Ziel. Man rühmte ihre Funktionalität und zeitlose Ästhetik.

Doch ihre Arbeiten waren mehr. Hier liegt der besondere Reiz von Charlotte Kerners Biografie: in der Deutung dessen, was Grays Entwürfe über ihre Zeit und ihre Gestalterin verraten. „Bibendum“ etwa, ein Stahlrohrsessel, ist bewusst dem lustigen Michelin-Männchen nachempfunden, das ihm den Namen gibt. Dank des zierlichen Stahlrohrunterbaus scheinen die aufeinandergestapelten Lederwülste über dem Boden zu schweben. „Bibendum“ ist ein früher moderner Clubsessel, dem jede patriarchale Allüre von Unverrückbarkeit ausgetrieben wurde, wie Charlotte Kerner meint. Er war shocking, um einen Begriff der damaligen Modestardesignerin Elsa Schiaparelli zu verwenden. Und er ist Teil der Bewegung, mit der sich eine Gestaltergeneration mithilfe von Nickel, Stahl, Glas und Segeltuch ihr Elternhaus vom Leib schaffte.

Grays irisches Elternhaus war adelig und vermögend. Das ermöglichte ihr ein Leben in komfortabler Unabhängigkeit. Sie fuhr schnelle Autos, war Bauherrin dreier Häuser, betrieb Werkstätten für Teppiche und Lackarbeiten sowie das auf Interieur spezialisierte Laden- und Galerieprojekt Jean Désert (1922–1930). Ihre Haushälterin Louise Dany, die von 1927 bis zu Grays Tod 1976 bei ihr blieb, war ihr engste Bezugsperson. Eileen Gray brauchte wenig Öffentlichkeit, aber Menschen, auf die sie sich verlassen konnte. Als Frau hatte sie sich ein Leben eingerichtet, das ihr Freiheit ließ, und Räume geschaffen, die Freiheit ermöglichten. Das ist die eigentliche Modernität ihrer Arbeiten: Sie erzählen von einem selbstbestimmten Leben.

Originally published bytaz
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