Faultline Faultline Kommando 161

Germany · taz · · 2h

Alternativer Nobelpreis: Kämpferin für eine bessere Technologie

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Ja, es ist möglich: Man kann künstliche Intelligenz gleichermaßen ernst nehmen, ohne ihre Fähigkeiten zu überhöhen – und trotzdem auf Gefahren und Defizite hinweisen. Wie, das zeigt die Informatikerin Timnit Gebru. Bekannt wurde sie 2020, als Google ihr als Co-Leiterin des Teams „Ethische KI“ kündigte – wobei Google damals erklärte, Gebru habe selbst gekündigt – und mehr als Tausend Mit­ar­bei­te­r:in­nen dem Konzern daraufhin Diskriminierung vorwarfen und Aufklärung forderten.

Doch schon vor ihrer Zeit bei Google war Gebru eine wichtige und relevante Stimme der KI-Forschung: So zeigte sie in einer Studie, dass KI-Gesichtserkennung bei Woman of Colour deutlich höhere Fehlerraten hat als bei weißen Männern. Gebru ist außerdem Mitgründerin der NGO „Black in AI“, die sich für eine bessere Repräsentation von People of Colour im KI-Sektor und dessen politischer Regulierung einsetzt.

„Wir durchbrechen den KI-Hype“, das ist das Motto von Gebrus vor vier Jahren gegründetem Rechercheinstitut Dair, dessen Chefin sie ist. Dair will KI nicht abschaffen oder die Technologie verdammen, sondern einen konstruktiven Gegenentwurf erstellen zur zentralisierten und von Gewinninteressen geprägten Struktur und Arbeit der Tech-Konzerne. Zentral dafür ist, Menschen zusammenzubringen und ihnen Gehör zu verschaffen, die in dem Konzerndenken nicht oder nur am Rande vorkommen.

Die Right-Livelihood-Stiftung würdigte ihre Arbeit nun folgendermaßen: „Weil sie die bestehende Machtkonzentration im Bereich künstlicher Intelligenz herausfordert und eine digitale Technologie vorantreibt, die auf Gerechtigkeit, gelebter Erfahrung und menschlicher Selbstbestimmung beruht.“ Gebrus Forschung habe dazu beigetragen, die internationale Debatte um KI auf zentrale Fragen wie die nach Zweck, Verantwortlichkeit und Regulierung zu lenken.

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Source: taz